US-Präsident Donald Trump treibt den Konflikt um die strategisch wichtige Straße von Hormus weiter voran, während der Schiffsverkehr deutlich unter dem historischen Normalniveau verharrt. Nach Angaben von Analyseunternehmen sank die Zahl der passierenden Handelsschiffe zuletzt stark, während Teheran Bedingungen für eine Wiedereröffnung der Meerenge fordert.
Der internationale Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt angespannt und bewegt sich weiterhin weit unter den Werten aus der Zeit vor Ausbruch des Konflikts im Februar 2026. Vor den Kriegshandlungen passierten nach Berichten unter Berufung auf Schifffahrtsdaten täglich mehr als 130 Schiffe die enge Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet. Aktuelle Daten des Analyseunternehmens Kpler zeigen dagegen ein völlig anderes Bild: Zuletzt sank die Zahl der täglichen Durchfahrten auf einstellige Werte.
US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass die US-Streitkräfte für den Schutz der Schifffahrt sorgen und die Seewege offen und in Betrieb
seien. Auf der Online-Plattform Truth Social wies Trump jegliche Gespräche mit dem Iran zurück und teilte zudem Kartenmaterial auf Social Media, das die Wasserstraße als neues US-Territorium kennzeichnet. Diese Territorialbehauptungen stieß in Teheran auf scharfe Ablehnung.
Teherans Bedingungen für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus
Die iranische Führung macht eine vollständige Normalisierung des Schiffsverkehrs von harten Vorleistungen der Vereinigten Staaten abhängig. Mohsen Rezaei, der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, erklärte, dass Teheran eine offizielle Forderungsliste ausarbeite. Zu den zentralen Punkten gehören die Aufhebung der US-Seeblockade, die Rücknahme der Ölsanktionen sowie die Beendigung aller militärischen Operationen in der Region, einschließlich der Einsätze in Gaza und im Libanon. Auch der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf nannte diese Bedingungen laut Medienberichten als unverhandelbare Voraussetzungen.

Hinter den Kulissen laufen derweil diplomatische Bemühungen. Seit Mitte August 2026 führen der Iran und das direkt gegenüberliegende Sultanat Oman Gespräche über die Einrichtung eines temporären, gemeinsamen Seekorridors. Dieser Plan sieht eine geteilte Verwaltung und eine gemeinsame Einnahmenregelung vor. Formale Verhandlungen über eine dauerhafte Regelung werden in den kommenden 30 bis 60 Tagen erwartet, wobei Pakistan und Katar als Vermittler auftreten. Dennoch bleibt selbst die vorübergehende Öffnung des Korridors eng an die geforderte Beendigung der US-Maßnahmen geknüpft.
Kurswechsel von Supertankern und neue US-Sanktionen
Die Verunsicherung unter Reedereien schlägt sich direkt in den Routen der Tanker nieder. Schiffsverfolgungsdaten belegen, dass mehrere mit China verbundene Supertanker unter der Flagge Hongkongs ihren Kurs änderten oder mitten auf der Fahrt stoppten. Betroffen waren unter anderem die mit irakischem Rohöl beladene Sea V
, die am Eingang der Meerenge stilliegt, sowie die Tanker Hestia
und Erecter
. Ein Teil der Schiffe passiert die Region zudem mit abgeschalteten Transpondern, um unbemerkt zu bleiben.

Parallel dazu verschärft Washington den wirtschaftlichen Druck. Die Maßnahmen zielen auf fünf zentrale Einnahmequellen des Iran ab: digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Die neuen Sanktionen treffen vor allem China, das als einer der wichtigsten Abnehmer iranischen Öls gilt. Chinesische Raffinerien weichen infolge der Blockade zunehmend auf alternative Lieferanten wie den Irak und Brasilien aus.
Sicherheitsrisiken und ungelöste Minengefahr
Die physische Sicherheit in der Region bleibt stark gefährdet. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete einen Vorfall, bei dem ein Handelsschiff beim Verlassen des Persischen Golfs vor der omanischen Küste von einem unbekannten Projektil getroffen wurde. Zudem deuten die Verhandlungen über mögliche Minenräumungen darauf hin, dass die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) die Meerenge in den ersten Konfliktmonaten mit Seeminen versehen hatten. Teheran verschärfte die Lage im August 2026 zusätzlich, indem das Land 45 Tanker wegen angeblicher Verstöße gegen neue Durchfahrtsregeln auf eine schwarze Liste setzte.
Ob die für Oktober 2026 anstehenden Verhandlungen zu einer nachhaltigen Entspannung der Lage im wichtigsten Erdöl-Nadelöhr der Welt führen, bleibt angesichts der unverschiedenen Standpunkte der Konfliktparteien ungewiss.
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