Trockenheit setzt der Schweizer Alpwirtschaft im August 2026 massiv zu. Wegen akuten Futter- und Trinkwassermangels müssen Betriebe ihre Tiere vorzeitig von den Alpen holen, wie der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband mitteilt. Vor genau 50 Jahren erzwang dagegen historischer Schneefall im Spätsommer 1976 frühe Alpabzüge in den Bergen.
Die Schweizer Alpwirtschaft kämpft im Spätsommer mit extremen klimatischen Bedingungen. Wegen anhaltender Trockenheit und des damit verbundenen Futter- und Trinkwassermangels mussten in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Betriebe ihre Tiere deutlich früher von den Alpen ins Tal zurückbringen, wie der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband berichtet.
Betroffene Regionen und Massnahmen der Schweizer Alpwirtschaft
Die Situation betrifft vor allem bestimmte Landesteile. Nach Angaben des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes sind der Jurabogen, die Westschweiz und Teile der Ostschweiz besonders stark von den Folgen der Dürre betroffen. Um wertvolles Weideland zu schonen und die Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, hat sich die grosse Mehrheit der betroffenen Alpbetriebe dazu entschlossen, zumindest einen Teil ihrer Rinder und Kühe vorzeitig ins Tal zu treiben.
Bereits im vorangegangenen Jahr stand die Alpwirtschaft vor logistischen Herausforderungen. Damals machten Ausbrüche der Rinderkrankheit Lumpy-Skin Disease an zahlreichen Orten im Wallis und in der Waadt die Absage von Alpabzügen erforderlich, oder die Umzüge mussten ohne Rinder stattfinden, wie die Berichterstattung dokumentiert.
Historischer Rückblick auf den extremen Sommer im Jahr 1976
Der aktuelle Wassermangel steht in scharfem Kontrast zu den historischen Ereignissen vor genau einem halben Jahrhundert. Nach einer extremen Hitzewelle in den Monaten Juni und Juli 1976 folgte im August ein drastischer Temperatursturz, der in mehreren höher gelegenen Regionen der Schweiz zu spürbarer Abkühlung und schliesslich zu den ersten Schneefällen des Spätsommers führte.
Ende August und Anfang September 1976 zwang dieser Wetterumschwung die Bauern zu sofortigem Handeln. Am Julierpass mussten damals rund 350 Rinder und Kühe vorzeitig abtransportiert werden, weil plötzlicher Schnee die Weide unpassierbar machte. Historische Aufnahmen zeigen Hirten, die ihre Tiere mühsam über verschneite Passflächen begleiteten.
Bedeutung der Alpsaison als immaterielles Unesco-Kulturerbe
Trotz dieser jährlichen Natur- und Witterungsrisiken bleibt die traditionelle Alpwirtschaft ein wirtschaftlicher und kultureller Pfeiler des Landes. Die Schweiz zählt insgesamt rund 6600 Alpbetriebe. Im Sommer bewirtschaften diese Betriebe etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche und erzeugen dabei jährlich rund 5500 Tonnen Alpkäse.
Die kulturelle Tragweite dieser Arbeit wurde Ende 2023 offiziell gewürdigt. Damals beschloss die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die Unesco, die Schweizer Alpsaison in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen. Die Organisation begründete den Schritt damit, dass die Alpsaison ein ganzes Repertoire an lebendigen Bräuchen, traditionellen Fertigkeiten und rituellen Handlungen vereine. Dazu gehören neben dem Alpauf- und Alpabzug auch fundiertes Wissen über nachhaltige Weidewirtschaft, das traditionelle Handwerk des Käsens, überlieferte Techniken zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie ein reichhaltiges traditionelles Liedgut.
Regionale Unterschiede bei den Alpabzügen im Spätsommer
Regulär finden die Alpabzüge in der Schweiz je nach geografischer Lage und Höhenstufe zwischen Mitte August und Ende September statt. Während die traditionellen Umzüge in Jahren mit normalen Witterungsverhältnissen ein farbenprächtiger Höhepunkt des bäuerlichen Jahreskalenders sind, verlangen die klimatischen Belastungen der Betriebe im Sommer 2026 den Viehhaltern in den betroffenen Regionen ein flexibles Krisenmanagement ab, um den Fortbestand der Weidewirtschaft zu sichern.

Verwandte Artikel