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Technik und Wissenschaft

Schwedische Forscher sehen Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Schlaganfallrisiko

Ein schwedisches Forschungsteam hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen schwächeren kognitiven Leistungen bei Erwachsenen in ihren 60ern und einem erhöhten Schlaganfallrisiko in den folgenden Jahren nachgewiesen, wie Daten von fast 5.000 Teilnehmenden zeigen.

Schlaganfälle treffen Menschen oft ohne erkennbare Vorwarnung, doch die biologischen Prozesse im Gehirn bahnen sich häufig über Jahre hinweg an. Eine Untersuchung von Forschern in Schweden legt nun nahe, dass sich ein erhöhtes Risiko für künftige Schlaganfälle bereits in einfachen Tests zu Gedächtnis und Denkvermögen ablesen lässt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden im Journal of the American Heart Association veröffentlicht.

Das Design der schwedischen Untersuchung und der Zeitraum von 12,3 Jahren

Für ihre Auswertung griffen die Wissenschaftler auf Daten des Projekts Good Aging in Skåne zurück. In die Analyse flossen die Gesundheitsdaten von insgesamt 4.912 Erwachsenen ab 60 Jahren ein. Zu Beginn des Beobachtungszeitraums wies keine der beteiligten Personen eine Demenz, einen früheren Schlaganfall oder eine transkisch-ischämische Attacke auf. Letztere beschreibt eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn, die ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall auslöst.

Die Datenerhebung erstreckte sich über einen Zeitraum von 2001 bis 2023. Im Schnitt begleiteten die Forscher die Teilnehmenden über 12,3 Jahre. Innerhalb dieser Phase erlitten 572 Menschen zum ersten Mal einen Schlaganfall.

Gedächtnis- und Denkleistungen bei 60- bis 69-Jährigen

Bereits zu Beginn des Projekts absolvierten alle Personen standardisierte Prüfungen. Diese deckten Bereiche wie Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, sprachliche Fähigkeiten und exekutive Funktionen ab, zu denen unter anderem die Planung und Steuerung von Aufmerksamkeit gehören. Die Forscher fassten diese Resultate zu einem Gesamtwert zusammen und betrachteten zudem die einzelnen Teilbereiche, wobei sie die Ergebnisse innerhalb der jeweiligen Altersgruppen in niedrige, mittlere und hohe Leistungsklassen unterteilten.

Besonders deutlich zeigte sich das Muster in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen.

  • Eine niedrige allgemeine Denkleistung ging mit einem um 86 Prozent höheren relativen Schlaganfallrisiko einher.
  • Schwächere Gedächtnisleistungen waren mit einem um 68 Prozent höheren Risiko verbunden.
  • Bei einer langsameren Informationsverarbeitung lag das Risiko um 66 Prozent höher.

Diese Prozentzahlen beschreiben die statistischen Unterschiede zwischen den Leistungsgruppen, nicht jedoch den Anteil der Personen mit niedrigen Werten, die tatsächlich einen Schlaganfall erlitten. Sie bedeuten zudem nicht, dass jede Person mit einem schwächeren Testergebnis demselben Gefährdungsgrad ausgesetzt ist.

Unterschiede nach Altersstufen und die Rolle stiller Hirnschäden

Überraschenderweise setzte sich dieses statistische Muster bei älteren Bevölkerungsgruppen nicht fort. Nachdem die Wissenschaftler weitere Gesundheits- und Lebensstilfaktoren in ihre Berechnungen einbezogen hatten, verschwand der direkte Zusammenhang bei den 70- bis 79-Jährigen sowie bei den Teilnehmenden ab 80 Jahren.

Studienautorin Alice Askemyr von der Universität Lund und dem Universitätsklinikum Skåne erklärte diesen Umstand mit der Vielfältigkeit älterer Jahrgänge. Menschen in ihren 60ern wiesen oft noch vergleichsweise wenige Vorerkrankungen auf. In den späteren Lebensjahrzehnten kämen dagegen meist mehrere Erkrankungen und Medikamente zusammen, was die Isolierung einzelner Einflussfaktoren erschwere.

Als eine mögliche Ursache für den beobachteten Effekt nennen die beteiligten Forscher sogenannte stille Hirnschäden. Solche Veränderungen im Gewebe verursachen im Alltag oft keine Beschwerden und bleiben daher unbemerkt. Sie treten laut Askemyr bei etwa 70 Prozent der Erwachsenen über 70 Jahre auf und könnten sowohl die kognitive Leistungsfähigkeit als auch das künftige Schlaganfallrisiko beeinflussen.

Einordnung durch Fachleute und offene Fragen zur medizinischen Nutzung

Die Studienautoren und externe Experten betonen, dass die Untersuchung keinen ursächlichen Kausalzusammenhang belegt. Ein schlechteres Abschneiden in einem Denktest verursacht keinen Schlaganfall, und die Tests eignen sich nicht als eigenständige Diagnoseinstrumente für ein bevorstehendes Ereignis. Dennoch sehen die Forscher das Potenzial, kognitive Tests künftig als Ergänzung zu etablierten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Gefässerkrankungen heranzuziehen.

Die Neurologin Elisabeth Breese Marsh von der Johns Hopkins University wies darauf hin, dass bereits Menschen in ihren 40ern und 50ern auf veränderbare Risikofaktoren und gesunde Gewohnheiten für das Gehirn achten sollten. Ob standardisierte kognitive Tests künftig tatsächlich dazu beitragen können, Schlaganfälle früher zu verhindern, müssen weiterführende klinische Untersuchungen klären.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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