Die globale Erwärmung bricht eine jahrhundertealte Klimaverbindung zwischen dem Pazifischen und dem Indischen Ozean auf. Laut einer im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Studie überwiegt menschlicher Einfluss heute die natürlichen Dynamiken. Dies könnte langfristig die Vorhersagbarkeit von Wetterextremen weltweit erschweren.
Wie die Ozeane bisher kommunizierten
Über Jahrhunderte hinweg standen der tropische Pazifik und der Indische Ozean in einem ständigen, weltweiten Klimagespräch. Veränderungen in den Wassertemperaturen des Pazifik breiteten sich über die Atmosphäre aus und steuerten maßgeblich die Temperaturen im Indischen Ozean. Dieses atmosphärische Band funktionierte wie ein zuverlässiger Botenstoff, der Klimabedingungen von Afrika über Asien bis nach Australien beeinflusste.
Im Zentrum dieses Systems steht die pazifische Walker-Zirkulation, ein gewaltiges Luftzirkulationssystem über den Tropen. Temperaturunterschiede im Ozean treiben dabei die Luftmassen an. Historisch gesehen führte eine Abschwächung dieser Zirkulation, wie sie etwa während eines El-Niño-Ereignisses auftritt, zu verlässlichen Reaktionen im gesamten Indischen Ozean. Stabile Muster in diesen Regionen erlaubten es Forschern, saisonale und jährliche Klimabedingungen im Voraus zu berechnen.
Der historische Bruch durch den Klimawandel
Doch dieses eingespielte System hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Seit den 1950er Jahren erwärmt sich der tropische Indische Ozean um rund 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt, angetrieben von steigenden Treibhausgasen. Gleichzeitig hat sich die Walker-Zirkulation im Pazifik seit den 1980er Jahren verstärkt.
Das Resultat dieser gegenläufigen Entwicklungen ist gravierend: Die Richtung der Beziehung hat sich umgekehrt. Anstatt dem Pazifik zu folgen, geht der Indische Ozean eigene Wege. Klimawissenschaftlerin Caroline Ummenhofer von der Woods Hole Oceanographic Institution erklärte in einer Mitteilung, die BGNES und Sciencealert publizierten, dass eine zentrale Erkenntnis darin bestehe, dass die globale Erwärmung und vom Menschen verursachte Emissionen nun den natürlichen Einfluss des Pazifiks auf den Indischen Ozean überwältigten.
Klimarchive enthüllen die Einmaligkeit des Wandels
Da moderne Ozeanmessungen erst vor rund einem Jahrhundert begannen, mussten Forscher tief in die Erdgeschichte blicken, um die Einmaligkeit dieses Phänomens zu bewerten. Ein internationales Team kombinierte Klimamodelle mit natürlichen Klimaarchiven – darunter 35 Korallenaufzeichnungen, drei Baumringdaten und eine Stalagmitenprobe. Damit rekonstruierten sie die Indo-Pazifik-Bedingungen von 1631 bis 1990.

Die Auswertung zeigte, dass die Ozeane über vier Jahrhunderte hinweg weitgehend synchron agierten. Eine Ausnahme bildete lediglich die Periode zwischen 1810 und 1850. Damals schwächte sich die Verbindung ebenfalls ab, was Forscher auf massive Vulkanausbrüche wie den des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815 zurückführen. Vulkane stoßen Aerosole aus, die das Sonnenlicht zeitweise dämpfen und Ozeandynamiken stören.
The modern data we have is limited and doesn’t go back far enough. Shawn Wang, University of Colorado Boulder
Der aktuelle Wandel unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Phase im 19. Jahrhundert. Während die damalige Störung auf temporäre Vulkanausbrüche zurückging, geschieht die heutige Entkopplung inmitten einer anhaltenden, vom Menschen verursachten Erwärmung. Vergleiche mit den vergangenen tausend Jahren zeigen, dass die moderne Korrelation außerhalb der 95-Prozent-Spanne natürlicher Schwankungen liegt.
Risiken für die globale Prognosefähigkeit
Das Versagen dieser traditionellen ozeanischen Fernwirkung hat handfeste Konsequenzen für die Zukunft. Da Klimamodelle und Vorhersagewerke auf den bisher stabilen Wechselwirkungen zwischen den tropischen Ozeanen basierten, stehen Forscher nun vor der Aufgabe, ihre Prognosetools grundlegend zu überarbeiten. Wenn sich die großen Meeresbecken unabhängig voneinander verhalten, erhöht dies die Unsicherheiten bei der Einschätzung von Wasser- und Klimarisiken für dicht besiedelte Regionen weltweit erheblich.

Verwandte Artikel