Die internationalen Rohölpreise stehen unter erheblichem Druck, während sich die Lage an den globalen Energiemärkten angesichts anhaltender geopolitischer Konflikte und Lieferengpässe zuspitzt. Zwar gaben die Notierungen zuletzt im Zuge von Entspannungssignalen bei den saudi-arabischen Exporten etwas nach, doch belasten Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine weiterhin die Versorgungsketten.
An den internationalen Rohstoffmärkten blicken Händler und Analysten auf eine volatile Phase. Nach viermonatigen Höchstständen, in denen die Sorte Brent und West Texas Intermediate (WTI) kräftige Aufschläge verzeichneten, zeigen sich moderate Rückgänge aufgrund nachlassender Sorgen um saudi-arabische Pipeline-Lieferungen. Dennoch bleibt die fundamentale Versorgungslage angespannt.
Geopolitische Krisenherde belasten die Schifffahrt im Nahen Osten
Haupttreiber für die hohen Energiepreise bleibt der festgefahrene Krieg in Iran, der wichtige maritime Transportwege für Öl und Gas blockiert. Berichte über Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus sowie US-Gegenangriffe haben den Schiffsverkehr in der strategisch bedeutsamen Wasserstraße drastisch reduziert vor dem Hintergrund, dass rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung regulär durch diesen Engpass fließen.
US-Präsident Donald Trump erklärte zwar in Washington, die jüngsten US-Angriffe auf iranische Ziele würden nicht zu lange dauern, fügte jedoch hinzu, dass das Militär jederzeit zu weiteren Schlägen bereit sei. Zugleich betonte er, dass die Streitkräfte täglich zahlreiche Schiffe aus der Straße von Hormus herausbringen.
We’re prepared to do another one any time we want.
President Donald Trump
Diese Zusicherungen reichten jedoch nicht aus, um den Druck von den Märkten zu nehmen. Während Goldman Sachs Research die Ölexporte aus dem Persischen Gulf zuletzt auf zwei Drittel des Vorkriegsniveaus schätzte, ging ING von rund der Hälfte aus. Experten von Capital Economics warnen vor diesem Hintergrund, dass die Ölpreise bis weit in das Jahr 2027 über der Marke von 100 US-Dollar verharren könnten, sollten der Konflikt anhalten und die Ausfuhren nicht bis zum Jahresende 2026 wieder anlaufen.
Raffinerieangriffe und Exportverbote treiben die Dieselpreise
Neben Rohöl rückt vor allem Diesel in den Fokus der Märkte. Der Treibstoff, der weltweit für Landwirtschaft, Schifffahrt und Transport unverzichtbar ist, hat im laufenden Jahr Höchststände erreicht. Verschärft wird die Situation durch den Ukraine-Konflikt, nachdem ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien Russland zu einem Exportverbot für Diesel bis Ende September zwangen. Als zweitgrößter Dieslexporteur der Welt fällt damit ein gewichtiger Lieferant aus, was laut ING-Analysten einem Ausfall von etwa 20 Prozent des globalen Seehandels mit Diesel entspricht.
Zu den preistreibenden Faktoren kommen regionale Entwicklungen hinzu: So teilte Saudi-Arabien europäischen Kunden mit, dass im kommenden Monat infolge eines beschädigten Ost-West-Pipelinesystems vorerst kein Rohöl geliefert werden kann. Auch Angriffe auf Tanker im Roten Meer und im Persischen Golf halten die Risikoprämien hoch.
Supply concerns have eased as Saudi Arabia works to restore its damaged East-West pipeline. The recent decline in spot oil prices largely reflects a perception of moderating geopolitical risks, but continued threats to both Hormuz and Red Sea routes should keep Brent above pre-war levels and volatility elevated.
Soojin Kim, MUFG
Notierungen: Einordnung der Benchmarks
An den Terminbörsen präsentieren sich die Notierungen uneinheitlich.
| Rohstoff / Kontrakt | Kurs / Veränderung | Kontext |
|---|---|---|
| Brent Crude | Notierung um 95,52 bis 104,10 US-Dollar je Barrel | Zeitweise bei über 97 bis 108,75 US-Dollar im Wochenverlauf |
| WTI (West Texas Intermediate) | Rückgang auf rund 101,36 bis 101,83 US-Dollar | Zwischenzeitlich unter die Marke von 100 US-Dollar gefallen |
| Europäischer Erdgas-Benchmark | 79,61 Euro je Megawattstunde (plus) | Anstieg durch europäische Nachfrage |
| US-Erdgas (Nymex) | Gestützt durch anhaltend warmes Sommerwetter im Süden |
Geldpolitik und Inflationssorgen im Blick der US-Notenbank
Die Energieverteuerung schürt an den Finanzmärkten fortwährend Inflationsängste, was wiederum die Renditen von US-Staatsanleihen steigen ließ. Trotz der angespannte Lage zeigte sich Federal-Reserve-Gouverneur Christopher Waller zuversichtlich. Bei einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er, dass er die Verbraucher- und Großhandelspreise in den kommenden Wochen für vernünftig halte.

So far energy [prices have] not bled into other goods and prices.
Christopher Waller, Federal Reserve
Sollten jedoch die Inflationsdaten für August unerwartet stark ausfallen, schloss Waller eine Zinserhöhung bei der anstehenden Sitzung nicht aus und appellierte an die Märkte: Give disinflation a chance.
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