US-Präsident Donald Trump hat die Aussetzung von Sanktionen gegen russischen Diesel angeordnet und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kritisiert, während das amerikanisch-ukrainische Bündnis durch Satellitenausfälle und veränderte Waffenlieferungen erschüttert wird.
Die Spannungen zwischen Washington und Kyjiw haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, Millionen Barrel russischen Diesel zu importieren, geriet die politische Partnerschaft beider Länder massiv unter Druck. Die Maßnahme untergräbt das bisherige westliche Handelsembargo gegen Moskau und bringt dem Kreml eine wichtige Finanzspritze ein, während die US-Regierung gleichzeitig versucht, die heimischen Kraftstoffpreise vor den anstehenden Zwischenwahlen zu drücken.
Streit um das Dieseleingeständnis und Sanktionswahn
Der Kurswechsel der US-Regierung vollzog sich in mehreren Schritten. Am 9. Oktober 2026 einigte sich Trump auf den Öl-Deal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, woraufhin das US-Finanzministerium die Sanktionen gegen russische Dieselverkäufe bis April 2027 aussetzte. Der Council on Foreign Relations führt dazu aus, dass zunächst mehr als 300.000 Tonnen und im November weitere 500.000 Tonnen geliefert werden sollen. Wenige Tage später, am 16. Oktober, unterzeichnete Trump zudem ein Dekret, das die Umsetzung von Sanktionen gegen Russland aus dem erst im Vormonat verabschiedeten Graham-Gesetz verhinderte.
Kritiker in den USA und Europa wiesen scharf auf die Signalwirkung hin. Der demokratische Senator Chris Coons aus Delaware nannte den Schritt eine bittere, nachdrückliche Erinnerung daran, dass Trumps schlimmste Instinkte, Putin zu glauben und sich darum zu kümmern, was Putin sagt, sich einfach immer wieder durchsetzen
.
Satellitendrosselung und harte Vorwürfe aus Washington
Die Entfremdung spiegelte sich auch auf technischem und militärischem Gebiet wider. In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2026 erlitt das ukrainische Militär einen plötzlichen Ausfall und Einschränkungen des militärischen Starlink-Dienstes Starshield. Ukrainische Streitkräfte stellten fest, dass Drohnen beim Überschreiten einer Geschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde das Signal verloren, was mehrere Einsätze behinderte. Obwohl Trump bestritt, dass der Befehl aus dem Weißen Haus kam, ging man in Kyjiw von einer gezielten Drosselung aus.
Since the American President announced the energy ceasefire a week ago, Russia has deliberately attacked Ukraine’s energy and oil and gas sectors 76 times. Last night alone, there were strikes on substations in the Vinnytsia, Zhytomyr, Khmelnytskyi, and Odesa regions. Tens of… pic.twitter.com/rTM47VBJhp
Gleichzeitig spitzte sich der Ton zwischen den Staatschefs zu. Nachdem Trump am 10. Oktober den Rücktritt Selenskyjs gefordert und ihm die Verantwortung für die Verlängerung des Krieges zugeschoben hatte, reagierte der ukrainische Präsident bei einem Auftritt in den Medien sichtlich getroffen.
Es schmerzt, wenn Präsident Donald Trump sich für eine Seite entscheidet, nicht für unsere Seite. Die Entscheidung wird viele menschliche Verluste bringen. Natürlich werden Menschen sterben.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, zitiert via Al Jazeera und The Guardian
Europäische Finanzierungssorgen und Brüsseler Reaktionen
Angesichts der ausbleibenden direkten Militärhilfen aus Washington müssen europäische Partner den Hauptteil der Unterstützung tragen. Ein im April von der EU autorisiertes Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro ($101 Milliarden) könnte bereits vor Ende 2027 aufgebraucht sein. Schätzungen zufolge benötigt Kyjiw im Jahr 2027 weitere 70 Milliarden Euro ($79 Milliarden) für zivile und militärische Zwecke.

Bei einem Treffen in Brüssel stellten sich europäische Spitzenpolitiker demonstrativ an die Seite der Ukraine. Der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, erklärte am Freitag im Beisein von Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Dies ist keine Zeit, um die Sanktionen gegen Russland zu lockern
. Selenskyj warnte seinerseits vor den Folgen eines Zusammenbruchs: Wenn wir fallen, werden 20 Millionen Ukrainer nach Europa kommen
.
Der politische Ausblick vor den US-Zwischenwahlen
Mit den US-Zwischenwahlen, die am 5. November 2026 anstehen, richtet sich der Blick der ukrainischen Führung verstärkt auf das amerikanische Parlament und die Wählerschaft. Selenskyj betonte während seines Besuchs in Europa, dass er weiterhin auf die Unterstützung der US-Bürger baue. Ob die Republikanische Partei nach eventuellen Verlusten im Kongress ihren Kurs korrigieren wird oder ob die US-Regierung ihren Annäherungskurs an Moskau im Rahmen einer lame-duck-Phase fortsetzt, bleibt angesichts der unvorhersehbaren Dynamik im Weißen Haus offen.
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