US-Präsident Donald Trump hat per Dekret wichtige Sanktionen gegen Russland und drohende Strafzölle auf russische Ölimporte vorerst auf Eis gelegt. Die am 16. Oktober 2026 erlassene Aussetzung soll für bis zu 60 Tage gelten und stößt international auf scharfe Kritik der Ukraine sowie auf heftigen Gegenwind im US-Kongress.
Die Entscheidung folgt nur Tage nach einem von der Regierung verkündeten Dieselgeschäft mit Moskau und greift in einen harten wirtschaftlichen und politischen Konflikt ein.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte dazu vor Reportern, die Regierung wolle sich eine 60-tägige Frist zur Analyse nehmen, um die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und Zölle auf die Weltwirtschaft zu bewerten.
Zuvor hatte der Kongress ein von dem im Juli verstorbenen Senator Lindsey Graham unterstütztes Gesetz verabschiedet, das Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf Importe aus den fünf größten Abnehmerländern von russischem Öl und Gas vorsah.
Reaktionen von Selenskyj und internationale Kritik
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Schritt umgehend als reward
für den Kreml. Er warnte, dass der Verzicht auf wirtschaftlichen Druck den russischen Präsidenten Wladimir Putin nur zu weiteren Angriffen ermutigen werde.
In einer Stellungnahme auf X kritisierte der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha, dass Zögern ein falsches Signal an den Aggressor sende und den Krieg nur verlängere. Auch in Washington formierte sich rasch parteiübergreifender Widerstand.
Marktreaktionen und das Dieselgeschäft
Ölpreise gaben zu Wochenbeginn nach, da Händler auf mögliche zusätzliche russische Lieferungen auf dem Weltmarkt spekulierten. Brent-Rohöl futures fielen um 2,08 Prozent auf 107,57 Dollar je Barrel, während US-WTI-Rohöl bei 99,46 Dollar je Barrel schloss.
Die Erleichterung an den Energiemärkten steht jedoch im Kontrast zu anhaltenden physischen Störungen, darunter Angriffe auf Öltanker im Persischen Golf und ukrainische Drohnenschläge gegen russische Industrieanlagen wie in St. Petersburg.
| Rohölsorte | Kursentwicklung | Prozentualer Rückgang |
|---|---|---|
| Brent Crude Futures | $107.57 | -2.08% |
| US West Texas Intermediate | $99.46 | -1.92% |
Das Aussetzen der US-Sanktionen erfolgt im direkten Kontext eines Abkommens, nach dem Russland kurzfristig Hunderttausende Tonnen Diesel an die Vereinigten Staaten und andere Abnehmer liefern soll.
Analysten bezweifeln allerdings, dass diese Lieferungen ausreichen werden, um das hohe Preisniveau für Kraftstoffe nachhaltig zu senken. Die US-Regierung sieht sich angesichts der anstehenden Zwischenwahlen im November erheblichem Druck ausgesetzt, die Energiekosten für US-Haushalte zu dämpfen.

Folgen für Indien und globale Energieimporte
Von dem Dekret sind neben Russland vor allem die größten Hauptabnehmer von russischem Öl wie Indien und China betroffen, die von drohenden US-Zöllen von bis zu 100 Prozent verschont bleiben. Außenminister Marco Rubio räumte ein, dass ein abrupter Ausstieg New Delhis von russischen Energieträgern kaum realisierbar sei.
Seit dem Beginn des Krieges im Februar 2022 und den darauffolgenden westlichen Sanktionen hatte sich Indien zum wichtigsten Abnehmer von vergünstigtem russischen Rohöl entwickelt.
Ob die Ausnahmeregelung nach Ablauf der 60 Tage verlängert wird oder ob die im Lindsey O. Graham Sanctioning Russia Act verankerten Strafen in Kraft treten, ist noch nicht bekannt.