Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft besiegte Schweden am Donnerstagabend in Zürich mit 3:1 im WM-Viertelfinale. Während die Schweiz ins Halbfinale einzieht, sorgt ein schwerer Check von Timo Meier an Oskar Sundqvist für internationale Empörung. Schwedische Spieler und Experten kritisieren die milde Zwei-Minuten-Strafe der finnischen Schiedsrichter als skandalös.
Es war die 35. Minute, als das Spiel in der neutralen Zone eskalierte. Kurz nachdem die Schweiz durch Denis Malgin in Führung gegangen war, raste Timo Meier auf den scheibenführenden Oskar Sundqvist zu. Der Check traf den Schweden mit voller Wucht, wobei Meiers Knie direkt in das Gelenk des Gegners einschlug. Wie SRF berichtet, musste Sundqvist das Eis gestützt von zwei Teamkollegen verlassen und wurde später in einem Rollstuhl aus dem Stadion transportiert.
Die Härte des Einsatzes steht in krassem Gegensatz zum Urteil der Unparteiischen.
Die Entscheidung von Brander und Kaukokari
Strittige Szene
Die finnischen Hauptschiedsrichter Riku Brander und Mikko Kaukokari sprachen gegen Meier lediglich eine kleine Zwei-Minuten-Strafe wegen Crosschecks aus. Diese Entscheidung hatte eine entscheidende prozedurale Folge: Da keine fünfminütige Spielstrafe verhängt wurde, verzichteten die Schiedsrichter auf eine Video-Konsultation. Laut Blick hätten die Refs nur bei einer schweren Strafe die Möglichkeit gehabt, die Szene in Ruhe auf dem Bildschirm zu analysieren, bevor sie ein finales Urteil fällten.
Das Spiel ging faktisch im Gleichgewicht weiter, da Albert Johansson unmittelbar nach dem Check versuchte, seinen Teamkollegen Sundqvist zu rächen. Sein Cross-Check gegen den Nacken des Schweizers führte ebenfalls zu einer kleinen Strafe, sodass die Partie mit einer 5-gegen-5-Besetzung fortgesetzt wurde.
Schwedische Wut über feige Schiedsrichter
cluster (priority): 20 Minuten
In Schweden wird die Entscheidung nicht als Fehlurteil, sondern als Skandal gewertet. Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen die Strafhöhe, sondern gegen die psychologische Verfassung der Schiedsrichter unter dem Druck des Zürcher Heimpublikums.
Die Aktion von Meier war unglaublich hässlich und die Schiedsrichter waren feige. Sie trauten sich aufgrund des Heimpublikums nicht, noch eine zweite Matchstrafe auszusprechen.
Ivar Stenberg, schwedisches Top-Talent, via Aftonbladet
Stenbergs Vorwurf bezieht sich auf die Tatsache, dass bereits im ersten Drittel Dean Kukan für ein Foul an eben diesem Stenberg unter die Dusche geschickt worden war. Die schwedische Seite sieht hier eine Inkonsistenz, die durch die Atmosphäre im Stadion befeuert wurde.
Auch die Expertenebene ist außer sich. Die NHL-Legende Peter Forsberg bezeichnete die Reaktion von Meier als absolut lebensbedrohlich und betonte, dass Sundqvist monatelang ausfallen könnte. Diese Einschätzung teilte auch Torhüter Magnus Hellberg, der laut 20 Minuten die Wiederholungen analysierte und sah, wie Meier sein Knie nach außen drückte.
Diskurs über ein schmutziges Spiel
cluster (priority): Blick
Über den Einzelvorfall hinaus entbrannte ein Streit über die allgemeine Spielweise der Schweizer. Mattias Ekholm, ein Veteran mit über 1000 NHL-Spielen und Weltmeister von 2018, warf der Schweiz vor, schmutzig gespielt zu haben. Ekholm behauptete, dass in den ersten 40 Minuten eigentlich drei fünfminütige Strafen gegen die Schweizer hätten ausgesprochen werden müssen.
Die Schweizer Seite weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Christoph Bertschy sieht in der schwedischen Empörung eher ein Zeichen für einen kulturellen Wechsel im Schweizer Eishockey. Wie Watson berichtet, bezeichnete Bertschy die Situation als den Moment, in dem die Schweiz die Schweden erstmals physisch dominierte.
Die statistischen Daten unterstreichen diesen Punkt: Die Schweden waren in Zürich im Durchschnitt über einen Zentimeter größer und ein Kilo schwerer als die Schweizer. Dass die physisch überlegene Mannschaft nun über die Härte der Helvetier klagt, wird in der Schweizer Analyse als Kompliment an die gestiegene Robustheit des Teams gewertet.
Die rechtlichen und sportlichen Konsequenzen
cluster (priority): Watson
Während die Schweiz nun sicher um eine Medaille an ihrer Heim-WM kämpft, bleibt die Frage offen, ob Timo Meier für seinen Check nachträglich sanktioniert wird. Ein Open-Ice-Hit dieser Schwere kann auch nach dem Abpfiff noch Konsequenzen haben, sofern die Disziplinarkommission die Szene neu bewertet.
Die Eskalation beschränkt sich jedoch nicht auf das Eis. In den sozialen Medien erreichte die Debatte ein toxisches Niveau, wobei gegen Meier sogar Morddrohungen ausgesprochen wurden.
Für Schweden bleibt nur die Analyse eines historischen Viertelfinal-Auss. Die Kombination aus einer sportlichen chancenlosen Niederlage und dem Gefühl, durch eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter benachteiligt worden zu sein, hinterlässt tiefe Wunden im Lager der Tre Kronor.
Die nächsten Tage werden zeigen, ob die IIHF in die Entscheidung von Brander und Kaukokari eingreift oder ob der Vorfall als Teil der physischen Spielart eines hochklassigen Viertelfinals verbucht wird. Für die Schweizer ist der Weg zum Gold nun frei, doch der Preis für diesen Erfolg wird in Schweden noch lange diskutiert werden.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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