Marc Lüthi ist am 27. Der langjährige Chef des SC Bern folgt auf Urs Kessler und übernimmt die Führung des krisengeschüttelten Verbandes mit einem starken Mandat von 42 zu 6 Stimmen.
Ein mächtiger Neuanfang an der Verbandsspitze
Der Schweizerische Eishockeyverband hat einen neuen starken Mann. An einer ausserordentlichen Generalversammlung wählten die Vertreter der National League, der Swiss League und der Amateurligen Marc Lüthi souverän als Nachfolger von Urs Kessler. Die Wahl galt im Vorfeld bereits als Formsache, nachdem sich breite Unterstützung aus den Gremien des Profi-Eishockeys abgezeichnet hatte. Vier Monate nach seinem Abschied vom SCB ist Lüthi damit bereits der vierte Präsident des Schweizer Eishockeyverbands in zwei Jahren, nachdem böse Zungen behaupten, es sei darüber nachgedacht worden, im Präsidentenbüro in der Verbandszentrale in Glattbrugg ZH eine Drehtür zu installieren.
Lüthi übernimmt das Amt in einer schwierigen Phase. Sein Vorgänger Urs Kessler war nach nur neun Monaten im Amt zurückgetreten. Kessler zog damit die Konsequenzen aus der Causa Fischer und wollte den Weg für einen unbelasteten Neuanfang frei machen, nachdem fortwährende Diskussionen gezeigt hatten, dass er dafür nicht die geeignete Person sei.
Breite Unterstützung aus den Chefetagen
Der Weg für den 65-jährigen Berner war durch massive Unterstützung aus den wichtigsten Clubgremien geebnet worden. Mehrere einflussreiche Persönlichkeiten des Schweizer Eishockeys bekundeten früh ihre Rückendeckung für den ehemaligen Club-Boss. Darunter befanden sich der Direktor der ZSC Lions, Peter Zahner, sowie der Präsident des HC Davos, Gaudenz Domenig. Auch die wichtigsten Westschweizer Clubs, darunter Lausanne und Genève-Servette, sollen dieser Option ebenfalls positiv gegenüberstehen.

Ein potenzielles Hindernis für die Kandidatur war im Vorfeld der enge Bezug zum SC Bern, den er 28 Jahre lang geprägt hatte. Dieses Argument verlor jedoch an Gewicht, da Lüthi per Ende April seine operative Tätigkeit beim SCB beendet und alle seine Anteile an der Organisation vollständig verkauft hatte. Als er Ende April sein Büro beim SCB räumte, nahm er auch ein Bild der Berner Künstlerin Karin Frank von der Wand, auf dessen Rückseite handschriftlich ein Satz notiert ist, der dem mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata zugeschrieben wird: «Besser stehend sterben als auf den Knien leben.» Damit präsentierte er sich den Delegierten als unbelasteter und glaubwürdiger Kandidat für die Verbandsspitze.
«Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und schaue optimistisch in die Zukunft. Swiss Ice Hockey verfügt über eine starke Basis, engagierte Menschen und ein enormes Potenzial. Gemeinsam mit all den Stakeholdern möchte ich die erfolgreiche Entwicklung des Schweizer Eishockeys weiter vorantreiben, neue Impulse setzen und die Chancen, die vor uns liegen, konsequent nutzen.»
Marc Lüthi, SIHF-Präsident
Jahrzehntelange Erfahrung im Eishockey-Business
Mit Marc Lüthi erhält der Verband einen Chef, der die Schweizer Szene aus dem Effeff kennt. Der 65-jährige Berner prägte die Geschicke des SC Bern über fast drei Jahrzehnte hinweg. Ab 1998 leitete er den Traditionsverein als Geschäftsführer, ab 2012 als Delegierter des Verwaltungsrats. Unter seiner Führung führte Lüthi den SC Bern zu sechs Meistertiteln sowie zwei Cupsiegen und etablierte ihn als eines der Aushängeschilder des Schweizer Eishockeys.
Neben seiner Arbeit auf nationaler Ebene ist Lüthi auch international bestens vernetzt. Seit 2016 amtet Lüthi zudem als Präsident der Alliance of European Hockey Clubs (E.H.C.), die die Interessen von über 100 europäischen Proficlubs gegenüber dem Internationalen Eishockeyverband (IIHF) vertritt. Diese langjährige Erfahrung an vorderster Front verleiht ihm das nötige Gewicht, um den von internen Turbulenzen geschüttelten Verband neu zu ordnen.
Herausforderungen und Erwartungen an den neuen Verbandsboss
Die Aufgaben auf dem Tisch des neuen Präsidenten sind gewaltig, da der Verband zuletzt als unführbar galt. Das jüngste Müsterchen lieferte die SIHF, als sie am Tag vor Lüthis Wahl meldete, der Untersuchungsbericht zum Zertifikats-Fälschungsskandal um Ex-Nati-Coach Patrick Fischer sei fertiggestellt, man aber nicht verraten werde, was drinsteht.

Dennoch stieß die Wahl von Lüthi auf ein starkes Echo in den Gremien, was sich im klaren Abstimmungsergebnis von 42 zu 6 Stimmen widerspiegelte. Weil er die Szene in- und auswendig kennt und sich nicht ein X für ein U vormachen lässt, gilt er als streitbar. Lüthi hat in den letzten Wochen viele Gespräche geführt, viel erklärt und viel zugehört, wobei sein Einschüchterungspotenzial im Eishockey sonst eher auf dem Eis eine Rolle spielt und viele Respekt vor ihm haben, manche sogar Angst. Führt diese Kombination dazu, dass die SIHF endlich wieder handlungsfähig wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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