Manche Ökosysteme entwickeln sich derzeit deutlich besser, als es unter den gegebenen Bedingungen zu erwarten wäre. Forscher sprechen in solchen Fällen von sogenannten Lichtblicken oder „Bright Spots“.”
Regelmäßige Fangverbote für Korallenriffe in Papua-Neuguinea
Eines der auffälligsten Beispiele für diese Widerstandskraft liegt in Papua-Neuguinea. Küstengemeinden schützen ihre Korallenriffe dort durch eine traditionelle Methode, indem sie Teile des Meeresgebiets regelmäßig für den Fischfang sperren. Josh Cinner, Direktor des Thriving Oceans Research Hub und Koautor der Studie, arbeitet seit über 25 Jahren mit den lokalen Gemeinschaften zusammen. Schon im Jahr 2016 fiel die Region in einer weltweiten Untersuchung von fast 1700 Riffen als globaler Lichtblick auf.
Der ökologische Erfolg dieser Gemeinschaften resultiert aus umfassender lokaler Erfahrung und echter lokaler Eigenverantwortung bei Entscheidungsfindung, Management und Durchsetzung.
Die zeitweisen Fangverbote funktionieren vergleichbar mit Brachland in der Landwirtschaft. Das Ökosystem erhält dadurch die nötige Zeit zur Erholung. Entscheidend ist laut Cinner, dass diese Regeln fest im Leben der Gemeinden verankert sind. Ältere geben ihr Wissen an Jüngere weiter, Verantwortung wird geteilt und kulturelle Traditionen fördern die aktive Beteiligung der Bevölkerung.
Schutzmaßnahmen auf Tasmanien und in Westafrika
Gemeinsame Entscheidungen halfen nach Angaben der Auswertung auch auf Tasmanien einer gefährdeten Albatrosart. Auf der australischen Insel kooperieren Wissenschaftler, Wildtiermanager und politische Entscheidungsträger eng, um Maßnahmen gegen Parasiten umzusetzen, die Albatros-Küken bedrohen. Ähnliche Erfolge verzeichnen Forschende in Westafrika bei Populationen der stark gefährdeten Westafrikanischen Schimpansen. Diese Tiere überstanden den allgemeinen Artenschwund besser in Regionen, in denen Dorfgemeinschaften Traditionen und soziale Regeln pflegen, die von der Jagd abhalten und das Zusammenleben fördern.
Indigenes Wissen im kanadischen Great Bear Rainforest
Im kanadischen Great Bear Rainforest wird der Schutz der Grizzlybären direkt von First-Nations-Gemeinschaften angeführt. Indigenes Wissen und die Verantwortung für das eigene Land stehen im Zentrum der Umweltpolitik. Die Studie zeigt, dass dies nicht nur den Naturschutz stärkt, sondern auch die Stellung der Gemeinschaften verbessert. Hindou Oumarou Ibrahim, eine indigene Aktivistin aus dem Tschad und UN-Sonderbeauftragte für Biodiversität, betonte bereits, dass indigene Völker und lokale Gemeinschaften nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern die wichtigste Lösung seien.
Muster erkennen und Grenzen des lokalen Schutzes
Der Hauptautor der Studie, Bing Lin, betont, dass die unterschiedlichen Fälle aus ähnlichen Gründen erfolgreich sind: Lokales Wissen fließt neben wissenschaftlichen Erkenntnissen ein, betroffene Gemeinschaften wirken an Entscheidungen mit und Maßnahmen werden an die Bedingungen vor Angaben der Forschenden angepasst. Lokale Lichtblicke seien daher keine isolierten Wunder, sondern folgen erkennbaren Mustern.
Expertinnen und Experten weisen jedoch darauf hin, dass lokaler Schutz und Biodiversität die Natur zwar widerstandsfähiger machen, den weltweiten Klimawandel aber nicht allein aufhalten können. Wie extrem die Auswirkungen der Klimakrise auf einzelne Arten sein können, verdeutlicht ein Blick in die Antarktis: Auf der Insel Zavodovski brach die Zahl der dort ansässigen Pinguine seit 2011 um zwei Drittel ein, wie eine Studie des British Antarctic Survey belegt.