Im Jahr 2025 machten Sport Utility Vehicles (SUVs) laut einem Report des Vergleichsdienstes Comparis 58 Prozent aller Neuzulassungen in der Schweiz aus. Damit hat sich der Marktanteil gegenüber 2015, als er noch bei 28 Prozent lag, mehr als verdoppelt. Während Skoda die Marktführerschaft übernahm, entbrannte im Parlament ein Streit über Sicherheitsrisiken und eine mögliche Luxussteuer.
Die Schweizer Strassenlandschaft hat sich innerhalb eines Jahrzehnts fundamental gewandelt. Was einst als Nischenprodukt für Geländefahrten begann, ist heute der absolute Standard für Familien und Pendler. Die Dominanz der SUVs ist nicht nur eine statistische Randnotiz, sondern ein strategischer Sieg der Hersteller über die klassische Limousine und den Kombi.
Skoda stürzt BMW vom Thron
An der Spitze des Schweizer SUV-Marktes gab es einen signifikanten Machtwechsel. Wie Watson berichtet, hat die tschechische Marke Skoda den bisherigen Spitzenreiter BMW abgelöst. Mit insgesamt 14.758 Neuzulassungen im Jahr 2025 sicherte sich Skoda einen Marktanteil von 11,1 Prozent im SUV-Segment.
Dieser Erfolg basiert auf einer breiten Modellpalette. Während der neue elektrische Elroq für frischen Wind sorgte, blieben die Bestseller Kodiaq, Enyaq, Kamiq und Karoq die tragenden Säulen des Absatzes. Für Skoda ist der Trend so extrem, dass SUVs mittlerweile über drei Viertel aller Neuzulassungen der Marke ausmachen.
Die Kehrseite dieser Entwicklung ist der dramatische Absturz des einstigen Nationalhelden: dem Skoda Octavia. Im Jahr 2015 noch auf Platz 2 der meistzugelassenen Autos, ist das Modell fast bedeutungslos geworden. Mit nur 3.088 Neuzulassungen im Jahr 2025 erreichte der Octavia lediglich 14 Prozent des Skoda-Absatzes und einen Gesamtmarktanteil von nur einem Prozent. Der klassische Kombi ist damit endgültig zum Nischenprodukt degradiert worden.
Die Gewinner und Verlierer im SUV-Segment
cluster (priority): Watson
Während Skoda triumphiert, zeigt die Rangliste der Top-Hersteller eine Konsolidierung im oberen Bereich, aber massive Einbrüche im Mittelfeld. BMW belegt mit 12.476 SUVs (9,42 Prozent Anteil) den zweiten Platz, gefolgt von Volkswagen auf Rang 3.
Rang
Hersteller
Neuzulassungen (SUVs)
Marktanteil (SUV-Segment)
1
Skoda
14.758
11,1 %
2
BMW
12.476
9,42 %
3
Volkswagen
10.466
7,90 %
4
Audi
10.403
–
5
Mercedes-Benz
10.189
–
Besonders dramatisch ist die Situation bei Ford. Die US-Marke erlebte den stärksten Rückgang im Markt und verkaufte 2.685 SUVs weniger als im Vorjahr 2024 – ein Minus von 59 Prozent. Vor allem der Ford Kuga verlor fast die Hälfte seines Volumens, was die Marke auf Platz 20 stürzen liess.
Auch Tesla spürt den Gegenwind. Aufgrund einer sinkenden Nachfrage nach dem Model Y verzeichnete die Marke ein Minus von 24 Prozent, was einem Verlust von 1.665 Fahrzeugen entspricht. Mit 5.152 SUVs rutschte Tesla auf Platz 10 ab.
Elektrisierung zwischen Boom und Stagnation
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Der Trend zum SUV verläuft parallel zur Elektrifizierung, wenn auch mit einer aktuellen Wachstumsbremse. Im Jahr 2025 war bereits jeder vierte neu zugelassene SUV elektrisch betrieben. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei neun Prozent.
Trotz dieses langfristigen Aufwärtstrends stagnierte der Marktanteil der Elektro-SUVs im Vergleich zum Vorjahr. Starke Neuerscheinungen bei Verbrennern und Hybriden bremsten den Vormarsch der E-Mobilität temporär aus. Dass die absoluten Zahlen dennoch stiegen, ist primär auf Modelle wie den Skoda Elroq und den Audi Q6 zurückzuführen, welche die Verluste von Tesla teilweise auffangen konnten.
Sicherheitsrisiko oder Familienstandard?
cluster (priority): Blick
Die schiere Grösse der Fahrzeuge hat eine politische Debatte ausgelöst, die weit über reine Marktstatistiken hinausgeht. Nach Berichten von Nau fordern Stimmen aus dem Parlament, insbesondere von den Grünen, ein Eingreifen des Bundes.
Es ist viel gefährlicher für alle Menschen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind.
Marionna Schlatter, Nationalrätin (GPS/ZH)
Schlatter kritisiert, dass SUVs im Schnitt schwerer seien als Kombis oder Limousinen, was sowohl den Verbrauch erhöhe als auch die Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer gefährde. Sie vermutet zudem, dass Autohändler SUVs bevorzugt bewerben, da sie dort eine grössere Marge erzielen könnten. Als Lösung schlägt sie eine Luxussteuer vor, um schwere Fahrzeuge unattraktiver zu machen.
Demgegenüber steht die Position der SVP. Nationalrat Thomas Hurter sieht den Trend als Resultat eines veränderten Freizeitverhaltens und der Bedürfnisse der Bevölkerung. Er betont, dass moderne SUVs technologisch fortschrittlicher und sparsamer seien als frühere Generationen.
Grundsätzlich haben die Autohändler vor allem die Aufgabe, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Und die Bevölkerung wolle nun mal SUVs.
Thomas Hurter, Nationalrat (SVP/SH)
Diese politische Spaltung spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Konsumenten wider. Eine Umfrage von Blick unter 3.100 Teilnehmern zeigt ein geteiltes Bild:
33 Prozent fahren ausschliesslich SUVs.
31 Prozent sehen in den Fahrzeugen viele Vorteile.
20 Prozent empfinden die Fahrzeuge als entschieden zu gross.
16 Prozent lehnen SUVs aufgrund des steigenden Risikos im Strassenverkehr ab.
Die Befürworter führen vor allem praktische Gründe an. Für junge Familien mit Kindern ist das Platzangebot oft das entscheidende Argument, während ältere Menschen die einfachere Einstiegshöhe schätzen. Zudem bleibt der SUV für Nutzer, die täglich Anhänger ziehen müssen, die erste Wahl.
Die Diskussion um eine Luxussteuer bleibt vorerst ein politisches Tauziehen. Während die Grünen auf staatliche Steuerung setzen, vertraut die SVP auf die Marktdynamik. Fakt ist jedoch: Solange die Nachfrage so massiv bleibt und Hersteller wie Skoda ihre Strategie konsequent auf SUVs ausrichten, wird der Trend zur Vergrösserung der Fahrzeuge auf Schweizer Strassen kaum zu stoppen sein.
David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.
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