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Rom – Tausende demonstrieren in Italien für „Remigration“ – Gründung von neuer Rechtspartei „Futuro Nazionale

Der ehemalige Heeresgeneral Roberto Vannacci hat am Wochenende in Rom seine neue rechtsextreme Partei „Futuro Nazionale“ gegründet. Tausende Demonstranten forderten im Rahmen des Gründungsparteitags eine Verschärfung der Einwanderungspolitik sowie die sogenannte Remigration. Die neue Kraft, die in Umfragen bereits bis zu fünf Prozent erreicht, fordert die Regierung von Giorgia Meloni von rechts heraus.

Remigration und Straßenproteste in Rom

Die Gründung von Futuro Nazionale, was übersetzt „Nationale Zukunft“ bedeutet, ging mit massiven Mobilisierungen in der italienischen Hauptstadt einher. Laut Berichten von Deutschlandfunk forderten tausende Teilnehmer unter den Schlagwörtern „Remigration und Rückeroberung“ die systematische Rückführung von Migranten in ihre Heimatländer. An der Kundgebung beteiligten sich neben Anhängern Vannaccis auch rechtsextreme und neofaschistische Gruppen. Die Gegenseite reagierte prompt: Ebenfalls tausende Menschen gingen bei einem Gegenprotest auf die Straße, um gegen die Forderungen der neuen Partei zu demonstrieren.

Das Programm von Futuro Nazionale

Vor rund 1.500 Delegierten legte der 57-jährige Vannacci, ein ehemaliger Europaabgeordneter der Lega-Partei, seinen politischen Kurs dar. Im Zentrum steht ein radikaler Nationalkonservatismus, der sich explizit von einer europäischen Integration abgrenzt. Die FAZ berichtet, dass Vannacci die Remigration nicht nur als Begrenzung neuer Zuwanderung, sondern als aktive Verringerung des Migrantenanteils in Italien versteht.

„Wir schämen uns nicht, es zu sagen, und ich bitte euch sogar, es auch zu sagen: Italien den Italienern!“

Remigration und Straßenproteste in Rom
Photo: taz.de
Das Programm von Futuro Nazionale
Photo: FAZ
Roberto Vannacci, Gründer von Futuro Nazionale Neben der Migrationspolitik setzt die Partei auf eine strikte gesellschaftliche Agenda. Das Programm umfasst:
  • Die Definition der Familie ausschließlich als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau.
  • Die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe.
  • Den Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, inklusive der Ablehnung von Abtreibung und Sterbehilfe.
  • Scharfe Kritik an der EU und dem „Green Deal“ Brüssels.
Vannacci bezeichnete sein Projekt als „italienisches politisches Projekt und kein afrikanisches“. Während er einen sofortigen Austritt aus der Eurozone als schwierig einstuft, fordert er eine Debatte über Alternativen, da die Einführung des Euro seiner Ansicht nach zur Verarmung des Landes geführt habe.

Der Druck auf die Koalition von Giorgia Meloni

Der Druck auf die Koalition von Giorgia Meloni
Photo: Spiegel
Für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stellt der Aufstieg Vannaccis ein strategisches Problem dar. Er wirft der aktuellen Regierung vor, eine ängstliche Rechte zu sein, die gegenüber der EU zu schwach auftritt und Versprechen bei Abschiebung und Kriminalitätsbekämpfung gebrochen habe. Laut Spiegel gerät Meloni dadurch in ein Dilemma: Eine Annäherung an Vannacci könnte gemäßigte Wähler verschrecken, während eine Distanzierung Stimmen an die neue Konkurrenz verlieren lässt. Besonders die Lega-Partei unter Matteo Salvini ist betroffen. Vannacci, der die Lega Anfang des Jahres im Streit über die politische Ausrichtung verließ, wirbt bereits aktiv Politiker aus den Reihen seines ehemaligen Arbeitgebers ab. N-TV berichtet, dass die Bewegung bereits fast 100.000 zahlende Mitglieder gewonnen habe.

Wahlrecht und die strategische Lage bis 2027

Die mathematische Bedrohung für die aktuelle Mitte-rechts-Koalition ist konkret. In Italien gilt derzeit eine Sperrklausel von drei Prozent für den Einzug ins Parlament. Aktuelle Umfragen platzieren Futuro Nazionale zwischen vier und fünf Prozent. Damit ist ein parlamentarischer Einzug bei den Wahlen im Herbst 2027 wahrscheinlich. Die politische Architektur Italiens könnte durch diese Spaltung des rechten Lagers nachhaltig verändert werden. Wie die taz analysiert, könnte ein Erfolg Vannaccis paradoxerweise dem linken Lager helfen, falls die Rechte so stark fragmentiert, dass die Koalition ihre Mehrheit verliert. Innerhalb der Lega verschärft dies eine bestehende Zerreißprobe. Die Partei schwankt zwischen einem strammen Rechtsnationalismus und der ursprünglichen Ausrichtung als Interessenvertretung des wohlhabenden Nordens. Vannacci positioniert sich hier als die „wahre Rechte“ und lehnt eine Zusammenarbeit mit Meloni und Salvini ab, solange diese die europäische Integration und die aktuelle Migrationspolitik unterstützen. Die nächsten 18 Monate werden zeigen, ob Meloni es schafft, den rechten Flügel ihrer Basis zu halten oder ob Vannacci die Rolle des „Züngleins an der Waage“ für die Wahlen 2027 übernimmt. Eine Einladung zum Gründungskongress hatte die Führung der drei Regierungsparteien bislang ausgeschlagen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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