Das US-Justizministerium genehmigte am Freitag die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount für rund 111 Milliarden US-Dollar. Nach einer achtmonatigen Prüfung kam die Behörde zu dem Schluss, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb im Streaming- und Filmsektor nicht gefährdet. Die Entscheidung ebnet den Weg für eine der größten Fusionen der Unterhaltungsindustrie.
Die wettbewerbsrechtliche Begründung des Justizministeriums
Nachdem die Antitrust-Abteilung des Justizministeriums mehr als zwei Millionen Dokumente gesichtet hatte, sieht die Behörde in der Fusion keine Bedrohung für die amerikanischen Verbraucher oder den Markt für Filme, Fernsehsendungen und Streaming-Dienste. Laut einem Bericht von Fox Business kam die Behörde sogar zu dem Schluss, dass die Transaktion den Wettbewerb im gesamten Medien- und Unterhaltungs-Ökosystem verstärken könnte.

Die Logik des Ministeriums basiert auf der massiven Verschiebung der Marktdynamik. Traditionelle Hollywood-Studios konkurrieren heute nicht mehr nur untereinander, sondern gegen Tech-Giganten wie Netflix, Amazon und Apple. Durch den Zusammenschluss entstehe ein Akteur, der besser in der Lage sei, gegen diese dominanten Technologieplattformen zu bestehen.
Die Abteilung hat ihre Analyse der geplanten Fusion von Paramount und Warner Bros. abgeschlossen und auf der Grundlage der im Rahmen ihrer Untersuchung erhaltenen Beweise festgestellt, dass die Transaktion wahrscheinlich nicht zu einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs oder der amerikanischen Verbraucher führen wird.
Justizministerium, via CNBC
Die Fusion bedeutet, dass Paramount, der Eigentümer von CBS, das deutlich größere Unternehmen Warner übernimmt, zu dem unter anderem die Sender CNN und HBO gehören.
Finanzielle Details und der Netflix-Vergleich
Während NPR den Wert der Übernahme mit 111 Milliarden US-Dollar beziffert, spricht CNBC von einem Deal im Wert von etwa 110 Milliarden US-Dollar. Im Februar bot Paramount 31 US-Dollar pro Aktie für alle Vermögenswerte von Warner Bros. Discovery, darunter das Filmstudio und die Streaming-Plattform HBO Max.

Interessant ist dabei die Vorgeschichte: Bevor Paramount den Deal besiegelte, gab es ein konkurrierendes Angebot von Netflix. Netflix hatte im vergangenen Jahr zugestimmt, die Film- und Fernsehstudios sowie HBO Max in einer Kombination aus Bargeld und Aktien für 27,75 US-Dollar pro Aktie zu erwerben. Die Analyse beider Angebote half den Regulierungsbehörden laut Justizministerium dabei, unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der Medienbranche zu gewinnen.
Zeitdruck bleibt ein Faktor. CEO David Ellison teilte Investoren im April mit, dass der Abschluss bis September geplant sei. Sollte dieser Termin überschritten werden, greift eine sogenannte „Ticking Fee“, die die Übernahme für Paramount teurer machen würde.
Politischer Widerstand und die Rolle der Ellisons
Trotz des grünen Lichts aus Washington stößt die Fusion auf heftigen Widerstand. Im Zentrum der Kritik steht die Familie Ellison. David Ellison wird die Leitung des Warner Bros. Studios sowie der Kabel- und Streaming-Sparten übernehmen. Sein Vater, Larry Ellison, Co-Gründer von Oracle, ist ein finanzieller Unterstützer und Berater von Präsident Trump in Fragen der künstlichen Intelligenz.
Kritiker befürchten, dass dies die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN gefährden könnte, ähnlich wie es bereits bei CBS News unter der Kontrolle der Ellisons beobachtet wurde. Die Senatorin Elizabeth Warren (D-Mass.) bezeichnete die Genehmigung als einen Schlag gegen die Verbraucher.
Dies sind schreckliche Nachrichten für jeden Amerikaner, der nicht möchte, dass Trump-nahe Milliardäre kontrollieren, was sie sehen und wie viel sie dafür bezahlen.
Elizabeth Warren, US-Senatorin
Auch aus der Branche kommt Protest. Im April unterzeichneten Tausende von Regisseuren, Schauspielern und Autoren – darunter Pedro Pascal und Kristen Stewart – einen offenen Brief gegen die Fusion. Sie warnen vor einer weiteren Konzentration der Medienlandschaft, die zu weniger Arbeitsplätzen und einem Rückgang kreativer Inhalte führen könnte.
Verbleibende Hürden in Europa und den US-Bundesstaaten
Die Genehmigung des Justizministeriums ist ein Meilenstein, aber kein Freifahrtschein. Die Fusion muss noch internationale und regionale Hürden nehmen. In der Europäischen Union läuft derzeit eine Untersuchung, für die eine Frist bis zum 14. Juli gesetzt wurde. Eine Genehmigung durch die australische Wettbewerbsbehörde (Australian Competition and Consumer Commission) liegt hingegen bereits vor.

In den USA behalten die Generalstaatsanwälte der einzelnen Bundesstaaten ihre unabhängige Autorität. Rob Bonta, der Generalstaatsanwalt von Kalifornien, hat bereits klargestellt, dass die Untersuchung in seinem Büro weiterläuft.
Die Fusion von Warner Bros und Paramount ist kein beschlossener Deal und wird von meinem Büro weiterhin untersucht.
Rob Bonta, Generalstaatsanwalt von Kalifornien
Paramount hat bereits Schuldentausch- und Übernahmeangebote im Zusammenhang mit Warner Bros. Discovery verlängert, um den Zeitplan bis zum geplanten Abschluss im September einzuhalten. Ob die staatlichen Klagen oder die EU-Prüfung den Deal noch blockieren oder Auflagen erzwingen können, bleibt die entscheidende Frage der nächsten 30 Tage.
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