Zum Inhalt springen
Nachrichten

Sachsen-Anhalt: Frauenanteil im neuen Landtag bei 22 Prozent

Der Frauenanteil im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt ist nach der Wahl vom September 2026 auf knapp 22 Prozent gesunken und markiert den bundesweit niedrigsten Wert. Gleichstellungsverbände und Politikerinnen warnen vor einer spürbaren Repräsentationslücke und einem rückläufigen politischen Gewicht zentraler Frauenthemen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich die parlamentarische Zusammensetzung des Magdeburger Landtags drastisch verschoben. Während die AfD mit 43,8 Prozent der Stimmen und 39 von insgesamt 83 Sitzen stärkste Kraft wurde, schrumpft der Anteil weiblicher Abgeordneter im neuen Parlament auf knapp 22 Prozent. Künftig gehören dem Landtag 65 Männer und lediglich 18 Frauen an. Angesichts eines Bevölkerungsanteils von rund 50 Prozent Frauen im Bundesland wächst die Sorge über eine unzureichende gesellschaftliche Repräsentation im Plenum.

Warnungen vor Repräsentationslücke und Sachverlust

Die Landesbeauftragte für Frauen- und Gleichstellungspolitik, Sarah Schulze, bezeichnet das Absinken des Frauenanteils als besorgniserregende Repräsentationslücke.

Der Schutz von Frauen vor Gewalt, die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, die eigenständige wirtschaftliche Absicherung von Frauen oder eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung [könnten] weniger Gewicht bekommen.

Sarah Schulze, Landesbeauftragte für Frauen- und Gleichstellungspolitik
Diese Befürchtung teilt auch Friederike Ewald, die Geschäftsführerin des Landesfrauenrates. Sie bewertet die Quote von knapp 22 Prozent als alarmierendes Signal für die politische Arbeit im Land.

Ewald betonte in diesem Zusammenhang die unverzichtbare Rolle weiblicher Perspektiven in der parlamentarischen Gesetzgebung.

Frauen bringen eine ganz besondere Expertise, ihre eigenen Lebenserfahrungen, auch unterschiedliche Lebenserfahrungen ein. Und diese sind sozusagen in der Selbstvertretung einfach anders gelagert, als wenn Männer für uns sprechen. Das genügt einfach nicht.

Friederike Ewald, Geschäftsführerin des Landesfrauenrates
In der Vergangenheit zog der Landtag den Landesfrauenrat sowie dessen Mitgliedsverbände regelmäßig zu Beratungen über Gesetzesentwürfe hinzu.

Politische Reaktionen und Debatte über Quotierungen

Die Linken-Fraktionschefin Eva von Angern äußerte sich tief besorgt über die künftige Entwicklung von Frauenförderprogrammen sowie die finanzielle Unterstützung für Frauenhäuser und Frauenzentren.

Ich erwarte in den einzelnen Bereichen, dass dann die Bundesebene einspringen muss. Und auch, dass die Kommunen da einmal mehr hingucken. Was ich als Linke auf keinen Fall akzeptieren werde, ist, dass Frauen hier in Sachsen-Anhalt unsichtbar gemacht werden.

Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende Die Linke
Die Partei fordert ebenso wie die Grünen und die SPD eine paritätische Besetzung von Wahllisten, um ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Parlament zu sichern. Entsprechende juristische Versuche waren in anderen Bundesländern zuvor gescheitert.

Schwierige Mehrheitsbildung, Proteste gegen AfD bundesweit
Photo: schwulissimo.de

In den Parteien selbst wird der Umgang mit der Listenaufstellung unterschiedlich gehandhabt. Während SPD, Grüne und Linke auf abwechselnde Listenplätze setzen, gilt bei der CDU das Regionalprinzip. Karin Tschernich-Weiske, eine von lediglich zwei Frauen in der insgesamt 15-köpfigen CDU-Landtagsfraktion, sprach sich gegen starre Regelungen aus:

Wenn wir einen Bevölkerungsanteil von 51 Prozent Frauen in Sachsen-Anhalt haben, dann wäre es schon schön, wenn man sich da wiederfinden könnte. Also ich bin nicht für starre Quoten. Es kommt doch hier nur auf das Können an und nicht auf das Geschlecht.

Karin Tschernich-Weiske, CDU-Landtagsabgeordnete

Verändertes Arbeitsklima im neuen Parlament

Neben den inhaltlichen Schwerpunkten warnen Politikerinnen auch vor einer raueren Tonart im Plenarsaal. Susann Sziborra-Seidlitz von den Grünen verwies auf die starken Stimmengewinne der AfD und deren personelle Aufstellung im Landtag.

Die Stimmung, die die vor allem Frauen gegenüber im Parlament verbreiten, die ist häufig aggressiv, die ist verächtlich machend. Das wird schwierig – vor allem für die neuen Parlamentarierinnen.

LIVE: Saxony-Anhalt Voters Elect New State Parliament In Germany | Factual Flow | AC1F
Susann Sziborra-Seidlitz, Abgeordnete Bündnis 90/Die Grünen

Politikwissenschaftler Nicolas Spohn von der Universität Magdeburg ordnet die Verschiebungen im Gefüge ein. Demnach verfügen AfD und CDU im neuen Magdeburger Parlament gemeinsam über mehr als 60 Prozent der Mandate. Unabhängig vom Geschlecht der Abgeordneten spiegele das Wahlergebnis somit ein stark konservativ dominiertes Parlament wider, in dem progressive Interessen quantitativ schwächer vertreten sind als zuvor.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.