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Technik und Wissenschaft

PDG bestätigt 17 fundamentale Elementarteilchen im Standardmodell – Suche nach schweren Neutrinos Axionen noch offen

Wie viele Elementarteilchen gibt es wirklich?

Standardsituation: Laut der aktuellen Ausgabe des „Review of Particle Physics“ der Particle Data Group (PDG) vom Juni 2026 umfasst das Standardmodell der Teilchenphysik 17 fundamentale Elementarteilchen — darunter Quarks, Leptonen und Eichbosonen. Die PDG, eine internationale Kollaboration mit 251 Autoren aus 187 Instituten in 27 Ländern, aktualisiert diese Liste jährlich und berücksichtigt dabei auch hypothetische Teilchen wie schwere Neutrinos oder mögliche vierte Generationen von Quarks und Leptonen. Die Liste von 2026 bestätigt die 17 bekannten Teilchen, während die Suche nach schweren Neutrinos und Axionen als Dunkle-Materie-Kandidaten weiterhin intensiv vorangetrieben wird. Die PDG dokumentiert zudem aktuelle Suchen nach schweren Quarks der vierten Generation, etwa dem hypothetischen b‘-Quark und t‘-Quark, die bisher jedoch keinen experimentellen Nachweis gefunden haben.

Die PDG-Liste von 2026 zeigt auch, dass die Suche nach sterilen Neutrinos — einer Art Neutrino, das nicht an die schwache Wechselwirkung teilnimmt — und Axionen als mögliche Bestandteile der Dunklen Materie weiterhin im Fokus steht. Die Experten der PDG, darunter C.A.J. O’Hare von der University of Sydney und L. Winslow vom MIT, haben in ihren Reviews die aktuellen Grenzen für die Masse und Kopplungsstärke dieser Teilchen aktualisiert. Während Axionen in Experimenten wie ADMX und IAXO gezielt gesucht werden, bleibt ihr Nachweis bisher aus.

Das Standardmodell und seine experimentellen Bestätigungen

Das Standardmodell der Teilchenphysik ist die bisher erfolgreichste Theorie zur Beschreibung der fundamentalen Bausteine der Materie und ihrer Wechselwirkungen. Es umfasst:

  • Quarks (6 Arten): up, down, charm, strange, top, bottom
  • Leptonen (6 Arten): Elektron, Myon, Tauon, Elektron-Neutrino, Myon-Neutrino, Tau-Neutrino
  • Eichbosonen (4 Arten): Photon, W- und Z-Boson, Gluon
  • Higgs-Boson (1 Art): Verantwortlich für die Masse der anderen Teilchen

Diese Teilchen wurden experimentell nachgewiesen und bilden das Rückgrat der modernen Physik. Die PDG-Liste von 2026 bestätigt diese Zahl, wobei die Suche nach weiteren Teilchen wie dem „sterilen Neutrino“ oder schweren Quarks der vierten Generation weiterhin Gegenstand der Forschung bleibt. Die Experimente am Large Hadron Collider (LHC) und in der Neutrinophysik spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die ATLAS- und CMS-Kollaborationen am LHC haben in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. So wurde im Mai 2026 die erste Beobachtung eines neuen angeregten Zustands des Bc*-Mesons — ein Teilchen, das aus einem Charm-Quark und einem Bottom-Antiquark besteht — bekannt gegeben. Diese Entdeckung unterstreicht die Fähigkeit des LHC, auch komplexe und exotische Teilchenzustände zu erforschen. Zudem wurden im März 2026 erstmals Hinweise auf Higgs-Bosonen mit hoher transversaler Energie gefunden, die in Paare von Bottom-Quarks zerfallen. Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, um die Eigenschaften des Higgs-Bosons und mögliche Abweichungen vom Standardmodell zu untersuchen.

Die ATLAS-Kollaboration hat zudem die Wechselwirkung zwischen dem Higgs-Boson und dem Top-Quark genauer untersucht. Mit Daten aus dem Run 3 des LHC konnte die Kollaboration die Kopplungsstärke zwischen Higgs und Top-Quark präziser bestimmen, was für das Verständnis der Massevergabe im Standardmodell von zentraler Bedeutung ist.

Hypothetische Teilchen und die Grenzen des Standardmodells

Die Frage, wie viele Elementarteilchen es wirklich gibt, ist komplexer, als die 17 des Standardmodells vermuten lassen. Die PDG berücksichtigt auch Teilchen, die möglicherweise existieren, aber noch nicht nachgewiesen sind — etwa schwere Neutrinos oder Axionen, die als Dunkle-Materie-Kandidaten gelten. Zudem gibt es Mesonen und Baryonen, die zwar aus Quarks aufgebaut sind, aber keine Elementarteilchen im engeren Sinne darstellen.

CERN AND LARGE HADRON COLLIDER (LHC) DOCUMENTARY

Laut dem Quanta Magazine vom 15. Juni 2026 reichen Schätzungen für die Gesamtzahl der „Elementarteilchen“ (inklusive hypothetischer und zusammengesetzter Teilchen) von 17 bis zu über 900, wenn man alle bekannten und vermuteten Teilchen und ihre Varianten einbezieht. Diese Bandbreite spiegelt die Unsicherheit wider, die mit der Suche nach neuen Teilchen und der Interpretation von Experimenten verbunden ist. So werden etwa Leptoquarks — hypothetische Teilchen, die sowohl Baryon- als auch Leptonenzahl tragen — in aktuellen Reviews der PDG als mögliche Erweiterung des Standardmodells diskutiert. Experten wie S. Rolli vom DOE und M. Tanabashi von der Nagoya University haben die möglichen Quantenzahlen und Kopplungen dieser Teilchen in ihren Analysen detailliert beschrieben.

Die Neutrinophysik bleibt ein besonders dynamisches Feld. Experimente wie KATRIN, IceCube und KM3NeT/ORCA suchen gezielt nach sterilen Neutrinos und anderen exotischen Teilchen. Die KATRIN-Kollaboration hat im Dezember 2025 erste Daten veröffentlicht, die die Sensitivität für keV-sterile Neutrinos deutlich erhöhen. Gleichzeitig hat das IceCube-Observatorium neue Ergebnisse zur Neutrino-Flavor-Zusammensetzung des astrophysikalischen Neutrinoflusses vorgelegt, die Hinweise auf mögliche neue Physik liefern könnten.

Aktuelle Suchen nach Dunkler Materie und neuen Physik-Signaturen

Die Teilchenphysik steht vor der Herausforderung, das Standardmodell zu erweitern. Aktuelle Experimente wie die am Large Hadron Collider (LHC) suchen nach Hinweisen auf neue Quarks, Leptonen oder Dunkle-Materie-Teilchen. Die PDG-Liste von 2026 zeigt, dass die Suche nach schweren Neutrinos und vierten Generationen von Quarks weiterhin im Fokus steht — bisher ohne eindeutigen Nachweis. Gleichzeitig werden neue Methoden entwickelt, um die Eigenschaften bekannter Teilchen wie des Higgs-Bosons oder der Neutrinos präziser zu vermessen.

Die Frage, ob es tatsächlich nur 17 fundamentale Elementarteilchen gibt oder ob die Natur noch weitere Überraschungen bereithält, bleibt offen. Die Forschung an Beschleunigern wie dem LHC und in der Neutrinophysik könnte in den nächsten Jahren neue Erkenntnisse liefern — und damit die Zahl der bestätigten Elementarteilchen erhöhen. Besonders vielversprechend sind dabei die Experimente zur Dunklen Materie und zur Neutrino-Oszillation, die sowohl am LHC als auch in Untergrundlaboren weltweit durchgeführt werden.

Definitionen und die offene Frage nach der Anzahl der Elementarteilchen

Die Antwort auf die Frage, wie viele Elementarteilchen es gibt, hängt davon ab, wie man „Elementarteilchen“ definiert. Im engeren Sinne sind es die 17 des Standardmodells, die als fundamental gelten. Im weiteren Sinne können es jedoch Hunderte sein, wenn man alle bekannten und hypothetischen Teilchen einbezieht. Diese Vielfalt spiegelt die Dynamik der Teilchenphysik wider: Eine Disziplin, die ständig nach neuen Erkenntnissen sucht und dabei die Grenzen des Bekannten erweitert.

Für die Physik bedeutet dies, dass das Standardmodell zwar ein großer Erfolg ist, aber nicht das letzte Wort sein muss. Die Suche nach neuen Teilchen und Wechselwirkungen bleibt ein zentrales Anliegen — und könnte unsere Vorstellung von der Materie und dem Universum grundlegend verändern. Die aktuellen Ergebnisse aus den Experimenten am LHC, in der Neutrinophysik und bei der Suche nach Dunkler Materie zeigen, dass die Teilchenphysik weiterhin eine der spannendsten und vielversprechendsten Forschungsrichtungen der modernen Wissenschaft bleibt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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