Der Iran riskiert das Aus bei der Weltmeisterschaft 2026, nachdem ein 1:1-Unentschieden gegen Ägypten am 26. Juni in Seattle ein last-minute Tor von Shoja Khalilzadeh durch den VAR annulliert wurde. Die Entscheidung basiert auf einer technischen Abseitsregel und macht das Weiterkommen des Iran nun von den Ergebnissen anderer Gruppen abhängig.
Die VAR-Entscheidung: Warum das Tor von Khalilzadeh nicht zählte
In der Nachspielzeit glaubte die iranische Mannschaft, den Sieg und damit den zweiten Platz in Gruppe G gesichert zu haben. Verteidiger Shoja Khalilzadeh drückte den Ball in einem Gedränge vor dem ägyptischen Tor über die Linie. Die Euphorie hielt nur wenige Minuten an, bis der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak die Entscheidung revidierte.

Wie The Independent berichtete, folgte auf die minutenlange Prüfung die knappe Ansage des Unparteiischen: „Nach der Überprüfung“, wurde das Tor aufgrund eines marginalen Abseitsbesuchs annulliert. Die halbautomatische Abseitstechnologie zeigte, dass Khalilzadeh zum Zeitpunkt des Zuspiels nur um die Länge seines Fußes im Abseits stand.
Die Situation war hochdramatisch. Iran drängte danach massiv auf den Sieg; ein Schuss von Ramin Rezaeian wurde geblockt, und ein Kopfball von Saeid Ezatolahi prallte an die Latte.
Die technische Absurdität der Abseitsregel
Die Entscheidung ist ein Beispiel für eine spezifische Nuance des Regelwerks, die im modernen Fußball zunehmend in die Kritik gerät. Normalerweise gilt ein Angreifer als onside, wenn sich zwei Gegenspieler zwischen ihm und der Torlinie befinden – in der Regel der Torwart und ein Feldspieler.
Im Fall von Khalilzadeh war die Situation jedoch atypisch. Der ägyptische Torhüter Mostafa Shobeir war weit aus seinem Tor herausgekommen, um einen Ball zu klären, und scheiterte dabei. Dadurch befand sich der Torwart im Moment des Schusses hinter dem iranischen Angreifer. Laut einer Analyse von Forbes war Khalilzadeh damit technisch gesehen im Abseits, da nur noch ein einziger ägyptischer Feldspieler zwischen ihm und dem Tor stand.
Kritiker argumentieren, dass diese Regel ihren ursprünglichen Zweck – die Verhinderung von „Kirschpflücken“ (Cherrypicking) – längst verloren hat. Da Torhüter heute eine völlig andere Rolle einnehmen und optisch durch ihre Trikotfarben klar abgegrenzt sind, sei es unrealistisch, von Angreifern zu verlangen, die Position des Torwarts als Referenzpunkt für das Abseits zu nutzen.
Die mathematische Lage für den Iran
Das 1:1-Ergebnis führt dazu, dass Ägypten den zweiten Platz in der Gruppe G belegt und am 3. Juli gegen Australien antritt. Belgien sicherte sich mit einem 5:1-Sieg gegen Neuseeland den Gruppensieg.
Der Iran beendet die Gruppenphase ungeschlagen mit drei Unentschieden und einer Tordifferenz von null. Damit landet das Team auf dem sechsten Platz der Rangliste der Gruppendritten. Da nur die acht besten Drittplatzierten in das Achtelfinale einziehen, bleibt die Lage prekär.
Ein Live-Predictor-Tool von The New York Times weist dem Iran eine Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent zu, das Achtelfinale dennoch zu erreichen.
- Ein Unentschieden zwischen Algerien und Österreich in Gruppe J (beide kommen weiter).
- Ein Sieg der DR Kongo gegen Usbekistan.
- Mindestens ein Punkt für Kroatien gegen Ghana.
Sollten diese Ergebnisse eintreffen, wäre der Iran trotz seiner ungeschlagenen Bilanz ausgeschieden. Das Team ist derzeit für eine mögliche Begegnung gegen die Schweiz in Vancouver am Donnerstag vorgemerkt.
Ein Turnier unter politischen Spannungen
Die sportliche Dramatik wird durch den politischen Kontext verschärft. Die iranische Mannschaft ist unter extremen Bedingungen in Nordamerika angetreten. Reisebeschränkungen der US-Regierung und ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden Nationen prägten die Vorbereitung und den Aufenthalt im Gastland.

Trotz Protesten gegen die pro-regime Orientierung des Teams und der enormen psychischen Belastung hat sich der Kader als widerstandsfähig erwiesen. Dass die Mannschaft die Gruppenphase ohne Niederlage überstanden hat, wird als beachtliche Leistung gewertet.
Nun hängt das Schicksal des Teams an den Ergebnissen des letzten Spieltags der Gruppenphase am Samstagabend. Die Spieler warten in ihrem Basislager in Tijuana, Mexiko, auf die endgültige Entscheidung, ob ihre Reise in Nordamerika beendet ist oder ob sie den Weg in das Achtelfinale finden.
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