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Technik und Wissenschaft

Studie erklärt Kettenreaktion bei kleinen Regelverstößen

Eine neue psychologische Studie zeigt, wie schon kleine Regelverstöße von Vorbildern im eigenen sozialen Kreis eine Kettenreaktion auslösen können. In einem Online-Experiment mit 750 Teilnehmern in den USA untersuchten Forscher, warum selbst anständige Menschen durch das Fehlverhalten anderer zunehmend Grenzen überschreiten.

Wer sich an der Supermarktkasse vordrängelt oder auf der Autobahn schneller fährt als erlaubt, redet sich das eigene Verhalten oft leicht. Schließlich machen andere es auch so. Doch wie aus solchen alltäglichen Kleinigkeiten eine Dynamik entsteht, die eine ganze Gruppe erfasst, hat ein Forschungsteam nun in einer Untersuchung im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B nachgezeichnet, wie DIE WELT berichtet.

Das Online-Experiment an der Universität Amsterdam

Geleitet wurde die Untersuchung von Lucas Molleman, Psychologe an der Universität Amsterdam. Zusammen mit seinen Kollegen analysierte er das Verhalten von 750 Menschen in den USA, die zu gleichen Teilen aus Republikanern und Demokraten bestanden. In einem Online-Experiment sollten die Versuchsteilnehmer auf einem Bildschirm einen animierten Stern beobachten, der sich über eine Reihe von hundert Feldern bewegte. Die Aufgabe bestand darin, genau das Feld auszuwählen, das am hellsten aufleuchtete, wofür es Geld gab.

Um das Regelbrechen zu untersuchen, bauten die Forscher einen finanziellen Anreiz ein: Wer ein Feld rechts vom korrekten Feld auswählte, erhielt eine höhere Auszahlung – je weiter rechts, desto mehr Geld gab es. Wer sich strikt an die Anweisung hielt, verzichtete somit auf Zusatzeinnahmen. Nach jeder Runde erfuhren die Teilnehmer, wie sich die anderen verhalten hatten, ob sie regelkonform blieben oder schummelten, und welcher politischen Richtung sie angehörten.

Wie kleine Verstöße eine Spirale in Gang setzen

Bereits bei der ersten Entscheidung wählten 23 Prozent der Teilnehmer das Feld mit der höchsten Belohnung, obwohl es falsch war. Noch aufschlussreicher war jedoch das Verhalten in den darauffolgenden insgesamt sechs Runden, nachdem die Probanden vom Handeln der anderen erfahren hatten. Während die Beobachtung regelkonformer Teilnehmer die Gruppe allenfalls minimal anpasste, führten kleine Verstöße anderer dazu, dass die Bereitschaft zum eigenen Mogeln wuchs.

Besonders massiv war der Effekt, wenn Teilnehmer von einem großen Regelbruch erfuhren. Einige gingen in ihren eigenen Verstößen sogar noch über das hinaus, was sie zuvor bei anderen beobachtet hatten. Unsere Daten legen nahe, dass kleinere Regelverstöße zur Nachahmung einladen und manchmal eine Eskalation auslösen können, schreiben die Forscher laut dem Bericht von „DIE WELT“.

Die Rolle der politischen Zugehörigkeit und der Ausblick

Ein entscheidender Faktor bei dieser Dynamik war die Gruppenzugehörigkeit. Der Effekt zeigte sich besonders stark, wenn der jeweilige Abweichler derselben politischen Richtung angehörte. Menschen orientieren sich demnach stärker an Personen, denen sie sich verbunden fühlen, wodurch sich die Grenze des Akzeptablen verschiebt. Was zuvor noch als Tabubruch galt, erscheint plötzlich vertretbar, wenn Angehörige des eigenen Lagers es vormachen.

Dennoch verlief das Experiment nicht bei allen gleich. Rund ein Drittel der Teilnehmer blieb laut den Angaben der Forscher in allen Runden durchgehend regelkonform, selbst wenn sie dadurch auf Geld verzichteten. Ob sich die Ergebnisse eins zu eins auf das echte Leben übertragen lassen, bleibt offen, da die Versuchsteilnehmer keine realen Strafen fürchten mussten und sich in einer abstrakten Laborumgebung befanden.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.