Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Digitalgipfel in Berlin diskutiert KI-Abhängigkeit von den USA

Zur Eröffnung des zweitägigen Digitalgipfels in Berlin am 2. November 2026 diskutieren Spitzenpolitiker und Tech-Manager über Deutschlands Anschlussfähigkeit bei Künstlicher Intelligenz. Während Bundesdigitalminister Karsten Wildberger eine enorme Nachfrage verzeichnet, warnen Thinktank und Wirtschaftsverband vor einer stark gestiegenen technologischen Abhängigkeit von den USA.

Die Bundesregierung lädt zu ihrem Digitalgipfel nach Berlin, und die Resonanz auf die zweitägige Konferenz übertrifft die räumlichen Kapazitäten. Wir sind ausverkauft, fast schon ‚über-ausverkauft‘. Die Nachfrage war doch größer, als wir sie erfüllen konnten, sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) laut Tagesschau.

Zu den Gästen in Berlin zählen neben zahlreichen Tech-CEOs und Wissenschaftlern auch die Digitalministerinnen und -minister aus Frankreich, den Niederlanden und Kanada sowie Bundeskanzler Friedrich Merz.

Abhängigkeit von den USA bei Künstlicher Intelligenz steigt

Stefan Heumann, Geschäftsführer des Berliner Thinktanks Agora Digitale Transformation, konstatiert, dass sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat, trotz zahlreicher Neugründungen von KI-Start-ups in Deutschland und einer von der Politik ins Leben gerufenen Rechenzentrumsstrategie. So wirklich viel passiert ist seitdem nicht. Man könnte eigentlich sagen, dass die Abhängigkeiten noch weiter gestiegen sind, so Heumann.

Der „State of the Art“ wird nach Beobachtung von Agora Digitale Transformation in den USA gesetzt, wo große Tech-Konzerne wie OpenAI und Nvidia den Markt dominieren und die entsprechenden Rechenzentren betreiben. Wer an diesen Programmen teilhaben will, muss demnach Produkte Made in America einkaufen.

Vergleich der Investitionen von Staat und Big Tech

Die Untersuchung des Bundeshaushalts durch den Thinktank Agora Digitale Transformation offenbart ein massives finanzielles Ungleichgewicht, demzufolge der deutsche Staat rund 800 Millionen Euro in Projekte der Künstlichen Intelligenz investiert, was etwa 0,15 Prozent des Bundesetats entspricht.

Diese Summe verblasst im Vergleich zu den Investitionen der US-amerikanischen Technologiegiganten. Allein Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta stecken laut den Berechnungen in diesem Jahr umgerechnet 655 Milliarden Euro in den KI-Sektor — eine Summe, die den gesamten deutschen Bundeshaushalt übersteigt.

Wirtschaft fordert Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland

Digitalminister Wildberger betont, dass neben den finanziellen Mitteln auch das Mindset eine entscheidende Rolle spiele. Es stelle sich die Frage, ob wir mutig genug [sind], diese Technologie wirklich zu umarmen und auch die Möglichkeiten zu nutzen, so Wildberger laut Bericht.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalwirtschaftsverbandes Bitkom, beschreibt die Lage der Basismodelle pragmatisch: Wir sind abhängig im Bereich der Künstlichen Intelligenz, was den Import oder den Bezug von sogenannten Basismodellen angeht, also den großen Modellen, die unter anderem ChatGPT oder auch Claude von Anthropic zugrunde liegen oder auch DeepSeek aus China. Das können wir in Deutschland noch nicht so, wie das andere können. Dennoch sei der KI-Zug für Deutschland keineswegs abgefahren, da der Markt schnell fahre und immer wieder Zwischenstationen einlege.

Alternativen und Lösungsansätze der Branche

Anstatt in jedem Bereich eigene Milliardenbeträge nach dem Vorbild der US-Konzerne zu investieren, setzt der Bitkom-Hauptgeschäftsführer auf das Motto clever statt nur viel investieren. Als strategische Handlungsfelder nennt der Verband:.

  • Die Förderung der deutschen KI-Grundlagenforschung.
  • Den Ausbau der sogenannten Physical AI, bei der Künstliche Intelligenz in Maschinen, Fabriken, Robotern oder autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommt.
  • Internationale Partnerschaften abseits der USA, wie etwa die Kooperation des kanadischen KI-Unternehmens Cohere mit dem Heidelberger Unternehmen Aleph Alpha.

Minister Wildberger fordert zum Abschluss der Auftaktdebatte am 2. November 2026, nun die Ärmel hochzukrempeln und das Tempo zu erhöhen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.