Der britische Bergführer Kenton Cool hat am 29. Mai 2026 zum 20. Mal den Gipfel des Mount Everest erreicht und damit den Rekord für die meisten Everest-Besteigungen eines nicht-nepalesischen Bergsteigers ausgebaut. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Saison am höchsten Berg der Welt wie nie zuvor die Schattenseiten des Massentourismus: tödliche Unfälle, gefährliche Staus in extremen Höhen und eine Rekordzahl von 900 Gipfelerfolgen in dieser Saison.
Ein Rekord, der Geschichte schreibt
Kenton Cool, 52 Jahre alt, hat nicht nur seinen eigenen Rekord für die meisten Everest-Besteigungen eines Nicht-Nepalesen auf 20 ausgebaut, sondern auch eine weitere historische Leistung vollbracht: Er ist der erste Mensch, der die „Everest-Triple-Crown“ – die Gipfel von Everest, Nuptse und Lhotse – in einem einzigen Durchgang vom Basislager aus bewältigt hat. Der Britische Bergsteiger, der seit 2004 fast jährlich den Gipfel erreicht, widerlegte damit die Prognose nach einem schweren Kletterunfall 2014, bei dem er sich beide Fersenbeine brach und man ihm sagte, er werde nie wieder ohne Hilfe laufen können. Laut Welt erreichte Cool den Gipfel am frühen Freitagmorgen, Ortszeit, und setzte damit seinen Namen in die Geschichtsbücher der Alpinistik ein.
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Doch Cools Rekord ist nicht nur ein Triumph des individuellen Willens, sondern auch ein Symbol für die wachsende Kommerzialisierung des Bergsteigens. Während Cool seit Jahrzehnten zahlende Kunden auf den Gipfel führt, haben in dieser Saison fast 900 Bergsteiger den Everest bestiegen – ein Rekord, der sowohl die wirtschaftliche Bedeutung des Bergtourismus für Nepal als auch die damit einhergehenden Risiken unterstreicht. Die Lizenzgebühren für eine Besteigung wurden in diesem Jahr sogar von 11.000 auf 15.000 US-Dollar erhöht, was die Nachfrage nach dem Abenteuer unterstreicht. Wie blue News berichtet, zeigt der Boom jedoch auch die Kehrseite: Staus in extremer Höhe, wachsende Müllberge und tödliche Unfälle.
Staus, Tote und Klimawandel: Die Schattenseiten des Rekords
Die aktuelle Saison am Mount Everest war geprägt von extremen Bedingungen und gefährlichen Situationen. Allein am 20. Mai erreichten 274 Menschen den Gipfel – so viele wie nie zuvor an einem Tag. Doch hinter diesen Rekorden verbirgt sich ein düsteres Bild: Staus in Höhenlagen über 7.000 Metern, bei denen Bergsteiger stundenlang in eisiger Kälte und dünner Luft ausharren mussten, bevor sie ihren Aufstieg fortsetzen konnten. Der Standard berichtet von einer Situation, in der über 200 Menschen oberhalb von Camp 3 fast zwei Stunden festsaßen.
cluster (priority): Der Standard
Die Ursachen für diese Probleme sind vielfältig: Zum einen ist es der enorme Andrang, der die Infrastruktur am Berg an ihre Grenzen bringt. Phur Gelja Sherpa, Chef der Nepal Mountaineering Association, warnte bereits vor den Risiken und bezeichnete eine Zahl von 500 Bergsteigern pro Jahr als vertretbar – alles darüber hinaus sei kaum noch verantwortbar. Doch die nepalesischen Behörden zeigen sich unbeeindruckt und vergeben weiterhin so viele Lizenzen, wie nachgefragt wird. „Wir werden weiterhin so viele Genehmigungen erteilen, wie es die Nachfrage erfordert“, erklärte ein Sprecher des nepalesischen Tourismusministeriums gegenüber blue News.
Britischer Bergführer Kenton Cool besteigt den Everest zum Rekord-20. Mal und denkt noch nicht an…
Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels: Schmelzende Gletscher und instabile Eisformationen machen den Aufstieg riskanter. Die FAZ berichtet, dass die Icefall Doctors – eine Gruppe von Experten, die sich um die Sicherheit der Route durch den Khumbu-Eisbruch kümmern – fast drei Wochen benötigten, um eine sichere Route zu finden. Die gefundene Passage war so riskant, dass sie nur mit einer Brücke aus fünf Leitern und dem ständigen Risiko eines Sérac-Einsturzes bewältigt werden konnte. „Es war, als hätten wir das Risiko für alle auf uns genommen“, schrieb der Expeditionsveranstalter Mingma G in sozialen Medien.
Die „Everest-Man“-Dynastie: Nepalesische Sherpas dominieren die Statistik
Während Kenton Cool mit seinen 20 Besteigungen den Rekord für Nicht-Nepalesen hält, bleiben die nepalesischen Sherpas unangefochten an der Spitze. Kami Rita Sherpa, bekannt als „Everest Man“, bestieg den Gipfel bereits zum 32. Mal – ein Rekord, der selbst Cools Leistung in den Schatten stellt. Die 52-jährige Lhakpa Sherpa, Rekordhalterin bei den Frauen, erreichte den Gipfel in dieser Saison zum elften Mal. Beide Sherpas haben nicht nur ihre eigenen Rekorde ausgebaut, sondern auch die Sicherheit und Professionalität des Bergsteigens am Everest geprägt. Laut Welt helfen sie durch ihren „gesunden Wettbewerb“ dazu, das Bergsteigen sicherer und besser zu managen.
Die Sherpas sind nicht nur Statistik, sondern auch die unsichtbaren Helden des Everest: Sie führen die Touristen, tragen deren Ausrüstung und retten Leben in extremen Höhen. Doch selbst ihre Leistungen stehen unter dem Druck der Massen. Die FAZ berichtet, dass die Sherpas in dieser Saison besonders gefordert waren, da sie nicht nur die Touristen führen, sondern auch die Folgen der Überlastung des Berges abfedern mussten.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft des Everest-Tourismus
Die aktuelle Saison hat gezeigt, dass der Everest an einem Scheideweg steht. Einerseits ist der Berg eine wichtige Einnahmequelle für Nepal, andererseits bringen die steigenden Besucherzahlen immer größere Risiken mit sich. Die Frage ist: Wie lange kann dieser Trend noch anhalten, ohne dass die Sicherheit der Bergsteiger und die Integrität des Berges selbst gefährdet werden?
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Experten wie Phur Gelja Sherpa fordern bereits eine Begrenzung der Genehmigungen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Doch die nepalesischen Behörden zeigen sich bisher nicht bereit, die Nachfrage einzuschränken. Die FAZ berichtet, dass die Saison mit über 1.000 Gipfelerfolgen zu Ende gegangen ist – ein Rekord, der sowohl Stolz als auch Sorge auslöst. Während einige Bergsteiger wie Tyler Andrews, der den Gipfel in nur neun Stunden und 55 Minuten erreichte, die Grenzen des Möglichen ausloten, warnen andere vor den Folgen des Massentourismus.
Die Debatte über die Zukunft des Everest-Tourismus wird in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen. Sollte Nepal die Genehmigungen weiter erhöhen, drohen die Risiken für Bergsteiger und die Umwelt zu wachsen. Gleichzeitig zeigt der Erfolg von Kenton Cool und den Sherpas, dass der Everest weiterhin ein Symbol für menschliche Leistung und Ausdauer bleibt – doch nur, wenn die Balance zwischen Abenteuer und Verantwortung gewahrt wird.
Eines ist sicher: Der Mount Everest wird auch in Zukunft ein Ort der Rekorde sein. Doch die Frage ist, ob diese Rekorde nur noch in Statistiken oder auch in der Geschichte der Alpinistik weiterleben werden.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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