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Unternehmen

Investoren aus China: Ausverkauf deutscher Technik oder Chance?

Chinesische Investoren übernahmen in den letzten zehn Jahren zahlreiche deutsche Firmen, wobei die Aktivitäten im Jahr 2016 mit 68 Übernahmen ihren Höhepunkt erreichten. Diese Phase fiel zeitlich mit der Einführung der staatlichen Strategie „Made in China 2025“ zusammen, mit der Peking die Modernisierung seiner Industrie und die globale Wettbewerbsfähigkeit in Hochtechnologiesektoren forcieren wollte. Eine Analyse von rund 50 Unternehmen zeigt, dass die Umsätze fünf Jahre nach dem Einstieg im Schnitt um sechs Prozent stiegen, was gegen einen systematischen Ausverkauf deutscher Technik spricht.

Die Debatte um den Technologieabfluss nach China wird oft emotional geführt. Kritiker warnen vor einem schleichenden Verlust von Industriewissen, während Befürworter auf frisches Kapital und den Zugang zu neuen Absatzmärkten setzen. Eine detaillierte Auswertung des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus bringt nun erste systematische Daten in diese Diskussion.

Umsatzwachstum und Beschäftigungsstabilität seit 2016

Die Zahlen widersprechen dem Narrativ eines sofortigen Niedergangs nach einer Übernahme. Im Fokus der Analyse standen knapp 50 Unternehmen mit chinesischen Mehrheitsinvestoren, vor allem aus dem Maschinenbau, der Automobilindustrie und der Elektrotechnik.

Die wirtschaftliche Entwicklung stellt sich überraschend stabil dar. Fünf Jahre nach dem Einstieg der Investoren lagen die Umsätze der untersuchten Firmen durchschnittlich sechs Prozent über dem Niveau des Übernahmejahres. Auch die Beschäftigtenzahlen zeigen keine Anzeichen für einen massiven Stellenabbau. Zwar gab es während der Corona-Pandemie einen Einbruch, doch die Mitarbeiterzahlen erholten sich anschließend und liegen teilweise sogar wenige Prozentpunkte über dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme.

Ein Ökonom des DIW relativiert diese Ergebnisse jedoch. Er weist darauf hin, dass diese Entwicklung weitgehend der gesamtwirtschaftlichen Tendenz entspricht und nicht zwangsläufig beweist, dass chinesische Investoren deutsche Firmen automatisch erfolgreicher machen.

Der Wissenstransfer als beidseitiger Prozess

Ein Kernmotiv Pekings ist der Zugang zu technischem Know-how. Dass dies funktioniert, bestätigen die Daten: Rund 70 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einem verstärkten Wissenstransfer nach China.

Interessanterweise ist dieser Prozess jedoch keine Einbahnstraße. Über die Hälfte der Firmen gibt an, selbst von Wissen und Erfahrungen aus China profitiert zu haben. Dies revidiert die verbreitete Vorstellung, dass technisches Wissen primär von Deutschland nach China abfließt. In vielen Fällen basiert der Austausch auf Gegenseitigkeit.

Regulatorische Hürden und staatliche Kontrolle

Um den Abfluss kritischer Technologien zu begrenzen, hat die Bundesregierung die Instrumente der Investitionsprüfung verschärft. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) prüft im Rahmen der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) zunehmend detaillierter, ob Übernahmen durch Nicht-EU-Investoren die öffentliche Ordnung oder die Sicherheit der Bundesrepublik gefährden.

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Besonders in Sektoren wie der Halbleiterindustrie, der Robotik oder der Energieversorgung greifen diese Prüfmechanismen. Während viele Übernahmen im klassischen Maschinenbau problemlos verlaufen, führen diese regulatorischen Hürden in strategisch sensiblen Bereichen häufiger zu Verzögerungen oder zur Ablehnung von Deals.

Das Risiko geopolitischer Spannungen am Beispiel Kiekert

Trotz der positiven Durchschnittswerte gibt es problematische Einzelfälle, die die Risiken solcher Partnerschaften verdeutlichen. Besonders deutlich wird dies bei der Insolvenz des Automobilzulieferers Kiekert in Nordrhein-Westfalen.

Das Risiko geopolitischer Spannungen am Beispiel Kiekert
Photo: FAZ

Das Unternehmen aus Heiligenhaus, ein Weltmarktführer für Türschließsysteme mit einer 169-jährigen Geschichte, wurde bereits 2012 von einem chinesischen Eigentümer übernommen. Die Produktion blieb zwar in Deutschland, doch als die Firma im vergangenen Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geriet, blieben zugesagte Finanzmittel in Millionenhöhe aus China aus.

Wie Tagesschau berichtet, erschwerten zudem geopolitische Spannungen die Suche nach neuen Geldgebern. Der Fall Kiekert zeigt, dass die Abhängigkeit von einem einzigen ausländischen Eigentümer zum Risiko wird, wenn politische Konflikte die Finanzströme blockieren.

Strategische Attraktivität der Hidden Champions

Warum China weiterhin auf den deutschen Mittelstand setzt, liegt in der Struktur der sogenannten Hidden Champions. Dabei handelt es sich um hochspezialisierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die in ihrer jeweiligen Nische eine weltweit führende Marktposition innehaben. Diese Firmen sind für Peking nicht nur als Investitionsziele interessant, sondern dienen auch als Vorbilder für die eigene industrielle Entwicklung, wie die FAZ analysiert.

Die Strategie ist klar: Durch den Erwerb von Marktführern in Nischenbereichen sichert sich China den Zugriff auf Präzisionstechnik und Managementprozesse, die im eigenen Land noch ausgebaut werden müssen.

  • Wirtschaftliche Stabilität: Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 6 % nach fünf Jahren.
  • Beschäftigung: Erholung der Mitarbeiterzahlen auf das Niveau vor der Übernahme.
  • Wissensfluss: 70 % Transfer nach China, über 50 % Nutzen aus China.
  • Hauptrisiko: Geopolitische Blockaden bei Finanzierungszusagen.

Die Bilanz der letzten zehn Jahre zeigt, dass ein systematischer Ausverkauf deutscher Technik bisher nicht stattgefunden hat. Dennoch bleibt die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Verwerfungen die größte Variable. Während die operative Ebene oft stabil bleibt, können politische Spannungen die finanzielle Lebensader eines Unternehmens abrupt kappen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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