Im US-Bundesstaat Ohio sorgt ein mit vier Millionen Dollar ausgestatteter Fernsehspot des republikanischen Gouverneurskandidaten Vivek Ramaswamy kurz vor den Wahlen am 3. November für heftige politische Kontroversen, weil darin die entfremdete Mutter seiner demokratischen Gegenkandidatin Amy Acton auftritt, um ihre Tochter als Lügnerin darzustellen.
Der heftig umstrittene Werbeclip im Bundesstaat Ohio rückt eine schwere familiäre Entfremdung ins Zentrum des Wahlkampfs zwischen den Demokraten und Republikanern. In dem einminütigen Video tritt Donna Arthur auf und greift ihre Tochter Amy Acton scharf an. Sie ist eine Lügnerin, und sie lügt über ihre Vergangenheit
, sagt die Mutter in der Produktion, die mit einem Budget von vier Millionen Dollar im Fernsehen ausgestrahlt wird und von Ramaswamys Wahlkampfteam nach anfänglichem Zögern offiziell bestätigt wurde. Die Kampagne des 41-jährigen Biotech-Unternehmers investierte die genannte Summe in die Produktion und Verbreitung des Clips. Neben dem Gouverneursrennen in Ohio wird der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten im Vorfeld der Midterms Anfang November von harten Bandagen und persönlichen Angriffen geprägt. Im Bundesstaat New York wurden zudem Bürgermeister Zohran Mamdani und Gouverneurin Kathy Hochul in KI-generierten Darstellungen Aussagen in den Mund gelegt, während in anderen Bundesstaaten ebenfalls mit fragwürdigen Methoden operiert wird. So sahen sich auch andere Kandidaten, darunter Senatsbewerber wie Abdul El-Sayed in Michigan oder James Talarico in Texas, heftigen Attacken ausgesetzt.
Die 60-jährige Demokratin Amy Acton, die in den Meinungsumfragen vor ihrem 41-jährigen Konkurrenten liegt, hatte zuvor im Wahlkampf offen über schwere Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit gesprochen. Demnach wurde sie im Alter von zwölf Jahren vom damaligen Partner ihrer Mutter vergewaltigt. Die zuständige Jugendbehörde nahm Acton und ihren Bruder daraufhin aus der Familie, während die Mutter bis zum Tod des Stiefvaters im Jahr 2004 mit ihm verheiratet blieb. Nach eigenen Angaben hat Acton ihre Mutter seither nicht mehr gesehen. Polizeiprotokolle und Gerichtsakten dokumentieren die damalige Anklage gegen den Stiefvater, der sich der Strafverfolgung durch Flucht entzog und bis zu seinem Tod nie von einem Gericht verurteilt wurde. Actons Mutter Donna Arthur bestritt die Vorwürfe ebenfalls, bevor sie ohne Verurteilung starb.
Reaktionen und parteiübergreifende Kritik an Vivek Ramaswamys Werbespot
Das Wahlkampfvideo löste sofort eine Welle der Empörung aus. Das Wahlkampfteam von Amy Acton nannte den Auftritt widerlich
und konterte mit einer Erklärung von Actons Bruder Philip Stearns. Er bezeichnete das Vorgehen als verabscheuungswürdig
und bestätigte die erlittenen Misshandlungen aus der gemeinsamen Jugend. Die Mutter hatte in dem Spot behauptet, ihre Tochter habe ein ernsthaftes Problem und lüge über ihre Vergangenheit.

Auch innerhalb der Republikanischen Partei stieß der Spot auf deutliche Ablehnung. Zu den Kritikern zählten zudem die ehemalige Gouverneurin von South Carolina und frühere Präsidentschaftsbewerberin Nikki Haley, die Ramaswamy als schlechten Menschen bezeichnete, sowie der konservative Kommentator Scott Jennings. Weitere konservative Stimmen in Ohio wie der republikanische Senatskandidat Jon Husted gingen ebenfalls auf Distanz und erklärten, sie hätten eine solche Anzeige nicht geschaltet. Selbst andere Parteikollegen sprachen sich offen gegen das Video aus, während der Kandidat Casey Putsch ankündigte, bei der Wahl stattdessen für Acton zu stimmen.
Donald Trump und JD Vance verteidigen den Wahlkampfspot
Ganz anders bewertete die Parteispitze in Washington den umstrittenen Clip. Gouverneur DeWine attackierte Trump scharf als illoyal und unfähig, und Trump betonte, er wünschte sich Mütter, die so mutig seien wie die von Gegnern, die sich melden und erklären, dass ihr Kind ein Lügner ist.

Ich wünschte nur, die Mütter meiner Gegner wären so mutig, sich zu melden und zu erklären, dass ihr Sohn oder ihre Tochter ein Lügner ist.
Donald Trump, US-Präsident, über den Spot
Ramaswamy selbst erklärte nach Bekanntgabe seiner Urheberschaft, er würde in dem Rennen lieber über Sachfragen sprechen, hielt jedoch an der Schaltung fest und verzichtete auf eine Entschuldigung. Sein Wahlkampfmanager Jonathan Ewing äußerte zudem die Erwartung, dass der Zeitpunkt des Clips Actons politische Kampagne beenden werde.
Weiterlesen