Zum Inhalt springen
Nachrichten

Hitzewelle in Köln: Notlazarett in Deutz eingerichtet – auch KVB-Busse im Einsatz – Kölner Stadt-Anzeiger

Köln kämpft seit Samstag, dem 27. Juni 2026, mit einer extremen Hitzewelle, die den Rettungsdienst an seine Kapazitätsgrenzen brachte. Zur Entlastung der Kliniken richtete die Stadt ein Notlazarett an der Messe in Deutz ein, während KVB-Busse Patienten transportierten. Die Temperaturen stiegen lokal auf bis zu 38 Grad.

Die Lage in der Domstadt hat ein kritisches Maß erreicht. Nachdem der Samstag den heißesten Juni-Tag seit Aufzeichnung der Wetterdaten markierte, mussten die Einsatzkräfte improvisieren, um den Kollaps der medizinischen Versorgung zu verhindern. Die Strategie der Stadt ist klar: Patienten, die keine intensivmedizinische Betreuung während der Fahrt benötigen, werden aus dem regulären Rettungskreislauf ausgegliedert.

Notlazarett an der Messe und KVB-Unterstützung

Notlazarett an der Messe und KVB-Unterstützung
Photo: WELT
Um die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu entlasten, wurde kurzfristig ein Notlazarett auf dem Messegelände in Deutz eingerichtet. Hier werden Personen nach Schwächeanfällen ambulant behandelt. Oft genügen eine Infusion und die kühlere Umgebung vor Ort, damit die Patienten die Einrichtung anschließend eigenständig wieder verlassen können. Die logistische Herausforderung war so groß, dass die Feuerwehr selbst Löschfahrzeuge für Transporte einsetzte. Eine ungewöhnliche Kooperation mit der Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) ergänzte das System: Die KVB stellte Busse bereit, um Patienten ohne akuten Behandlungsbedarf während der Fahrt in das Notlazarett zu bringen. Dieser Schritt verdeutlicht die Schwere der Überlastung. Wenn ein städtischer Rettungsdienst auf Linienbusse ausweichen muss, ist die Grenze der verfügbaren Krankenwagen längst überschritten.

Überlastung der Kölner Kliniken und Todesfälle

Überlastung der Kölner Kliniken und Todesfälle
Photo: BILD
In den Kliniken Merheim, Holweide und im Kinderkrankenhaus herrscht seit Freitagabend ein Ausnahmezustand. Die Notaufnahmen sind voll, was die Klinikleitung als Phänomen des Overcrowding beschreibt. In Merheim wurde eine mobile Sanitätsstation errichtet, in der Patienten erst abgeduscht und mit Eis heruntergekühlt werden, bevor sie in die Notaufnahme gelangen. Die gesundheitlichen Folgen der Hitze sind dramatisch. Laut dem Kölner Stadt-Anzeiger gab es in Merheim Todesfälle, die offenbar mit der Hitze in Zusammenhang stehen, wobei die Betroffenen an Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Schwäche litten.
Kennzahl (Klinik Merheim) Normaltag Samstag (Hitzewelle)
Reanimationen im Schockraum 2 bis 3 5 bis 6
Die personelle Belastung zwang die Kliniken dazu, Personal aus dem freien Wochenende zurückzurufen. Ein strukturelles Problem verschärft die Lage: Viele Klinikräume verfügen über keine Klimaanlagen, eine mangelnde Fassadendämmung und fehlende Verschattung. Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW, führte dies gegenüber dem WDR auf fehlende finanzielle Mittel zurück.

Lebensgefahr in Dachgeschosswohnungen

Hitzewelle in NRW: So schwitzen die Menschen in Köln
Besonders alarmierend sind die Rettungseinsätze in der Innenstadt. Am Freitag mussten sieben Menschen aus Dachgeschosswohnungen gerettet werden. Alle befanden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, da ihre Körpertemperatur bereits über 42 Grad Celsius gestiegen war. Die Diagnose lautete in allen Fällen Hyperthermie. Entgegen der Annahme, dass primär ältere Menschen gefährdet seien, berichtete BILD, dass die Betroffenen zwischen 40 und 60 Jahre alt waren. Ein Mensch musste reanimiert werden. Die Feuerwehr warnt, dass selbst körperlich fitte Menschen bei einer Körpertemperatur von 42 Grad in Lebensgefahr geraten. Als präventive Maßnahme wurden am Rudolfplatz im Rahmen der Aktion Cooling Cologne Wasserschläuche ausgelegt, die einen feinen Wassernebel versprühen, um die Umgebungstemperatur zu senken.

Hitzeschäden an Autobahnen und Infrastruktur

Hitzeschäden an Autobahnen und Infrastruktur
Photo: Kölner Stadt-Anzeiger
Die Hitzewelle beschädigt nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch die physische Infrastruktur. Der ADAC meldet geplatzte Fahrbahndecken und massive Hitzeschäden auf mehreren Autobahnen in Deutschland, was zu Sperrungen und Tempolimits führt. Laut einem Bericht der WELT sind unter anderem folgende Abschnitte betroffen:
  • A2 (Niedersachsen): Sperrung Richtung Hannover bei Burg voraussichtlich bis Sonntagnachmittag.
  • A93 (Bayern): Linker Fahrstreifen Richtung Regensburg zwischen Weiden-Süd und Luhe Wildenau bis kommende Woche gesperrt.
  • A10 (Berlin): Sperrung des linken Fahrstreitens zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf Richtung Frankfurt (Oder).
  • A7 (Hamburg): Ein Fahrstreifen Richtung Norden über das Wochenende dicht.
  • A48 (Rheinland-Pfalz) & A3 (Hessen): Geschwindigkeitsbeschränkungen an der Rheinbrücke Bendorf und bei Wiesbaden.
Diese Schäden zeigen, dass die aktuelle Hitzewelle die Belastungsgrenzen sowohl des Gesundheitswesens als auch der Verkehrsinfrastruktur gleichzeitig erreicht hat. Für die kommenden Tage gibt es erste Entlastung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für Sonntag eine leichte Reduktion auf 33 Grad. Ab Montag sollen die Temperaturen allmählich sinken und sich bis zur Mitte der Woche auf Werte zwischen 24 und 27 Grad einpendeln. Die Stadt Köln appelliert weiterhin an die Bevölkerung, auf sich und ihre Mitmenschen zu achten, um weitere medizinische Notfälle zu vermeiden.

Find more reporting in our Nachrichten section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.