Navanethem Navi Pillay, ehemalige Richterin am Internationalen Strafgerichtshof und UN-Menschenrechtschefin, ist mit dem Friedensnobelpreis 2026 ausgezeichnet worden. Das norwegische Nobelkomitee in Oslo würdigte am Freitag den langjährigen Einsatz der 85-jährigen Juristin für das Völkerrecht und die internationale Menschenrechtsarbeit.
Die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees kam für Beobachter überraschend, da die südafrikanische Juristin nicht zum engeren Kreis der Favoriten zählte. Insgesamt waren in diesem Jahr 287 Persönlichkeiten und Organisationen für die renommierte Auszeichnung nominiert.
Würdigung durch das Nobelkomitee in Oslo
Komiteevorsitzender Jørgen Watne Frydnes begründete die Vergabe an die südafrikanische Juristin mit deren unermüdlichem Einsatz für Frieden und internationales Recht. Frydnes betonte bei der Bekanntgabe in Oslo, dass die Auszeichnung für das jahrzehntelange Wirken der Juristin auch als klare Botschaft an diejenigen zu verstehen sei, die internationale Institutionen untergraben wollen.
Jørgen Watne Frydnes sagte: „Die Entscheidung unterstreicht die Notwendigkeit, internationale Institutionen zu schützen.
Das Nobelkomitee hob hervor, dass die internationalen Rechtsstrukturen gegenwärtig unter erheblichem politischen Druck stehen. Die Auszeichnung unterstreiche den Wert und die unverzichtbare Notwendigkeit des Völkerrechts bei der gewaltfreien Beilegung von Konflikten.
Jahrzehntelanger Kampf für Gerechtigkeit von Südafrika bis den Haag
Die in Durban geborene Tochter indisch-tamilischer Eltern blickt auf eine jahrzehntelange Karriere im Dienste der internationalen Justiz und der Menschenrechte zurück. Bereits in den 1960er Jahren verteidigte sie in Südafrika Anti-Apartheid-Aktivisten und engagierte sich gegen Folter. Im Jahr 1995 wurde sie zur ersten nicht-weißen Richterin am Obergericht der Provinz Natal ernannt.
Später prägte Pillay die internationale Strafgerichtsbarkeit maßgeblich. Von 1999 bis 2003 leitete sie als Präsidentin das Internationale Tribunal für Ruanda. Danach amtierte sie bis 2008 als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, bevor sie von 2008 bis 2014 als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte wirkte. Derzeit ist sie als ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof (IGH) tätig und befasst sich unter anderem mit einem Verfahren, in dem Myanmar Völkermord an der Rohingya-Minderheit vorgeworfen wird.
Ermittlungen zu Gaza und scharfe Reaktionen aus Israel
Zuletzt leitete Pillay eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu den palästinensischen Gebieten. Der im September 2025 vorgelegte Bericht dieser Kommission kam zu dem Schluss, dass das israelische Vorgehen im Gazastreifen den Tatbestand des Völkermords erfülle.

Die israelische Regierung reagierte empfindlich auf die Verleihung des Nobelpreises. Das israelische Außenministerium wies den UN-Bericht als skandalös zurück und kritisierte die Entscheidung des Nobelkomitees scharf. Die Vergabe markiere einen weiteren umstrittenen Punkt im Verhältnis zwischen internationalen Justizorganen und betroffenen Staaten, während die USA zuvor bereits Sanktionen gegen Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs verhängt hatten.
Überraschung in Nürnberg und Reaktionen aus der Politik
Als die Nachricht über die Zuerkennung des Preises eintraf, befand sich Pillay gerade auf einer Fachtagung von Menschenrechtsanwälten im Justizpalast in Nürnberg, dem historischen Schauplatz der Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des Nationalsozialismus. Nach lang anhaltendem Applaus ihrer Kollegen zeigte sich die Preisträgerin sichtlich erstaunt.
Navanethem Navi Pillay sagte: „Vielleicht sollte es einfach so sein, dass ich mich in diesem historischen Gerichtssaal befand…
Mit einem humorvollen Seitenhieb auf den früheren US-Präsidenten Donald Trump, der mehrfach öffentlich Ambitionen auf die Auszeichnung geäußert hatte, sorgte sie bei den Anwesenden für Heiterkeit. Die Bundesregierung in Berlin würdigte das Lebenswerk der Juristin und betonte ihren jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte und Völkerrecht. UN-Generalsekretär António Guterres nannte die Preisvergabe eine wichtige Anerkennung für alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit und menschliche Würde einsetzen.
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