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Welt

Mindestens 68 Tote bei AVE-Hochgeschwindigkeitszugskollision in Urda

Mindestens 68 Menschen kamen am Mittwoch bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid ums Leben, als ein stehender Zug von einer nachfolgenden Garnitur gerammt wurde. Die Kollision ereignete sich im zentralspanischen Urda und löste eine landesweite Trauerphase sowie scharfe Fragen zur Sicherheit des Bahnnetzes aus.

Kollision auf offener Strecke nahe Urda

Der schwere Eisenbahnunfall ereignete sich kurz nach 9:00 Uhr am Morgen des 28. Oktober 2026 auf der traditionsreichen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla, die im April 1992 zur Weltausstellung in Sevilla eröffnet worden war. Nach Angaben der Behörden prallte ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft RENFE auf offener Strecke im ländlichen Gebiet nahe der Ortschaft Urda in der Provinz Toledo auf das Ende eines Zuges der privaten Bahngesellschaft IRYO. Beide Züge befanden sich in Fahrtrichtung Andalusien.

Die Wucht des Aufpralls riss mehrere Waggons aus den Schienen und schleuderte Trümmerteile eine Böschung hinab. In den beiden beteiligten Zügen befanden sich nach Angaben der Regierungssprecherin für Kastilien-La Mancha, Esther Padilla, insgesamt 544 Reisende – davon 397 in der RENFE-Garnitur und 147 im IRYO-Zug. Die Rettungskräfte sahen sich vor Ort extremen Bedingungen gegenüber. Neben der Feuerwehr und dem Militär halfen auch Handwerker und Anwohner, die das Unglück hörten, bei der Evakuierung Verletzter aus zerstörten Abteilen. Gesundheitsministerin Mónica García erklärte gegenüber Medien, dass angesichts der Wucht des Hochgeschwindigkeitsunfalls von einer extremen Tragödie ausgegangen werden müsse.

Forderung nach Aufklärung über eine unerklärliche Anweisung

Während die Bergungsarbeiten im Gange waren, richtete sich der Fokus der Untersuchung rasch auf die Abläufe in der zentralen Leitstelle. Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente erklärte bei einer Pressekonferenz in Madrid, dass ein computergestützter Kommunikationsausfall kurz vor dem Unglück den Zugverkehr auf einem rund 39 Meilen langen Abschnitt zum Erliegen gebracht hatte. Die Leitstelle habe der RENFE-Garnitur jedoch trotz eines noch aktiven Stopp-Signals die Weiterfahrt erlaubt, ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen vorzugeben.

Diese Entscheidung bezeichnete der Minister als inexplícable und betonte, dass den Triebfahrzeugführern keine Schuld an dem Vorrang- und Signalfehler treffe. Die betroffene Strecke nutzt neben dem automatischen Zugsicherungssystem ASFA und dem Zugbeeinflussungssystem LZB auch die moderne ERTMS-Struktur, die jedoch auf eine reibungslose Funk- und Datenübertragung angewiesen ist.

Mindestens 68 Tote bei AVE-Hochgeschwindigkeitszugskollision in Urda
Foto: Reuters

Óscar Puente erklärte: „Die Entscheidung, den Verkehr wieder aufzunehmen, während dieses System noch nicht wiederhergestellt war, lag bei der Leitstelle, und die Leitstelle … traf die Entscheidung zur Wiederaufnahme des Verkehrs unter Umständen, die aus unserer Sicht unerklärlich sind.

Trauer im Land und politische Konsequenzen vor den Wahlen

Die Katastrophe trifft Spanien in einer hochsensiblen Phase kurz vor den nationalen Wahlen am 29. November 2026. Premierminister Pedro Sánchez reiste umgehend an die Unglücksstelle, kündigte eine dreitägige Staatstrauer an und unterstrich, dass sein Land angesichts von zwei schweren Eisenbahnunglücken innerhalb von nur zehn Monaten – nach einem Unfall mit 46 Toten im Januar bei Adamuz – entschlossen handeln müsse. Die Oppositionspersonen der Volkspartei setzten infolge der Tragödie sämtliche Wahlkampfaktivitäten aus.

Experten und Oppositionspolitiker hinterfragen nun den Zustand der Infrastruktur.

Betroffene berichten von dramatischen Momenten im Abteil

Für die Überlebenden stand am Tag des Unglücks der Schrecken im Vordergrund. Reisende berichteten übereinstimmend von einem abrupten Bremsmanöver gefolgt von einer zerstörerischen Erschütterung. Der Fahrgast Ignacio Relaño beschrieb gegenüber dem Staatssender TVE, wie sich der Zug zur Seite neigte und Gepäck sowie Mobiltelefone durch die Waggons flogen. Andere Passagiere berichteten von Mitreisenden, die Fensterscheiben einschlugen, um aus den verkeilten und beschädigten Wagen zu entkommen.

Mindestens 68 Tote bei AVE-Hochgeschwindigkeitszugskollision in Urda
Foto: NPR

Unter den Überlebenden befanden sich Touristen aus aller Welt, darunter der aus Peru stammende Josimar Medina, der mit seiner Partnerin reiste und verletzte Mitmenschen versorgte, sowie Urlauber, die trotz der Rettungsbemühungen fassungslos an den Evakuierungsorten zurückblieben. Die Behörden richteten in Urda und Sevilla Notfallzentren ein, um Angehörige zu betreuen und Verletzte auf umliegende Krankenhäuser zu verteilen. Der Zugverkehr auf den Hauptverbindungen zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien blieb vorerst bis auf Weiteres vollständig eingestellt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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