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Technik und Wissenschaft

Simsalasim plant weltweiten Mobilfunk-Datentarif für 10 Euro

Der Xing-Gründer Lars Hinrichs plant mit dem Start-up Simsalasim einen weltweiten Mobilfunktarif für zehn Euro im Monat. Das Unternehmen setzt auf eine rein digitale eSIM-Infrastruktur, künstliche Intelligenz statt klassischer Service-Strukturen und nutzt in Deutschland das O2-Netz von Telefónica.

Die deutsche Telekommunikationsbranche bekommt einen neuen, ungewöhnlichen Herausforderer. Mit dem Start-up Simsalasim plant der 49-jährige Xing-Gründer Lars Hinrichs einen global ausgerichteten Mobilfunktarif, der den etablierten Anbietern Konkurrenz machen soll. Das Unternehmen nimmt den Betrieb nach Vorabberichten auf der nächsten Woche in einem Testbetrieb auf, während der offizielle Start für alle Kunden wenige Wochen später folgen soll.

Zehn-Euro-Tarif mit globalem Datenvolumen

Das zentrale Angebot von Simsalasim bricht radikal mit den bisher gewohnten Abrechnungsmodellen der Branche. Für einen monatlichen Festpreis von zehn Euro sollen Kunden unbegrenztes Datenvolumen in rund 100 Ländern ohne Drosselung nutzen können. In etwa 50 dieser Länder sollen zusätzlich unbegrenzte Telefonate und SMS im Preis inbegriffen sein.

Simsalasim plant weltweiten Mobilfunk-Datentarif für 10 Euro
Foto: t3n.de

Dennoch gibt es spürbare Einschränkungen für die Nutzung: Die Verwendung des Smartphones als mobiler Hotspot für Laptops oder andere Geräte ist vertraglich ausgeschlossen.

Reisende sind in Urlaubsländern wie Italien oder Portugal zwar durch das EU-Daten-Roaming gewöhnt, außerhalb der EU können mobiles Datenvolumen und Telefonate jedoch schnell sehr teuer werden. Langfristig peilt das Unternehmen sogar 100 Millionen Nutzer weltweit an, während bis 2030 mehr als 20 Millionen Kunden gewonnen werden sollen.

Es ist ein kompletter Angriff auf die Telekom, Vodafone und viele, viele andere.

Lars Hinrichs, Gründer von Simsalasim

Zu dieser Zeit saß er noch im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom, was in Kreisen des Konzerns kritisiert wurde, wie ein ungenannter Manager gegenüber dem Handelsblatt äußerte: „Er hatte bei uns Zugang zu Interna und hat parallel sein Business aufgebaut.

Künstliche Intelligenz und automatisierte Struktur

Dass ein globaler Tarif für zehn Euro wirtschaftlich funktionieren soll, liegt an der radikal automatisierten Unternehmensstruktur. Die Bundesnetzagentur hat dem Anbieter bereits den eigenen Rufnummernblock 015333 zugeteilt.

Das Start-up kommt nach Medienberichten mit lediglich 25 Beschäftigten beziehungsweise rund zwei Dutzend Mitarbeitern aus. Abrechnung, Support und stark automatisierte Abläufe sollen weitgehend über KI-Dienste und Software abgewickelt werden. Hinrichs begründet das Vorgehen auch damit, dass die Telekommunikation in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig echte Innovation hervorgebracht habe. „Im Bereich Telekom gab es keine wirkliche Innovation in den letzten zwanzig, dreißig Jahren, äußerte er, da sich die Branche im Wesentlichen über den Zusammenhang von Zeit, Preis und Datenvolumen entwickelt habe.

Simsalasim plant weltweiten Mobilfunk-Datentarif für 10 Euro
Foto: connect.de

Der Unternehmer blickt auf eine Vorgeschichte in der Start-up-Szene zurück: 2003 gründete er das Business-Netzwerk OpenBC, das später in Xing umbenannt wurde, und brachte es 2006 an die Börse. Ein Viertel (genau 25,1 Prozent) seiner Anteile veräußerte er im Zuge eines 48-Millionen-Euro-Deals an den Burda-Verlag nach Ablauf von drei Jahren. Für sein neues Wagnis hat Hinrichs bereits 25 Millionen Dollar eingesammelt.

Technische Umsetzung und Branchenreaktionen

Voraussetzung ist ein Smartphone oder ein anderes Mobilgerät, das eSIM-Profile unterstützt, wobei für Tarife mit eigener Mobilfunknummer zudem eine Identifizierung des Kunden erforderlich ist.

Ob Hinrichs nach dem Netzwerk Xing abermals erfolgreich sein wird, bleibt offen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.