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Welt

Russland fordert Freigabe beschlagnahmten russischen Forschungsschiffes

Norwegen hat das russische Schiff Professor Moltschanow auf Antrag des ukrainischen Staatskonzerns Naftogaz vor der Inselgruppe Spitzbergen beschlagnahmt. Moskau reagierte empört und forderte die sofortige Freigabe. Die Maßnahme soll einen internationalen Schiedsspruch über milliardenschwere Entschädigungen für enteignete Vermögenswerte auf der Krim durchsetzen.

September 2026 das russische Forschungsschiff und Expeditionsschiff Professor Moltschanow im Hafen von Barentsburg auf der Arktis-Inselgruppe Spitzbergen unter Arrest gestellt. Der Schritt erfolgte auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz auf Basis eines norwegischen Gerichtsbeschlusses. Das russische Außenministerium in Moskau bestellte daraufhin den norwegischen Botschafter ein, um einen entschiedenen Protest gegen das Vorgehen zu übermitteln.

Hintergrund der Beschlagnahme und der Schiedsspruch

Die Festsetzung des Schiffes dient der Durchsetzung eines internationalen Schiedsspruchs. Ein Schiedsgericht in Den Haag hatte Russland im Jahr 2023 zur Zahlung von 4,22 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) zuzüglich Zinsen und Rechtskosten an Naftogaz verpflichtet. Die Forderung betrifft Vermögenswerte, die Russland bei der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 beschlagnahmt hatte. Da Moskau dem Schiedsspruch bislang nicht nachgekommen ist, verfolgt Naftogaz russische Vermögenswerte in zahlreichen Staaten.

Naftogaz-Chef Sergii Fedorenko wertete die Maßnahme als wichtigen Erfolg. Russland könne sich seiner Verantwortung nicht entziehen, indem es einen internationalen Schiedsspruch ignoriere, erklärte Fedorenko laut übereinstimmender Berichterstattung. Der Konzern werde russisches Vermögen so lange weltweit verfolgen, bis die Entschädigung vollständig beglichen sei. Ähnliche Vollstreckungsverfahren laufen nach Angaben des ukrainischen Konzerns in rund zehn weiteren Staaten, wobei in Finnland und Frankreich bereits Vermögenswerte beschlagnahmt wurden.

Moskaus scharfe Reaktionen und rechtliche Schritte

Die Regierung in Moskau verurteilte den Zugriff auf das Schiff scharf und warft den Behörden Rechtsbrüche vor. Die russische Botschaft in Norwegen forderte die sofortige Freigabe des Schiffes und kündigte juristische Schritte an.

Das russische Außenministerium in Moskau ging noch weiter und verurteilte die Aktion als Piraterie. Neben der Einbestellung des norwegischen Botschafters teilte das Ministerium mit, dass der Schiffsbesatzung und den Passagieren konsularische Hilfe bereitgestellt werde.

Die Rolle der Professor Moltschanow für die Siedlung Barentsburg

Die Professor Moltschanow liegt im Hafen von Barentsburg auf Spitzbergen fest und soll dort bis zu einer weiteren Entscheidung des Gouverneurs oder eines norwegischen Gerichts bleiben. Das Schiff gehört dem russischen Staat und wird neben wissenschaftlichen Missionen auch für Expeditionskreuzfahrten genutzt. Bei seiner Festsetzung befanden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Moskau Mitarbeiter des Bergbauunternehmens Arktikugol, Wissenschaftler sowie Lebensmittel an Bord, die von Murmansk nach Spitzbergen unterwegs waren.

Russland fordert Freigabe beschlagnahmten russischen Forschungsschiffes
Photo: DIE ZEIT

Die russische Botschaft wies darauf hin, dass die Professor Moltschanow aufgrund der gegen Russland verhängten norwegischen Sanktionen die einzige verbliebene Versorgungsmöglichkeit für die russischen Siedlungen auf dem Archipel darstelle. Die zu Norwegen gehörende Inselgruppe steht gemäß dem Spitzbergenvertrag von 1920 unter norwegischer Souveränität, räumt den Staatsangehörigen der Vertragsstaaten jedoch gleiche Wirtschaftsrechte ein, weshalb Russland in Barentsburg eine Kohlemine betreibt.

Haltung der norwegischen Regierung und offene Fragen

Die norwegische Regierung betonte, sie sei nicht Partei des Verfahrens. Das Justizministerium in Oslo erklärte, der Gouverneur von Spitzbergen handele als zuständige Vollstreckungsbehörde lediglich auf Grundlage eines Gerichtsbeschlusses und sei gesetzlich verpflichtet, diesen umzusetzen – unabhängig von den beteiligten Parteien. Der Einsatzleiter der Polizei auf Spitzbergen, Håkon Finstad, bestätigte den Arrest und erklärte gegenüber der Zeitung Aftenposten, dass die Sicherheit der Passagiere gewährleistet ist.

Russland fordert Freigabe beschlagnahmten russischen Forschungsschiffes
Photo: tagesschau.de

Unbeantwortet blieb in den ersten Berichten der Behörden zunächst die genaue Personenzahl an Bord des Forschungsschiffs. Wie viele Passagiere und Besatzungsmitglieder von der Festsetzung in Barentsburg unmittelbar betroffen sind, ist gegenwärtig nicht öffentlich beziffert.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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