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Technik und Wissenschaft

Empa-Studie: 219 Tonnen Mikroplastik landen jährlich in Schweizer Umwelt

Erstmals haben Forschende der Empa, der Eawag und von Agroscope systematisch gemessen, wie viel Mikroplastik jährlich aus der Atmosphäre in Schweizer Böden und Gewässer gelangt. Hochgerechnet auf das Landesinnere unterhalb von 2000 Metern Höhe deponieren sich demnach rund 219 Tonnen Kunststoffpartikel pro Jahr auf der Umwelt.

Die atmosphärische Belastung durch Kunststoffabfälle in der Schweiz ist weitreichender als bisher bekannt. Eine von Forschenden der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der Eawag und von Agroscope durchgeführte Untersuchung liefert erstmals systematische Messwerte dazu, wie sich winzige Partikel über den Wind und Niederschläge in der Natur verteilen. Unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Umwelt (OFEV). Ein Jahr lang sammelten die Wissenschaftler dafür monatlich Proben an fünf verschiedenen Messstandorten im Land.

Messungen an fünf Standorten zeigen städtische Ballung und überraschende Konstanz

Die Datenerhebung erstreckte sich über ein ganzes Jahr hinweg auf fünf repräsentative Standorte: Zürich, Dübendorf in Zürich, Magadino im Tessin, Payerne in der Waadt sowie den Jura-Gipfel Chaumont in Neuenburg, wie die Berichterstattung im Detail ausführt. Analysiert wurden dabei Partikel mit einem Durchmesser zwischen 20 und 215 Mikrometern.

Die Auswertung verdeutlicht ein starkes Gefälle hin zu urbanen Zentren. In Zürich registrierten die Forschenden im Schnitt 881 Partikel pro Quadratmeter und Tag. An den übrigen vier Standorten fielen die Werte mit 249 bis 331 Partikeln je Quadratmeter und Tag deutlich geringer aus. Entgegen ersten Vermutungen des Forschungsteams, das von Empa-Forscher Christoph Hüglin geleitet wurde, glichen sich die Messwerte ausserhalb der direkten Grossstadtkonzentration stark aneinander an.

Polyethylenterephthalat, Polyethylen und Polypropylen dominieren das Fundgut

Unter den nachgewiesenen Kunststoffen nimmt Polyethylenterephthalat (PET) mit 31 Prozent den Spitzenplatz ein. Dicht dahinter folgen Polyethylen (PE) mit 26 Prozent sowie Polypropylen (PP) mit 21 Prozent. Während PET typischerweise aus Getränkeflaschen bekannt ist, steckt es laut den Forschenden ebenso in Polyesterfasern von Textilien. PE und PP finden primär Verwendung in Verpackungen, Plastikfolien, Behältern und Alltagsgegenständen. Reifenabrieb wurde im Rahmen dieser spezifischen Untersuchung separat erfasst und floss nicht in die Gesamtmenge von 219 Tonnen ein.

Im Vergleich zur Gesamtfülle an Luftpartikeln wie Russ, Wüstenstaub oder biologischen Spuren machen die Kunststoffteilchen rein massenmässig nur einen Bruchteil von 0,02 bis 0,12 Prozent aus. Durch den ständigen Niederschlag summieren sich im Laufe der Zeit dennoch erhebliche Mengen an, die in der Umwelt kaum oder nur sehr langsam abgebaut werden.

Landwirtschaftliche Flächen und Gewässer als Hauptsenken

Hochgerechnet auf die gesamte Landesfläche der Schweiz unterhalb von 2000 Metern Höhe landen jährlich rund 219 Tonnen Mikroplastik aus der Atmosphäre auf Böden und in Gewässern. Rund 78 Tonnen davon treffen direkt auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, weitere zehn Tonnen lagern sich unmittelbar in Seen und Flüssen ab.

219 Tonnen Mikroplastik gelangen in der Schweiz jedes Jahr aus der Luft in Böden und Gewässer. Dies belegt eine neue
Photo: watson.ch

Zum Vergleich ziehen die beteiligten Institute eine parallele Untersuchung der Eawag heran. Über gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen gelangen demnach jährlich lediglich rund fünf Tonnen Mikroplastik direkt in Seen und Flüsse – ein Hinweis darauf, dass der atmosphärische Transportweg über den Wind eine erhebliche Rolle bei der Verteilung spielt.

Offene Gesundheitsfragen und Appell nach dem Vorsorgeprinzip

Welche konkreten Auswirkungen die ständige Belastung auf die menschliche Gesundheit und die Ökosysteme hat, ist laut den Forschenden zum jetzigen Zeitpunkt noch weitgehend offen. Angesichts der unklaren Langzeitfolgen plädiert das Forschungsteam für konsequentes Handeln.

Empa-Studie: 219 Tonnen Mikroplastik landen jährlich in Schweizer Umwelt
Photo: 20min

Kunststoff bleibe für zahlreiche Anwendungen ein wertvolles und wichtiges Material, betonen die Fachleute. Um unnötige Umweltbelastungen zu minimieren, sei es jedoch notwendig, Abfall im öffentlichen Raum konsequent zu vermeiden, Kunststoffe gezielt nur dort einzusetzen, wo sie unersetzlich sind, und die Stoffkreisläufe so lückenlos wie möglich zu schliessen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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