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Gesundheit

Omega-3 und ASS bei Parodontitis so wirksam wie Antibiotika

Eine multizentrische Studie mit 109 Erwachsenen zeigt, dass die Kombination aus Omega-3-Fettsäuren und niedrig dosierter ASS bei schwerer Parodontitis ähnliche Therapieerfolge erzielt wie eine Antibiotikatherapie. Nach Angaben von Forschern bietet die immunmodulatorische Behandlung eine vielversprechende Alternative, um Antibiotika in der Zahnmedizin gezielter einzusetzen.

Bei der Behandlung von schwerer Parodontitis greifen Zahnärzte bislang häufig zu Antibiotika, obwohl diese Praxis das Risiko von Nebenwirkungen und Resistenzen birgt. Ein internationales Forscherteam aus Brasilien und den USA ist dieser Herausforderung nachgegangen und hat eine alternative Therapieform untersucht. Die im Journal of Periodontology veröffentlichten Ergebnisse belegen, dass eine Kombination aus Omega-3-Fettsäuren und Acetylsalicylsäure (ASS) beachtliche Erfolge bei der Eindämmung der chronischen Volkskrankheit erzielt.

Vier Behandlungsgruppen im strengen Vergleich

Für die doppelblinde, placebokontrollierte Studie wurden 109 erwachsene Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Parodontitis im Stadium III oder IV ausgewählt. Zu Beginn unterzogen sich alle Teilnehmenden einer gründlichen subgingivalen Instrumentierung, bei der Zahnärzte bakterielle Beläge und Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrands entfernten. Im Anschluss daran wurden die Betroffenen per Zufallsprinzip in vier unterschiedliche Behandlungsgruppen eingeteilt.

Die Kontrollgruppe erhielt im Anschluss an die mechanische Reinigung lediglich Placebos. Eine zweite Gruppe nahm über einen Zeitraum von 14 Tagen dreimal täglich die Antibiotika Metronidazol (400 Milligramm) und Amoxicillin (500 Milligramm) ein – eine Kombination, die in der Zahnmedizin als besonders wirksam gilt. Die dritte Gruppe wurde stattdessen über sechs Monate hinweg täglich mit drei Gramm Omega-3-Fettsäuren und 100 Milligramm ASS behandelt. Die vierte und letzte Gruppe kombinierte schließlich beide Ansätze und erhielt sowohl die Antibiotikakur als auch die Nahrungsergänzung.

Nahezu identische Erfolgsraten ohne Antibiotikaeinsatz

Als primären Erfolgswendepunkt definierten die Wissenschaftler das Kriterium, dass nach Ablauf eines Jahres an höchstens vier Stellen im Mund tiefe Zahnfleischtaschen mit einer Sondierungstiefe von mindestens fünf Millimetern verbleiben durften. Solche tiefen Taschen bieten Bakterien einen geschützten Rückzugsort und gelten als zentrales Merkmal einer unzureichend kontrollierten Erkrankung.

Nach einem Jahr erreichten 58,6 Prozent der Patienten aus der Antibiotikagruppe den festgelegten Endpunkt. In der Gruppe, die mit Omega-3 und ASS behandelt worden war, lag die Erfolgsquote mit 57,7 Prozent fast auf demselben Niveau. Die vierte Gruppe mit der kombinierten Zusatztherapie erzielte 57,1 Prozent. Deutlich dahinter blieb die reine Placebogruppe zurück, in der lediglich 23,1 Prozent der Teilnehmenden das Therapieziel erreichten.

Omega-3 und ASS bei Parodontitis so wirksam wie Antibiotika
Photo: ZWP online

„Wir hatten erwartet, dass die Kombination aus Antibiotika und Omega-3 bei diesen Patienten die Parodontitis am wirksamsten kontrollieren würde. Wir gingen außerdem davon aus, dass die Ergebnisse der Gruppe mit Omega-3 und ASS etwas schlechter ausfallen würden als in der Antibiotikagruppe. Das Ergebnis war überraschend, weil beide Therapien sehr ähnlich abschnitten und sich damit die Möglichkeit eröffnet, diese Strategie als Behandlungsoption für diese Patienten zu nutzen.“

Nídia Cristina Castro dos Santos

Biologische Entzündungsauflösung statt Keimbekämpfung

Anders als klassische Antibiotika, die gezielt Bakterien abtöten, setzt der alternative Ansatz auf die Modulation des körpereigenen Immunsystems. Die zusätzlich verabreichte, niedrig dosierte Acetylsalicylsäure fördert diesen biologischen Prozess gezielt.

Omega-3 und ASS bei Parodontitis so wirksam wie Antibiotika
Photo: Scinexx

Die positive Wirkung hielt in der Studie auch noch sechs Monate nach dem Ende der Supplementierung an. Dennoch mahnen Fachleute vor einem vorschnellen und unkritischen Austausch der bewährten Standardtherapien in der klinischen Praxis. So weist Magda Feres von der Harvard School of Dental Medicine (HSDM) darauf hin, dass die untersuchte Gruppe ausschließlich aus Nichtrauchern ohne systemische Vorerkrankungen bestand. Zudem war die Studie nicht primär auf einen direkten statistischen Gleichwertigkeitsnachweis der Zusatztherapien ausgelegt.

Weitere Untersuchungen sollen nun klären, welche Patientengruppen am stärksten von der immunmodulatorischen Zusatztherapie profitieren und wie sich die Präparate konkret auf die komplexe Bakteriengemeinschaft im Zahnbett auswirken. Bis dahin bietet die Kombination vor allem für Menschen eine prüfenswerte Alternative, die aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten keine Antibiotika einnehmen können.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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