Knapp 200 Staaten haben sich nach zweiwöchigen, zähen Verhandlungen auf der UNO-Biodiversitätskonferenz (COP17) im armenischen Jerewan auf zentrale Beschlüsse geeinigt. Das am 31. Oktober 2026 zu Ende gegangene Treffen verabschiedete einen neuen Aktionsplan als Antwort auf den Befund, dass die internationale Gemeinschaft bei den Zielen für 2030 weltweit hinterherhinkt.
Die Artenschutzkonferenz in Armenien stand kurz vor dem Abbruch. Am frühen Morgen des 2. November drohte der Verhandlung eine Wiederholung des sogenannten Cali-Moments von vor zwei Jahren, als in Kolumbien wegen verlassener Plenumsplätze keine Beschlussfähigkeit mehr zustande kam (FAZ). Nach zwei Wochen harten Ringens um Budgets, Subventionen und Zuständigkeiten fiel im Plenarsaal schließlich die Entscheidung. Das war’s. Perfekt
, sagte der armenische Umweltminister und COP17-Präsident Hambardsum Matewosjan, nachdem die zentralen Dokumente verabschiedet waren (ORF).
Die erste weltweite Bestandsaufnahme des Kunming-Montreal-Rahmens
Im Zentrum der Beschlüsse steht eine Bestandsaufnahme des im Dezember 2022 in Montreal vereinbarten Weltnaturabkommens (FAZ). Damals hatten sich die Staaten auf 23 Ziele bis 2030 verpflichtet, darunter den Schutz von mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen. Ein kurz vor der Konferenz veröffentlichter UN-Prüfbericht zeichnete jedoch ein ernüchterndes Bild: Die Staatengemeinschaft hinkt bei fast allen ökologischen Vorgaben hinterher (Yahoo Nachrichten). UN-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker zeigte sich nach den zähen Verhandlungen zufrieden über den Abschluss der Konferenz, an der Delegationen aus 196 Ländern, internationalen Organisationen und Interessengruppen teilnahmen.
Die Staaten machten sich diesen Prüfbericht in Jerewan zu eigen und beschlossen den sogenannten Pfad von Eriwan. Dieser fordert ein höheres Umsetzungstempo sowie eine stärkere Unterstützung der Entwicklungsländer. UN-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker betonte, dass ein Verfehlen der Fristen kostspielig werde und die Natur selbst die Rechnung präsentieren werde (FAZ). Gleichzeitig gaben Vertreter wie der stellvertretende Generaldirektor und Kabinettschef der FAO, Godfrey Magwenzi, zu bedenken, dass Agrar- und Ernährungssysteme zu oft am Rand der Naturschutzpolitik gestanden hatten, obwohl sie entscheidend zur Verringerung des Biodiversitätsverlusts beitragen können.

Subventionen und die klaffende Finanzierungslücke
Zu den umstrittensten Themen zählte der Abbau umweltschädlicher Subventionen für fossile Energieträger, intensive Landwirtschaft und Überfischung (ORF). Greenpeace-Vertreterin An Lambrechts wertete die getroffenen Formulierungen dennoch als wichtigen politischen Impuls zum Abbau derartiger Subventionen.
Auch bei der direkten Bereitstellung neuer Finanzmittel für den Naturschutz blieben die Fronten verhärtet. Bundesumweltminister Carsten Schneider verwies auf Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten. Über verbindliche Zahlungen zusätzlicher Geberstaaten wie den Golfstaaten für ärmere Regionen gab es keine Einigung; der Abschlusstext sieht lediglich eine Einladung zu freiwilligen Beiträgen vor (Denkstrom). Große Lücken zeigen sich derweil beim im Januar 2025 gestarteten Cali-Fonds, der Unternehmen an den Kosten beteiligen soll: Bis dato kamen lediglich rund 10.000 Dollar zusammen, obwohl jährlich eine Milliarde Dollar angestrebt wird.

Reaktionen von Organisationen und der Weg nach Ecuador
Umweltschützer bewerteten die Ergebnisse mit verhaltenem Optimismus. Catherine Weller von der Organisation Fauna & Flora bezeichnete die Einigung als nicht besonders aufregend oder detailliert, wertete das Zustandekommen eines Kompromisses jedoch als positive Nachricht (Yahoo Nachrichten). Heike Vesper vom WWF Deutschland sprach in Anspielung auf den Tag der Einigung von insgesamt mehr Süßes als Saures (Yahoo Nachrichten), während Kirsty Leong von WWF International das Resultat als ein ausgewogenes Ergebnis mit Stärken und Schwächen beschrieb.
Wir können es uns nicht leisten, mit unseren Lebensgrundlagen achtlos umzugehen.
Carsten Schneider, Bundesumweltminister (SPD)
Für die nächste Weltnaturkonferenz (COP18) fiel im Zuge einer geheimen Abstimmung ebenfalls eine Entscheidung: Ecuador setzte sich mit 55 zu 53 Stimmen knapp gegen Panama durch und wird das Treffen im Jahr 2028 ausrichten (Yahoo Nachrichten).
Vertreter internationaler Organisationen wie Fauna & Flora und WWF begleiteten die Konferenz und bewerteten das Ergebnis, während Organisationen mahnten, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nun konsequent voranzutreiben.