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VW-Aufsichtsrat lehnt drastische Sparpläne und Werksschließungen ab

Nach Bekanntwerden drastischer Sparpläne bei Volkswagen droht dem Konzern ein harter tariflicher Konflikt. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen lehnen Werksschließungen und den möglichen Wegfall von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen strikt ab. Nach einer Aufsichtsratssitzung forderten die Gremien Korrekturen vom Vorstand.

Streit um drastische Einsparungen und drohende Werksschließungen im Juli

Zwei Jahre nach dem Abschluss der letzten Beschäftigungssicherung steht Volkswagen vor einer neuen Eskalation im Tarifstreit. Berichten des Manager Magazins zufolge will der VW-Konzern seinen Sparkurs deutlich verschärfen. Weltweit könnten demnach bis zu 100.000 Stellen wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werke in Deutschland – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm – drohe die Schließung. Die Pläne seien Teil des neuen Zielbilds 2030, das der Vorstand behandelt habe. Das letzte Wort habe nun der Aufsichtsrat, der darüber beraten solle. Die VW-Vorzugsaktien verloren bis zum Nachmittag zuletzt fast vier Prozent auf 74,30 Euro und gehörten damit zu den größten Verlierern im Dax. Im bisherigen Jahresverlauf haben sie jetzt 28 Prozent eingebüßt. Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre beläuft sich der Kursverlust auf fast zwei Drittel.

Aufsichtsrat lehnt Zukunftsplan ab und Arbeitnehmer stellen Ultimatum

Nach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates zu Einsparungen hat Konzernchef Oliver Blume das Ziel bekräftigt, den kriselnden deutschen Autobauer neu auszurichten. Laut Süddeutscher Zeitung (online) hat der Sparplan im Aufsichtsrat am Freitag allerdings keine Mehrheit erhalten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, so der Manager in einem Statement am Freitag. Unterdessen ist der Absatz von VW im zweiten Quartal um gut 8 Prozent eingebrochen. Verkauft wurden weltweit 2,1 Mio. Fahrzeuge. In China brach der Absatz um mehr als 36 Prozent aus. Samt Audi, Skoda, Porsche und Co lieferte der Volkswagen-Konzern im gesamten ersten Halbjahr mit 4,13 Millionen Autos 6 Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden aus als im Vorjahr. In China brach der Absatz dabei um rund 26 Prozent ein. Zuwächse erzielte Volkswagen dagegen in Europa, in Nordamerika habe es im zweiten Quartal sogar ein Plus von 8 Prozent gegeben. Das Sparpaket von VW-Chef Blume ist unterdessen bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag laut „SZ“ unter Berufung auf Konzernkreise durchgefallen. Die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen stellten sich gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von 12 zu 7 Stimmen im Aufsichtsrat.

Die wichtigsten Arbeitnehmervertreter von Volkswagen gehen mit Vorstandschef Oliver Blume hart ins Gericht und kündigen im Ringen um den Umbau des Autobauers einen heißen Herbst an. Der Vorstand habe sich nach der Sitzung des Aufsichtsrats mit den bekannten Floskeln zu Wort gemeldet, heißt es in einem Reuters am Freitag vorliegenden Brief des Konzernbetriebsausschusses an die Belegschaft von VW. Blume greife zu empathielosen Allgemeinplätzen. Nichts davon adressiert die eigentlichen Kernprobleme des Konzerns. Und nichts davon begegnet Euren Ängsten und Sorgen auch nur ansatzweise auf angemessene Weise, schreibt das Gremium aus Betriebsräten des Konzerns.

Widerstand aus Niedersachsen und Verweis auf das Abkommen bis 2030

Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie, sagte Niedersachsens Vize-Regierungschefin und Volkswagen-Aufsichtsrätin Julia Willie Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Niemand stelle den notwendigen Wandel infrage. Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern, sagte die Grünen-Politikerin. Aber die Transformation muss den Konzern nachhaltig wettbewerbsfähiger machen und an seine Stärken anknüpfen – nicht seine industrielle Substanz schwächen. Die Situation von Volkswagen sei ernst, räumte Hamburg ein. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu halten, gebe es jedoch andere Möglichkeiten als Werksschließungen. Zum Beispiel gebe es viele Synergien, die der Konzern noch heben kann, sagte sie. Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich Kosten zu senken. Aufgrund seiner Konzernstruktur verfüge VW über erhebliche Potenziale, Prozesse zu vereinfachen, Doppelstrukturen abzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Marken zu verbessern. Diese Stärke muss Volkswagen konsequenter nutzen, sagte Hamburg und forderte zugleich mehr Innovation: Entscheidend ist aber vor allem, dass der Konzern wieder mit innovativen Produkten überzeugt. Genau daraus sind die großen Erfolge von Volkswagen immer entstanden. VW müsse dafür weiter in Zukunftstechnologien investieren, von moderner Antriebstechnik über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Einen kurzfristigen Effekt möglicher Werksschließungen sieht Hamburg dagegen nicht. Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben, sagte sie. Wir werden deshalb darauf hinwirken, dass der Vorstand jetzt sehr strukturiert Lösungen präsentiert, die auch umsetzbar sind, die ausreichend geprüft sind und die dann auch wirklich einen Effekt haben. Im Dezember 2024 hatten die Gewerkschaft IG Metall und Volkswagen nach harten Tarifverhandlungen eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Konzernstandorte bis 2030 vereinbart, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Für den Fall, dass VW diese aufkündigt, wurde eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro festgelegt.

IG Metall und VW-Betriebsrat zeigten sich entsetzt und kündigten umgehend Widerstand dagegen an. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht, heißt es in der Mitteilung. Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Bei der Aufsichtsratssitzung droht damit ein heftiger Schlagabtausch: Arbeitnehmervertreter stellen dort die Hälfte der Mitglieder, IG-Metall-Chefin Benner ist sogar stellvertretende Vorsitzende des Gremiums. Zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen sind sie in der Mehrheit. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt und hat bei wichtigen Entscheidungen ein Veto-Recht. Das Land Niedersachsen sprach sich bereits gegen Standortschließungen aus. Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt, teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) mit. Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt, heißt es in ihrer Erklärung.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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