Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der Provinz Toledo sind mindestens 69 Menschen ums Leben gekommen. Während Rettungskräfte am Donnerstag weiter nach Opfern suchen, kam es in Madrid zu Ausschreitungen. Verkehrsminister Óscar Puente vermutet menschliches Versagen in der Leitstelle nach einem vorangegangenen Systemausfall.
Unglücksursache bei Urda im Fokus der Ermittlungen
Das schwere Zugunglück ereignete sich am Mittwochmorgen, als ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Gesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo auffuhr. Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente war zuvor auf einem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt das automatische Zugsicherungssystem LZB aufgrund eines Rechnerausfalls ausgefallen. Infolgedessen waren alle Züge vorschriftsgemäß zum Stillstand gekommen.
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf eine mögliche Fehlentscheidung der zentralen Bahnleitstelle in Madrid. Laut Verkehrsminister Puente soll die Leitstelle dem hinteren Zug die Freigabe zur Weiterfahrt erteilt haben, obwohl weiterhin ein Haltesignal aktiv war. Der Iryo-Zug stand zu diesem Zeitpunkt bei Urda, rund 25 Kilometer vor dem nachfolgenden Renfe-Zug. Oscar Carballo von der Ingenieurkammer betonte gegenüber dem Sender RTVE, dass es theoretisch unmöglich sei, dass ein Zug auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf einen anderen auffahre.

Ausschreitungen und politische Spannungen in Madrid
Die Katastrophe hat in Spanien zu einer aufgeheizten politischen Stimmung geführt. Am Mittwochabend kam es in Madrid vor dem Transportministerium zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen etwa 1.500 Demonstranten und der Polizei. Wie der Fernsehsender TVE berichtete, setzten Beamte Tränengas ein, um die Kundgebung aufzulösen, zu der rechtsextreme Gruppen wie die Falangistische Jugend aufgerufen hatten. Die Teilnehmer machten die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez und Verkehrsminister Puente für das Unglück verantwortlich.
Im politischen Diskurs verschärft sich der Ton vor den vorgezogenen Parlamentswahlen am 29. November. Santiago Abascal, Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, warf der Regierung laut Oe24 kriminelles Handeln vor und nutzte den Slogan Korruption tötet
. Ministerpräsident Sánchez rief angesichts des Unglücks, das sich nur neun Monate nach einem schweren Vorfall bei Adamuz mit 46 Toten ereignete, eine dreitägige Staatstrauer aus.
Bergungsarbeiten und Identifizierung der Opfer
Die Rettungs- und Bergungsarbeiten in der Provinz Toledo dauern an. Einsatzkräfte arbeiten mit schwerem Gerät und Kränen, um die zerstörten Waggons zu sichern und nach weiteren Opfern zu suchen. Laut dem Präsidenten der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, stieg die Zahl der Todesopfer auf 69. Er äußerte jedoch eine vorsichtige Hoffnung, dass keine weiteren Verstorbenen mehr gefunden werden.
Die medizinische Versorgung der Verletzten bleibt eine Herausforderung. Nach Angaben der Regionalregierung werden weiterhin Dutzende Personen in Spitälern in Kastilien-La Mancha sowie in Madrid behandelt. Um die Identifizierung der Opfer zu ermöglichen, wurden DNA-Proben in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen. Unterdessen kritisierte ein Sprecher die Veröffentlichung verzerrter Mitschnitte aus der Leitstelle als alarmierend und respektlos und betonte, dass es derzeit unverantwortlich sei, nach Schuldigen zu suchen, statt die Ursachen zu klären.

Obwohl die unabhängige Unfallkommission AITAT bereits Ermittlungen aufgenommen hat, bleibt die Frage offen, warum die Bahnleitstelle die Gefahr nicht rechtzeitig erkannte. Die Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Sevilla bleibt bis auf Weiteres für den Betrieb gesperrt.
Verwandte Artikel