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Gesundheit

Selen-Mangel: NIH-Studie unklarer Sterblichkeitszusammenhang

Eine neue systematische Übersichtsarbeit des NIH untersucht den Zusammenhang zwischen dem Selenstatus und der Sterblichkeit. Während einige epidemiologische Studien einen inversen Zusammenhang zwischen Selenwerten und dem Risiko für Todesfälle durch alle Ursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs nahelegen, bleiben die Ergebnisse in der Forschung uneinheitlich und teilweise statistisch nicht signifikant.

Die Rolle von Selenproteinen im Körper

Selen ist ein essenzielles Spurenelement für die menschliche Gesundheit. Die Konzentration von Selen im Boden variiert weltweit stark, was dazu führt, dass die Aufnahme über die Nahrung und der daraus resultierende Selenstatus je nach geografischer Lage unterschiedlich hoch oder niedrig ausfallen können.

Der Selenstatus im Körper lässt sich über verschiedene Wege bestimmen. Laut der im NIH veröffentlichten Untersuchung kann die Selenkonzentration in Vollblut, Plasma, Serum sowie in Nägeln oder Haaren gemessen werden. Eine weitere Methode ist die Messung der zirkulierenden Konzentration des Selenproteins P (SELENOP) oder der Enzymaktivität von Glutathionperoxidasen (GPXs), die ebenfalls zu den Selenproteinen gehören.

Physiologische Funktionen der Selenproteine

Diese Selenproteine sind für zahlreiche physiologische Funktionen entscheidend. Es gibt 25 verschiedene Mitglieder dieser Proteingruppe. Innerhalb dieses Systems spielen Glutathionperoxidasen (GPXs) eine wichtige Rolle, da sie die Entfernung von Wasserstoffperoxid und Lipid-Hydroperoxiden katalysieren. Dieser Prozess schützt die Blutgefäße vor Schäden, die durch oxidativen Stress und Entzündungen entstehen können. Zudem sind Thioredoxin-Reduktasen (TXNRDs) maßgeblich an der Redox-Regulierung des Stoffwechsels und der zellulären Funktionen beteiligt.

Zusammenhang zwischen Selen und Sterberisiko

Die wissenschaftliche Untersuchung des Selens steht im Kontext der Theorie des oxidativen Stresses beim Altern. Nach dieser Theorie führt die Akkumulation reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) sowie ein Ungleichgewicht des normalen Redox-Zustands mit zunehmendem Alter zu kumulativen Schäden an DNA, Proteinen und Lipiden. Diese Prozesse können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und den Tod erhöhen.

Ein suboptimaler Selenstatus könnte daher Auswirkungen auf die vorzeitige Sterblichkeit haben. In der Tat berichten einige epidemiologische Studien von inversen Assoziationen zwischen dem Selenstatus und der Gesamtmortalität, der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der krebsbedingten Sterblichkeit.

Allerdings ist diese Korrelation nicht in allen Untersuchungen eindeutig belegt. In anderen Studien konnten solche Zusammenhänge nicht mit statistischer Signifikanz nachgewiesen werden. Die Ergebnisse der bisherigen Forschung werden daher als heterogen beschrieben.

Methodische Grenzen bisheriger Analysen

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wurde durchgeführt, um diese widersprüchlichen Befunde kritisch zu bewerten. Bisherige Metaanalysen wiesen verschiedene Einschränkungen auf. So wurden nicht immer alle verfügbaren Studien für ein bestimmtes Ergebnis in einer einzigen Metaanalyse berücksichtigt. Zudem wurden oft unterschiedliche Kategorien verglichen, etwa durch den Vergleich der niedrigsten und höchsten Gruppen des zirkulierenden Selens, wobei die Grenzwerte zwischen den Studien stark variierten. Solche Ansätze nutzen häufig Quintile, Quartile oder Tertile, was die Interpretation erschwert.

Um eine präzisere Einordnung zu ermöglichen, nutzt die aktuelle Untersuchung eine lineare Trendschätzung für den Zusammenhang zwischen dem zirkulierenden Selenstatus und der Sterblichkeit in populationsbasierten Kohortenstudien. Ziel ist es, die Qualität der vorliegenden Daten besser zu beurteilen und eine fundiertere Aussage über die Auswirkungen des Selens auf die Sterblichkeit durch alle Ursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu treffen.

Konsultieren Sie bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder Ernährung bitte Ihren Arzt.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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