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Mirjam“ bricht Tradition: St. Margarethen feiert Passion erstmals aus Magdalenas Sicht

Die Passionsspiele St. Margarethen feiern ihr 100-jähriges Jubiläum mit einer mutigen Neuinszenierung: Zum ersten Mal wird die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu Christi aus der Perspektive von Maria Magdalena erzählt. Die Premiere am Samstagabend im Römersteinbruch sorgte für spontanen Applaus und setzte ein neues Zeichen für die Laienspiele im Burgenland.

Eine Passion aus weiblicher Sicht: Warum „Mirjam“ die Tradition aufbricht

Seit 1961 finden die Passionsspiele St. Margarethen alle fünf Jahre im Römersteinbruch statt – ein Ort, der für seine einzigartige Akustik und seine spirituelle Atmosphäre bekannt ist. Doch dieses Jahr markiert nicht nur das 100-jährige Bestehen der Laienspiele, sondern auch einen künstlerischen Bruch: Die Neuinszenierung „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ erzählt die Passion Christi erstmals aus der Perspektive von Maria Magdalena. Die Idee dazu stammt von Pfarrer Richard Geier, der sowohl als Spielleiter als auch als Autor des Textbuchs fungiert. „Die Mitwirkenden der letzten hundert Jahre stehen dabei unsichtbar mit auf der Bühne und drücken uns die Daumen“, sagte Geier bei der Premiere.

Eine Passion aus weiblicher Sicht: Warum „Mirjam“ die Tradition aufbricht
cluster (priority): Kathpress
Eine Passion aus weiblicher Sicht: Warum „Mirjam“ die Tradition aufbricht
cluster (priority): Land Burgenland (AT)

„Es ist ein Stein von meinem Herzen gefallen.

Die Inszenierung beginnt mit den Worten „Er ist auferstanden“ und erzählt die Leidensgeschichte Jesu im Rückblick – aus der Sicht von Mirjam, die im Dialog mit Maria, Johannes und ihren Geschwistern Martha und Lazarus die Ereignisse reflektiert. Besonders auffällig: Die Rolle der Frauen wird in dieser Version deutlich stärker betont. Mirjam erhält sogar beim letzten Abendmahl den Platz an der Seite Jesu, und mit Martha ist eine zweite Frau präsent. „Die Stimme eines Mannes wird immer mehr gehört werden als die Stimme einer Frau“, heißt es im Text, was eine feministische Note in die biblische Erzählung einbringt. Diese Perspektive stößt beim Publikum auf Begeisterung – spontaner Applaus unterstreicht, wie sehr die neue Sichtweise ankommt.

Ein Jubiläum mit politischer und kirchlicher Unterstützung

Die Premiere fand im Beisein hochkarätiger Gäste statt, darunter Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) und Landesrat Leonhard Schneemann. Beide betonten die kulturelle und religiöse Bedeutung der Passionsspiele für das Burgenland. „Es ist besonders spannend, dass die Passionsspiele heuer mit ‚Mirjam‘ bewusst eine weibliche Perspektive einnehmen“, sagte Haider-Wallner.

Lied der Mirjam – Albin Rudisch | 100 Jahre Passionsspiele St. Margarethen

Auch kirchliche Vertreter waren anwesend: Bischof Ägidius Zsifkovics, der direkt von einer Pilgerreise nach Kreta angereist war, sowie Generalvikar Michael Wüger und der burgenländische Superintendent Robert Jonischkeit. Die Premiere wurde als „geistliches Zeugnis“ gewertet, das den christlichen Glauben und die Gemeinschaft in St. Margarethen stärken soll. Die rund 500 Laiendarsteller und Helfer, die ehrenamtlich mitwirken, stammen aus der Region und bringen monatelange Vorbereitung in die Aufführung ein. „Die Passionsspiele sind für mich so besonders, weil hier Menschen aus der Region diese Geschichte tragen“, erklärte Haider-Wallner.

Künstlerische Innovation: Wie „Mirjam“ die Tradition neu interpretiert

Die Neuinszenierung „Mirjam“ ist nicht nur eine Hommage an das 100-jährige Bestehen der Passionsspiele, sondern auch ein künstlerisches Experiment. Die Geschichte wird als Liebesgeschichte zwischen Mirjam und Jesus erzählt – sowohl im Rückblick 20 Jahre nach der Kreuzigung als auch als direkte Akteurin in der Passion. Die Regie übernahm Manfred Waba, die Musik komponierte Albin Rudisch. Besonders gelobt wurde die „mutige Sicht auf die Passion Christi durch die Brille einer Frau“, wie ORF-Burgenland-Redakteur Günter Welz in seiner Rezension schrieb. Die Aufführung dauert über vier Stunden und verbindet traditionelle Elemente mit moderner Erzählweise.

Künstlerische Innovation: Wie „Mirjam“ die Tradition neu interpretiert
cluster (priority): burgenland.ORF.at

Die Hauptrollen werden von Renée Gallo-Daniel und Iris Klemenschitz als ältere Mirjam sowie Anna-Lea Carich und Julia Zeitler als jüngere Mirjam verkörpert. Die Rolle des Jesus übernehmen Rupert Kugler und Andreas Schalling. Die Inszenierung ist bewusst farbenprächtig und emotional, was dem Publikum eine intensive Erfahrung bietet. „Es ist eine sehr schöne, tolle, stimmungsvolle Premiere gewesen“, sagte Regisseur Manfred Waba.

Was kommt als Nächstes? Die Passionsspiele und ihre Zukunft

Die Passionsspiele St. Margarethen sind noch bis zum 12. Juli 2026 im Römersteinbruch zu sehen. Die Neuinszenierung „Mirjam“ hat nicht nur künstlerisch, sondern auch gesellschaftlich für Aufsehen gesorgt. Die Entscheidung, die Passion aus weiblicher Perspektive zu erzählen, zeigt, wie sich Traditionen weiterentwickeln können – ohne ihren Kern zu verlieren. Für die Verantwortlichen ist klar: Die Spiele sind mehr als nur ein kulturelles Ereignis. Sie sind ein Zeichen der Gemeinschaft und des Glaubens, das Menschen aus der Region verbindet.

Die Frage bleibt: Wird diese Neuinterpretation Schule machen? Die positive Resonanz beim Publikum und die Unterstützung durch Politik und Kirche deuten darauf hin, dass die Passionsspiele St. Margarethen auch in Zukunft mutige Wege gehen werden. Ob weitere Inszenierungen aus weiblicher Perspektive folgen, bleibt abzuwarten – doch eines ist sicher: Die Laienspiele haben mit „Mirjam“ ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Die Passionsspiele St. Margarethen finden noch bis zum 12. Juli 2026 statt. Weitere Informationen und Tickets gibt es auf der offiziellen Website passio.at.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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