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Welt

Rhein-Niedrigwasser in Kaub gefährdet Schifffahrt und Gütertransport

Wegen extremer Trockenheit droht dem Rhein an der wichtigen Engstelle Kaub ein historischer Tiefststand von unter 20 Zentimetern. Die drastisch sinkenden Pegel behindern die Binnenschifffahrt massiv, treiben die Transportkosten für die Industrie in die Höhe und gefährden den Gütertransport auf der zentralen europäischen Wasserstraße.

Die anhaltende Sommerdürre führt an den europäischen Wasserstraßen zu dramatischen Zuständen. Besonders der Rhein als zentrale Lebensader für die deutsche Industrie leidet unter extrem niedrigem Wasserstand. An der markanten und flachen Engstelle in Kaub zwischen Mainz und Koblenz sank der Pegelstand laut Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in den Mittagsstunden auf etwa 16 Zentimeter (DW). Für die kommenden Tage prognostizieren Experten sogar ein Absinken in den einstelligen Bereich, was die Situation weiter verschärft (DW).

Kritische Wasserstände in Kaub und drohende Flussspaltung

Obwohl die tatsächliche Fahrrinne rund einen Meter tiefer liegt, gilt eine Marke von 40 Zentimetern als unterste Grenze für den regulären kommerziellen Schiffsverkehr mit Standardfrachtern (DW). Wegen der anhaltenden Hitze und des ausbleibenden Regens mussten Frachtführer ihre Beladung in den vergangenen Wochen drastisch reduzieren. In vielen Fällen transportieren die Kähne nur noch ein Fünftel ihrer normalen Kapazität (DW). Jens Schwanen, der Leiter des Bundesverbandes der Binnenschifffahrt (BDB), warnte in der Rheinischen Post, dass der Rhein an der Engstelle in Kaub noch vor dem Ende der Woche unpassierbar werden könnte (DW).

Rhein-Niedrigwasser in Kaub gefährdet Schifffahrt und Gütertransport
Photo: dutchnews.nl

Sollte dieser Punkt erreicht sein, spaltet sich der kommerzielle Schiffsverkehr des Flusses in zwei getrennte Bereiche auf (DW). Im Norden ließe sich der Verkehr zwischen den Nordseehafenstädten und der Kölner Region aufrechterhalten, während im Süden die Schifffahrt auf Nebenflüssen wie dem Neckar, der Mosel und dem Main sowie dem Main-Donau-Kanal weiterlaufen könnte (DW). Der Wassereinlauf am Grenzübergang in Lobith in Gelderland verzeichnete Mitte Juli einen Fluss von nur noch 745 Kubikmetern pro Sekunde, was weniger als der Hälfte des langjährigen Mittels von 1.900 Kubikmetern entspricht (DutchNews).

Wirtschaftliche Folgen für Industrie, Logistik und Verbraucherpreise

Die Krise trifft die deutsche Wirtschaft in einer ohnehin schwierigen Phase mit schwaches Wachstum, hohen Energiekosten und schrumpfender industrieller Wettbewerbsfähigkeit (DW). Obwohl der Anteil der Binnenschifffahrt am gesamten Güterverkehr in den letzten Jahren auf rund 6,5 Prozent im Jahr 2024 gesunken ist, bleibt sie für spezifische Industriegüter wie Stahl, chemische Erzeugnisse, Kohle, Eisenerz, Sand und Mineralölprodukte unverzichtbar (TAZ) (DW).

A view of low water levels in the Rhine River, in Bacharach, Germany, on August 10, 2026
Photo: dw.com

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) weist darauf hin, dass sich Transportkosten erhöhen, sobald Fracht auf mehr Schiffe verteilt werden muss oder auf andere Verkehrsträger ausweichen muss (TAZ). Das Bundeskartellamt bestätigte, dass die niedrigen Pegelstände bereits zu spürbaren regionalen Unterschieden bei den Spritpreisen geführt haben (TAZ). Das Kieler Institut für Weltwirtschaft berechnete nach früheren Dürreperioden, dass jeder Monat mit niedrigem Wasserstand die deutsche Industrieproduktion um etwa ein Prozent dämpft (DW). Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert aktuell einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent, wodurch das ohnehin schwache prognostizierte Wachstum von 0,5 Prozent nahezu aufgezehrt wird (DW).

Auswirkungen auf den Flusskreuzfahrt-Tourismus und den Ausweichverkehr

Neben dem gewerblichen Gütertransport sind auch Flusskreuzfahrten stark von den sinkenden Pegeln betroffen (DutchNews). Reedereien und Veranstalter müssen tägliche Wasserstandsmeldungen auswerten, um zu entscheiden, ob geplante Reisen stattfinden können (DutchNews). Teun Sijbrands von SijFa Cruises berichtete, dass das Schiff Otello mit einem Tiefgang von 1,45 Metern trotz des Zustiegs von 140 Passagieren für eine Fahrt nach Strasbourg vermutlich nicht weiter als bis Koblenz vordringen kann (DutchNews). Auch behindertengerechte Kreuzfahrtschiffe wie die in Arnhem beheimatete Zonnebloem mussten geplante Fahrten nach Deutschland vorerst aussetzen (DutchNews).

Drought disrupts Rhine shipping route: Low water levels threaten Europe's supply chains

Um den logistischen Engpass auszugleichen, versuchen Unternehmen, Frachten auf Lastkraftwagen und die Schiene zu verlegen (DW). Allerdings kann das Straßennetz die enormen Frachtmengen großer Binnenschiffe ohne schwere Staus und stark steigende Kosten kaum auffangen (DW). Als Sofortmaßnahme kündigte das Bundesland Baden-Württemberg gemeinsam mit vier weiteren Bundesländern an, Sonntagsfahrverbote für Lkw zu lockern (DW). Verkehrsminister Steffen Bilger stellte nach Krisengesprächen zudem den Abbau bürokratischer Hürden für Schwertransporte sowie eine engere Abstimmung mit dem Güterzugbetreiber DB Cargo in Aussicht (DW).

Why low Rhine water levels are a growing risk for Germany | DW News
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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