Zürichs Stadtpräsident Raphael Golta und Regierungsrätin Carmen Walker Späh reisten auf Einladung der Schweizer Botschaft zu Gesprächen nach Singapur. Während die Delegationen vor Ort an der Vertiefung der Zusammenarbeit arbeiten, steht die Wirtschaft in der Heimat unter Druck: Wichtige Unternehmen wie Vontobel verlegen ihren Sitz nach Baar im Kanton Zug.
Raphael Golta, der Stadtpräsident, und Carmen Walker Späh, Regierungsrätin des Kantons, verbrachten die Woche in Singapur. Eingeladen hatte die Schweizer Botschaft in dem südostasiatischen Inselstaat, wo die beiden Zürcher Polit-Grössen vor rund hundert Gästen auftraten.
Begleitet wird die Delegation aus der Schweiz unter anderem vom Präsidenten von Zürich-Tourismus. Nach Angaben der Schweizer Botschaft auf der Plattform LinkedIn dient der Aufenthalt dazu, currently deepening and exploring areas of cooperation in Singapore
.
Wirtschaftlicher Abstieg und Kritik am Standort Zürich
Der Zeitpunkt der diplomatischen Reise fällt in eine Phase spürbarer wirtschaftlicher Turbulenzen in der Region Zürich. So verlässt die traditionsreiche Bank Vontobel die Limmatstadt und zieht nach Baar im Kanton Zug. Als Grund für den Wegzug nennt das Portal Insideparadeplatz, dass die Bankleitung keine geeigneten Räumlichkeiten für 1.500 Mitarbeitende unter einem Dach in der Stadt Zürich finden konnte. Zudem sei Dübendorf im Rennen um den neuen Sitz gewesen, doch die Bankverantwortlichen wählten den Kanton Zug, um dem dortigen Steuerniveau zu entkommen.
Die bürgerliche Presse und Experten schlagen Alarm. So zitiert die Neue Zürcher Zeitung einen Steuerexperten mit den Worten, Zürich gelte nicht mehr als Top-Standort. Der Kanton werde für Unternehmen zunehmend unattraktiv, da die Unternehmenssteuern mittlerweile so hoch seien wie in Bern. Auch der US-Medizintechnik-Riese Zimmer Biomet baut im nahen Winterthur massiv Stellen ab und streicht 580 von insgesamt 730 Arbeitsplätzen.
Zürichs oberster Wirtschaftsförderer Balz Hösly kommentierte die Lage in der NZZ mit dem Verweis auf Verschiebungen: Vontobel und Zimmer Biomet verkleinern ihre Präsenz in Zürich und Winterthur
, während gleichzeitig der japanische Konzern Hitachi in Otelfingen ausbaue.
Rückgang im internationalen Städteranking
Die wirtschaftlichen Probleme spiegeln sich auch in internationalen Vergleichen wider. Im globalen Städteranking des Magazins Economist
fiel Zürich um drei Plätze nach unten. Die Stadt hält sich zwar noch in den Top 5, hat das Podest jedoch verlassen. Kritiker bemängeln, dass sowohl die Stadt als auch Winterthur unter rot-grüner Führung die Zeichen der Zeit verkannt hätten.
Trotz der heimatlichen Probleme mit Jobabbau und Firmenabwanderungen zeigt sich die lokale Politik unbeeindruckt vom wachsenden Druck. Stadtpräsident Raphael Golta setzt seine offiziellen Termine im Ausland fort, nachdem er zuvor bereits an der traditionellen Hirsebreifahrt nach Strassburg teilgenommen hatte.
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