US-Präsident Donald Trump hat vier Tage vor den Kongresswahlen überraschend zwei geplante Kundgebungen in Kansas und Iowa abgesagt. Stattdessen setzt das Wahlkampfteam auf Dutzende Telefonkonferenzen, während landesweite Umfragen eine zunehmend knappe Ausgangslage und demokratische Vorteile in mehreren umkämpften Bundesstaaten zeigen.
Mit der überraschenden Absage seiner physischen Auftritte reagiert das Wahlkampfteam auf veränderte politische Vorzeichen im Schlussspurt der Halbzeitwahlen am 3. November. Der republikanische Parteivorstand kündigte durch den Parteivorsitzenden Joe Gruters an, dass der Präsident stattdessen eine Serie von Telefongesprächen in fast zwanzig Bundesstaaten abhalten werde. Betroffen von der Streichung sind eine für Sonnabend in Salina geplante Kundgebung in Kansas – für die Pieter Miller als Exekutivdirektor der Salina Airport Authority bestätigte, dass alle Veranstaltungen an dem Standort entfallen – sowie ein weiterer Auftritt in Iowa am Sonntag.
Wahlkampftaktik per Telefon und veränderte Umfragewerte in Kansas
Die organisatorische Kehrtwende erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem etablierte Parteistrategen auf die Effizienz digitaler Formate verweisen. Nach Angaben der Republikaner soll der 72-stündige Sprint durch virtuelle Schalten eine deutlich größere Wählerschaft in der knappen verbleibenden Zeit erreichen als herkömmliche Großveranstaltungen, wie der RNC-Vorsitzende Joe Gruters betonte.
Hintergrund der Absage in Kansas ist auch ein unerwartet enger und umkämpfter Senatssitz. Aktuelle Daten eines CNN/SSRS-Meinungsforscherteams, erhoben vom 20. bis 26. Oktober unter 838 wahrscheinlichen Wählern mit einer Fehlertoleranz von viereinhalb Prozentpunkten, weisen für den demokratischen Herausforderer Adam Hamilton einen Vorsprung von vier Prozentpunkten vor dem amtierenden republikanischen Senator Roger Marshall aus. Während Hamilton bei wahrscheinlich Wählern auf 49 Prozent kommt, verzeichnet Marshall 45 Prozent. Dieselbe Befragung bezifferte die Ablehnung der Politik von Trump in dem konservativ geprägten Bundesstaat auf 57 Prozent, obwohl der Präsident ihn bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit einem Vorsprung von 16 Punkten gewonnen hatte.
Scharfe Reaktionen auf Journalistenfragen und der nationale Trend
Auf die direkte Nachfrage eines Reuters-Reporters – namentlich Jacob Bogage –, ob der Verzicht auf die Kansas-Reise gesundheitliche Gründe habe oder darauf zurückzuführen sei, dass er des Reisens überdrüssig ist, reagierte der Präsident verärgert und wies gesundheitliche Bedenken entschieden zurück.
Wissen Sie, was der Grund ist? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nach Kansas fahren muss. Ich fliege morgen nach Florida. Sie folgen mir jetzt schon seit zwei Wochen. Ich fühle mich großartig. Sie sind widerwärtig. Bringen Sie sich in Form. Sie sehen schrecklich aus.
Donald Trump, US-Präsident
Unterdessen zeigte eine Anfang Oktober abgeschlossene Reuters/Ipsos-Umfrage, bei der 1.277 US-Erwachsene bei einer Fehlertoleranz von 3 Prozentpunkten befragt wurden, dass die Zustimmungswerte des Präsidenten im Vorfeld der Zwischenwahlen zu diesem Zeitpunkt auf 32 % gesunken waren. Ein aktueller Bericht des TIME-Magazins wies zudem darauf hin, dass Trumps Zustimmungswerte laut einer Umfrage des Pew Research Center Anfang Oktober auf 30 % gefallen waren, was vergleichbar ist mit dem Tiefstwert von Harry Truman im Jahr 1946 kurz vor den Midterms.
Nationale Mehrheiten und die Bedeutung der verbleibenden Tage
Landesweit zeigen die aggregierten Daten von RealClearPolling einen Vorsprung der Demokraten in den nationalen Umfragen mit 51,4 Prozent gegenüber 43,2 Prozent für die Republikaner. Beobachter betonen, dass die demokratische Partei einen Nettogewinn von vier Sitzen benötigt, um die Kontrolle über den Senat zu übernehmen, während ein Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus als wahrscheinlich gilt.
Ungeachtet der verkürzten Reiseroute bleibt ein physischer Auftritt des Präsidenten am Freitag im floridaischen Daytona Beach im Kalender verankert, bevor die letzten virtuellen Wahlkampfwochenenden anlaufen. Die Vorsitzende der Republikaner in Kansas, Danedri Herbert, erklärte gegenüber der Zeitung The Kansas City Star zu dem plötzlichen Zeitplanwechsel: „Das ist alles, was man mir gesagt hat – dass sie abgesagt wurde und wir weitere Informationen bekommen würden.

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