Sparer in Deutschland profitieren derzeit von den höchsten Tages- und Festgeldzinsen seit Jahren. Laut einer aktuellen Analyse von Verivox bieten mindestens elf Geldhäuser Zinsen über 3,5 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind gestiegene Kapitalmarktrenditen und die Aussicht auf eine Anhebung des EZB-Einlagenzinses auf 2,5 Prozent.
Mit der Aussicht auf steigende Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank und deutlich angezogene Renditen bei Staatsanleihen erleben deutsche Bankkunden eine spürbare Zinswende. Eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox über die Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen (Stand 8.9.) zeigt, dass der Wettbewerb um Neukunden massiv an Fahrt gewonnen hat.
Top-Angebote bei Tagesgeld und der Kampf um Neukunden
Noch bis Mitte Mai gab es gar keine Angebote dieser Größenordnung, doch inzwischen zahlen mindestens elf Institute zeitweise Zinsen von mehr als 3,5 Prozent auf neu eröffnete Tagesgeldkonten. An der Spitze des Marktes positionieren sich vor allem internationale und digitale Anbieter aggressiv. «Die Banken buhlen um neue Tagesgeldanleger», so die Studie, und «der Konkurrenzkampf an der Spitze des Marktes nimmt dadurch immer mehr Fahrt auf.» Den höchsten Tagesgeldzins bietet die britische Digitalbank Revolut. Hier erhalten Neukunden für bis zu vier Monate 4,25 Prozent, jedoch gelten mehrere Nebenbedingungen.
Zudem streichen Neukunden bei der Renault Bank 4,1 Prozent und bei Chase, dem deutschen Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, 4 Prozent Zinsen für je vier Monate ein. Die niederländische Ayvens Bank bietet ebenfalls 4 Prozent, aber nur für 3 Monate.
Hintergrund der Zinsrallye und das Kalkül der Banken
Hintergrund sind hohe Kapitalmarktzinsen etwa bei Staatsanleihen, wo die Renditen zuletzt stark gestiegen sind, und die Aussicht auf höhere Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Da mit dem Iran-Krieg die Inflation angezogen hat, dürfte die EZB den Einlagenzins an diesem Donnerstag auf 2,5 Prozent erhöhen. Diesen bekommen Banken, wenn sie Gelder bei der Notenbank parken. Manche Banken geben bessere Konditionen an Kunden weiter, was sich auch bei den Lockangeboten bemerkbar macht.
Das Kalkül dahinter: Während manche Sparer als «Zinshopper» alle paar Monate ein neues Konto eröffnen, um sich die optimalen Zinsen zu sichern, bleibt ein großer Teil der Kundschaft hängen. Zugleich gelten Tagesgelder als Einstiegsprodukt, um mit Sparern später weitere Geschäfte zu machen – etwa mit Kreditkarten, Wertpapierhandel oder Konsumentenkrediten. Allerdings gibt es bei den Lockangeboten so manchen Haken wie eine Beschränkung des Aktionszinses auf bestimmte Guthaben und Zeiträume oder die Voraussetzung, auch ein Girokonto eröffnen zu müssen.
Gegensatz zwischen Neukunden und treuen Bestandskunden
«Bei vielen Neukundenangeboten sinken die Zinsen nach den ersten Monaten so stark, dass Sparer dann erneut die Banken wechseln müssen, um weiterhin lukrative Erträge zu erzielen», sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Es lohne daher, auf die Bestandszinsen zu achten.
Die höchsten Zinsen für Bestandskunden bietet mit 2,5 Prozent die Ascory Bank aus Hamburg, so die Studie (Stand 8.9.2026). Beim Online-Broker Scalable Capital gibt es 2,6 Prozent, allerdings können Spargelder hier auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden. Anders als für Neukunden sind Bestandszinsen kaum gestiegen. Bundesweit verfügbare Angebote bringen laut Verivox im Schnitt aktuell 1,4 Prozent, im Juni waren es 1,33 Prozent. Bei Sparkassen und Volksbanken seien es weniger als 0,5 Prozent. «An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zins-Rally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei», sagt Maier.
Entwicklung am Festgeldmarkt
Besser sieht es bei Festgeld aus. Anfang Juni lagen die Zinsen bei im Schnitt 2,32 Prozent für zwei Jahre Laufzeit, aktuell sind es 2,55 Prozent. Die Münchner Finanzplattform Scalable Capital hat zuletzt sogar ein Festgeld mit 3 Prozent Zinsen für 24 Monate eingeführt. Auch etablierte Banken wie die DKB erhöhten ihre Konditionen. Verschärft wird der Wettbewerb von ausländischen Banken, die nach Deutschland drängen – so auch die Digitalbank Revolut.
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