Führende US-Medizinverbände haben am Mittwoch gemeinsame Richtlinien für die Grippe- und COVID-19-Impfung im Herbst veröffentlicht. Damit wollen die Fachgesellschaften der anhaltenden Verunsicherung durch veränderte Empfehlungen der US-Regierung entgegenwirken und eine klare, wissenschaftlich basierte Orientierung für Patienten bieten.
Medizinische Fachgesellschaften füllen die Lücke der Bundesbehörden
Angesichts anhaltender Veränderungen und mangelnder Klarheit auf Bundesebene haben sich bedeutende medizinische Organisationen der Vereinigten Staaten zusammengeschlossen. Die American Academy of Pediatrics, die American Academy of Family Physicians, das American College of Obstetricians and Gynecologists sowie die Infectious Diseases Society of America publizierten am Mittwoch ein abgestimmtes Regelwerk für die bevorstehende Saison der Atemwegserkrankungen gemäß den Berichten von Associated Press.
Hintergrund dieser Initiative ist ein spürbarer Vertrauensverlust und eine breit angelegte Verwirrung in der Bevölkerung. Es gab viel Verwirrung und Chaos bezüglich der Impfempfehlungen, erklärte Dr. Sandra Fryhofer von der American Medical Association. Die Verbände reagieren damit auf Kurswechsel von Gesundheitsverantwortlichen der Regierung, die im Vorjahr ohne neue wissenschaftliche Belege Empfehlungen für herbstlichen Virusschutz und Standardimpfungen von Kindern zurückgeschraubt hatten. Die zuständigen Beratungsgremien der Gesundheitsbehörden befinden sich zudem in juristischen Auseinandersetzungen wie CIDRAP erläutert.
Grippeschutz für fast alle Altersgruppen empfohlen
In ihren Empfehlungen betonen die Fachgesellschaften, dass prinzipiell jede Person ab einem Alter von sechs Monaten eine Grippeschutzimpfung erhalten sollte. Besonders gefährdet sind jedoch Menschen ab 65 Jahren, schwangere Frauen, Kleinkinder sowie Patienten jeden Alters mit chronischen Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes, Herzerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.

Die vergangenen beiden Grippesaisons verliefen ungewöhnlich schwer und forderten zahlreiche Todesfälle unter Kindern, wobei die große Mehrheit der Betroffenen nicht geimpft war. Zwar verhindern die Vakzine nicht jede Infektion, senken jedoch das Risiko schwerer Verläufe deutlich.
Neue Optionen und mRNA-Technologie beim Grippeschutz
Für Senioren stehen drei speziell angepasste, sogenannte verstärkte Vakzine zur Auswahl. Die American Academy of Family Physicians rät älteren Menschen zu einer dieser Optionen, betont jedoch laut Dr. Sarah Nosal: Verschieben Sie Ihre Impfung nicht, falls diese spezielle Sorte gerade nicht verfügbar ist.
Eine Neuerung betrifft Personen ab 50 Jahren: Erstmals ist ein Grippeimpstoff zugelassen worden, der auf der mRNA-Technologie basiert. Eine Studie ergab, dass das von Moderna entwickelte mFlusiva bei den 50- bis 64-Jährigen um 27 Prozent wirksamer gegen symptomatische Erkrankungen war als eine Standardimpfung. Zudem steht für Personen im Alter von 2 bis 49 Jahren das Nasenspray FluMist als nadelfreie Alternative bereit.
Differenzierte COVID-19-Impfempfehlungen für Risikogruppen und Erwachsene
Während die Zulassungsbehörde FDA die COVID-19-Impfstoffe offiziell für Risikogruppen wie Personen ab 65 Jahren und jüngere Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen freigegeben hat, gehen die Fachärzte in ihren Handlungsempfehlungen weiter.

Auch für den Nachwuchs gibt es klare Leitlinien.
Es gibt keine Beweise dafür, dass eine Coronavirus-Impfung während der Schwangerschaft das Risiko einer Fehlgeburt oder anderer Probleme erhöht, also lassen Sie sich bitte impfen. Dr. Christina Davidson, American College of Obstetricians and Gynecologists
Regionale Allianzen als Reaktion auf föderales Vakuum
An der Westküste haben sich Kalifornien, Oregon, Washington und Hawaii zur West Coast Health Alliance zusammengeschlossen, um einheitliche und über die offiziellen Bundesvorgaben hinausgehende Empfehlungen zu erarbeiten.
Im Nordosten der USA gründeten New York und benachbarte Bundesstaaten ebenfalls eine eigene Kooperation, den Northeast Public Health Collaborative. Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, bewertete diesen Schritt als direkte Antwort auf die veränderte politische Ausrichtung in Washington. Experten wie Rechtsprofessor Matt Motta von der Boston University verweisen darauf, dass dieses Vorgehen zwar rechtlich im Ermessen der Bundesstaaten liegt, jedoch das Risiko einer föderalen Zersplitterung und wachsender Unklarheiten birgt.
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