Fast jede vierte erwerbstätige Person leidet unter den sogenannten Sunday Scaries – einer intensiven Erwartungsangst vor dem Wochenstart. Während eine aktuelle Untersuchung in den Niederlanden die psychologischen Auslöser beleuchtet, zeigen neue Umfragen aus den USA, dass der berüchtigte Sonntagsblues selbst bei Menschen auftritt, die ihren Beruf eigentlich gerne ausüben.
Wenn der Freitagabend die wohlverdiente Freizeit einläutet, sollte eigentlich Platz für Entspannung sein. Doch bei vielen Berufstätigen schlägt die Stimmung rasch um. Schon am Samstag oder spätestens am Sonntag beginnen die Gedanken zu kreisen, und das Phänomen der Sunday Scaries setzt ein. Die Betroffenen plagt eine tiefe Unruhe, Nervosität und das ständige Nachdenken über die bevorstehende Arbeitswoche.
Daten zur Verbreitung der Sonntagsangst
Die Belastung ist weit verbreitet und keineswegs ein Randphänomen. Eine aktuelle US-Umfrage der Jobplattform FlexJobs mit über 2.100 befragten Erwerbstätigen verdeutlicht das Ausmaß: Rund 57 Prozent der Teilnehmer erleben die Sonntagsängste zumindest gelegentlich. Fast jede vierte befragte Person verspürt die Angst sogar in jeder einzelnen Woche.

Dass dieses Gefühl unabhängig von der eigentlichen Arbeitszufriedenheit auftritt, belegt eine ältere YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2021. Selbst unter den Befragten, die angaben, ihren Job zu lieben, gaben 13 Prozent an, wöchentlich unter dem Sonntagsblues zu leiden.
Wissenschaftliche Einblicke und psychologische Ursachen
Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2026 mit 26 Erwerbstätigen in den Niederlanden ging den genauen Gründen für die wöchentliche Belastung nach. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Mix aus verschiedenen Faktoren das Unwohlsein auslöst. Dazu zählen unerledigte Aufgaben, anstehende Herausforderungen im Job oder auch der psychologische Druck, die freie Zeit am Wochenende möglichst perfekt nutzen zu müssen.
Arbeitspsychologen warnen vor den Folgen dieses ständigen Grübelns. Ein leichtes Unwohlsein am Montagmorgen sei zwar normal, so Experte Norbert Semmer. Nicht normal ist aber ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken an die bevorstehende Arbeitswoche, erklärt der Psychologe. Seine Kollegin Corinne Baumgartner spricht in diesem Zusammenhang von einer ausgeprägten Erwartungsangst – der Befürchtung, dass etwas Unangenehmes oder schlicht Bewältigbares bevorsteht, oft genährt durch frühere negative Erfahrungen.
Persönliche Berichte von Betroffenen
Aus der Community von Nachrichtenportalen schildern Betroffene drastisch, wie der freie Tag durch die gedankliche Vorbereitung auf den Montag vergiftet wird. Ein 33-jähriger Quereinsteiger in der Finanzbranche berichtet, dass ihn das unangenehme Gefühl den ganzen Tag begleitet und er die Sorge hat, den Anforderungen nicht zu genügen. Ein anderer Befragter, der als Personalberater tätig ist und seinen Beruf eigentlich gerne ausübt, kennt dieses Gefühl sogar seit rund zehn Jahren. Für ihn ist der Sonntag ein reiner Horror-Tag, an dem er sich durch das Auslesen früher Mails bereits psychologisch auf den Wochenstart vorbereitet.
Empfehlungen von Fachleuten für den Umgang mit dem Wochenstart
Um dem ständigen Kreisen der Gedanken entgegenzuwirken, raten Experten davon ab, die Sorgen einfach zu verdrängen. Stattdessen hilft es, das Wochenende bewusst abzuschließen: Noch am Sonntag sollten offene Aufgaben aufgeschrieben und die wichtigsten Prioritäten für den Montag strukturiert geplant werden. Sollte das anhaltende Grübeln jedoch den Schlaf massiv beeinträchtigen oder den Alltag bestimmen, empfehlen die Fachleute, professionelle Unterstützung zu suchen oder zu prüfen, ob die aktuelle berufliche Stelle langfristig noch die richtige Passform bietet.
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