Manfred Bockelmann, der 82-jährige Bruder von Musiklegende Udo Jürgens, muss seine Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing nach 43 Jahren räumen. Grund ist eine Eigenbedarfskündigung, die den renommierten Maler dazu zwingt, seine bayerische Wahlheimat zu verlassen und nach Kärnten, Österreich, zurückzukehren, wie der Merkur berichtet.
Eigenbedarfskündigung nach 43 Jahren in Schwabing
Für den Maler Manfred Bockelmann endet eine Ära. Über vier Jahrzehnte war seine Wohnung in Schwabing nicht nur ein privater Rückzugsort, sondern auch das Zentrum seiner künstlerischen Arbeit. Hier wuchs seine Tochter auf, und hier schuf er Werke, die er später in mehr als 100 Ausstellungen weltweit präsentierte. Die aktuelle Situation ist jedoch von einem harten rechtlichen Akt geprägt: einer Kündigung wegen Eigenbedarfs. Im deutschen Mietrecht ermöglicht die Eigenbedarfskündigung einem Vermieter, das Mietverhältnis zu beenden, wenn die Räume für den Vermieter selbst, nahe Angehörige oder Familienmitglieder benötigt werden. Obwohl Mieter in Härtefällen – etwa aufgrund des hohen Alters oder gesundheitlicher Probleme – Widerspruch einlegen können, führt dieser Prozess oft zu einer enormen psychischen und organisatorischen Belastung. In diesem Fall zwingt der Schritt den fast 83-Jährigen dazu, sein gesamtes Leben in München aufzupacken.„Es ist gnadenlos, so aus der Wohnung zu müssen. Wir haben eine Eigenbedarfskündigung bekommen, nachdem wir 43 Jahre in der Wohnung waren. Wo wir sehr glücklich waren, wo unsere Tochter groß geworden ist.

Die Hürden des Münchner Wohnungsmarktes
Ein Neuanfang innerhalb Münchens scheint für das Ehepaar Bockelmann faktisch ausgeschlossen. Obwohl die Verbindung zur Stadt an der Isar für den Künstlereine große Bedeutunghat, da hier seine Karriere begann, ist die Suche nach Ersatzwohnraum aussichtslos. Die Realität auf dem Immobilienmarkt in der bayerischen Landeshauptstadt ist laut oe24.at brutal. München gilt als eine der teuersten Städte Deutschlands, wobei insbesondere das Viertel Schwabing für seine extrem hohen Mietpreise und eine sehr geringe Fluktuation bekannt ist. Für langjährige Mieter, sogenannte Altmieter, entsteht oft eine existenzielle Falle: Die Miete aus einem Vertrag, der vor über 40 Jahren abgeschlossen wurde, liegt meist weit unter den aktuellen Marktpreisen. Wer eine solche Wohnung verliert, findet in der heutigen Marktlage kaum bezahlbaren Ersatz, da die Neuvermietungspreise astronomische Höhen erreicht haben. Dieser nahezu leergefegte Markt macht es selbst für eine etablierte Persönlichkeit unmöglich, kurzfristig adäquaten Wohnraum zu finden.
„Wir hätten gerne wieder eine Wohnung in München, einfach um hier noch einen Platz zu haben.

Rückkehr nach Kärnten und das Erbe der Familie Bockelmann
Mein Bruder ist ein Maler. Der Song entstand nach einer Nacht, in der die beiden über Themen wie Vergänglichkeit und den Tod philosophierten. Das Vertrauen zwischen den Brüdern war so tief, dass Udo Jürgens, der 2014 verstarb, Manfred Bockelmann später sogar als Testamentsverwalter einsetzte. Diese Rolle unterstreicht die besondere Stellung, die Manfred innerhalb der Familie und im Leben des Musikers einnahm, weit über die bloße Verwandtschaft hinaus.
Künstlerische Unabhängigkeit trotz weltberühmtem Bruder
Trotz der familiären Nähe und der öffentlichen Wahrnehmung als Bruder eines Weltstars legten beide Männer großen Wert auf ihre berufliche Distanz. Während Udo Jürgens die Musikbühnen eroberte und bereits 1956 seinen Künstlernamen wählte, etablierte sich Manfred Bockelmann eigenständig in der bildenden Kunst. Bockelmanns Erfolg ist unabhängig vom Ruhm seines Bruders. Laut 5min.at präsentierte er seine Werke in weit über 100 Ausstellungen weltweit. Auch zuletzt blieb er gesellschaftlich engagiert und spendete ein Werk für die Benefiz-Auktion derFreunde des Hauses der Kunst, einer Organisation, die das renommierte Münchner Museum unterstützt. Die aktuelle Vertreibung aus Schwabing markiert somit nicht nur das Ende einer Wohnsituation, sondern den Verlust eines Lebenszentrums. Der Umzug nach Österreich ist keine freiwillige Heimkehr, sondern die einzige Option, nachdem das Münchner Mietrecht und die Marktdynamik den Verbleib in der Stadt unmöglich machten.
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