Ermittler bringen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne, die am 4. August 2026 den Flughafen Leipzig/Halle steuerte, mit einem russischen Geheimdienst in Verbindung. Nach Informationen der „Bild“ haben sich die Erkenntnisse der Ermittler so weit verdichtet, dass der Vorfall einem russischen Geheimdienst zugeschrieben werden soll, auch wenn eine offizielle Bestätigung zunächst ausblieb.
Sprengstoff-Drohne traf ukrainisches Frachtflugzeug in Leipzig
In der Nacht auf den 5. August 2026 kam es auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle fast zu einer Katastrophe. Eine mit rund 600 Gramm Sprengstoff und einem Zünder präparierte Drohne traf gezielt gegen das ukrainische Frachtflugzeug einer Antonow-Maschine, die auf dem Flugfeld abgestellt war. An Bord des Flugzeugs soll sich Munition für die Ukraine befunden haben, wie Euronews unter Berufung auf Recherchen von Medienberichten berichtet. Zum Zeitpunkt des Aufpralls war die Frachtmaschine nach Angaben des Bundesinnenministeriums jedoch nicht beladen.
Nach Angaben von „Bild“ war die Drohne in der Nähe des Treibstofftanks des Flugzeugs gegen die Antonow geprallt. Das Flugobjekt prallte nach Auswertung von Überwachungskameras gegen 19 Uhr 30 ab und stürzte zu Boden, da sich der Sprengstoff offenbar von der Drohne löste. Der mit Semtex bestückte Sprengsatz selbst explodierte nicht. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
Bemerkenswert ist auch, wie das gefährliche Gerät entdeckt wurde: Kein automatisches Sicherheitssystem schlug Alarm, sondern einem Busfahrer des Flughafens war das gefährliche Gerät vier Stunden nach dem Aufprall aufgefallen. Er trat mit dem Fuß auf das Flugobjekt, während der Sprengstoff offenbar etwas weiter entfernt lag.
DNA-Spur führt Ermittler zu früheren Anschlägen nach Litauen
Fünf Tage nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig meldeten „Bild“ und „Zeit, dass die Ermittlungsteams an der nicht explodierten Drohne DNA-Spuren sichergestellt haben. Zwar ist noch keine einzelne Person identifiziert, doch gab es laut
Bild“ einen Treffer in der europäischen DNA-Datenbank, und die Spur führt offenbar nach Litauen.
Die gesicherte DNA soll zudem mit der von einem Brandanschlag am 20. Juli 2024 gegen das DHL-Logistikzentrum am Flughafen Leipzig übereinstimmen. Die Paketbombe explodierte damals am Boden und nicht an Bord des Flugzeugs in der Luft, nur weil die Frachtmaschine der DHL Verspätung hatte. Mehrere Verdächtige stehen seit dem Frühjahr auch wegen der Paketbombe von 2024 in Leipzig im litauischen Vilnius vor Gericht. Der Vorwurf lautet Terrorismus und Sabotage im Auftrag einer fremden Macht
.

Die Staatsanwaltschaft in Litauen erklärte, die Straftaten mit selbstgebastelten Sprengsätzen seien von Bürgern der Russischen Föderation organisiert und koordiniert worden, die mit den militärischen Geheimdiensten der Russischen Föderation in Verbindung stehen
. Die Angeklagten sollen Paketbomben über Frachtdienste wie DHL und DDP quer durch Europa geschickt haben, wobei die Angriffsziele laut litauischen Behörden Deutschland, Polen und Großbritannien waren. Auch die EU-Justizbehörde Eurojust in Den Haag befasst sich mit den Hintergründen.
Reaktionen der Bundesregierung und symbolische Daten
Noch am Montag hatte die Bundesregierung eine Schuldzuweisung vermieden. Eine solche werde erst vorgenommen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen und mögliche Maßnahmen abgestimmt seien, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius, da es bei dem Thema zu viel Spekulation
gebe und eine Zuordnung „umfassend“ schlüssig sein müsse.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bereits kurz nach dem Fund von einem hybriden Anschlagsszenario
und einer neuen Gefahrenqualität gesprochen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul (CDU) wollten nach „Bild“-Informationen vor die Presse treten, wofür Außenminister Wadephul eine Dienstreise unterbrach, nachdem er ursprünglich an einem Treffen seiner europäischen Amtskollegen in Irland teilnehmen wollte.
Johann Wadephul kündigte eine überlegte, aber entschlossene Reaktion an. In Algier sagte er: Von unserer Seite gibt es keine Überreaktionen, aber Reaktionen, wenn wir angegriffen werden.
Im ZDF-„Morgenmagazinstellte er eine
konsequente Antwort der Bundesregierung“ in Aussicht, betonte jedoch, die Erkenntnisse und mögliche Konsequenzen müssten sorgfältig geprüft und abgestimmt werden.
Dabei wird in Berichten auch die zeitliche Einordnung beleuchtet: Was hat die Terror-Drohne vom Flughafen Leipzig, die wohl nur durch Zufall nicht explodierte, mit einer Amtsübergabe in Moskau und mit einem Geburtstag in Kiew zu tun? Ein entscheidender Hinweis bei der Suche nach den Hintermännern könnte das Datum in der Nacht auf den 5. August liefern. Es ist jener Tag, an dem Kreml-Führer Wladimir Putin in Moskau Generaloberst Denis Lyamin als Chef von Russlands neuen Streitkräften für unbemannte Systeme öffentlich macht. Zudem ist der 5. August offenbar auch der Geburtstag von Yurii Cherevashenko, dem ukrainischen Kommandeur für unbemannte Luftverteidigungssysteme. Experten weisen darauf hin, dass Putin es mit symbolischen Daten und Anschlägen oder Überfällen hält, wie frühere historische Fälle belegen.
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