Australien prüft ein weltweit einmaliges Verbot kameraausgestatteter Smart Glasses in Regierungsgebäuden. Premierminister Anthony Albanese verweist auf den Schutz der digitalen Privatsphäre. Gleichzeitig wachsen international die Sicherheitsbedenken, nachdem unbefugte Aufnahmen in sensiblen Bereichen wie Gerichtssälen zu massiver Kritik führten.
Die australische Regierung erwägt einen drastischen Schritt im Umgang mit neuer Technologie am Arbeitsplatz. Nach Angaben von Medienberichten berät das Kabinett über ein Verbot von datenschutzrelevanten Datenbrillen in staatlichen Gebäuden. Sollte die Maßnahme umgesetzt werden, handelte es sich um eine der weltweit ersten staatlichen Regulierungen dieser Art für bestimmte Bürokomplexe.
Katy Gallagher fordert klare Vorgaben für den öffentlichen Dienst
Ausgelöst wurde die Initiative unter anderem durch die Ministerin für den öffentlichen Dienst, Katy Gallagher. Sie hat die zuständige Kommission offiziell um eine Prüfung gebeten, ob Brillen mit integrierten Aufnahmefunktionen in Regierungsbüros untersagt werden sollten.
Weird and icky
Smart glasses can raise legitimate privacy and security concerns, particularly because of their ability to record and capture information, and we need clear and consistent guidance for public servants,
she said.
Katy Gallagher, Ministerin für den öffentlichen Dienst
Premierminister Anthony Albanese betonte den Führungsanspruch des Landes beim Schutz der digitalen Sphäre. Canberra hatte im Vorjahr bereits als weltweit erster Staat den Zugang zu sozialen Medien für Jugendliche streng eingeschränkt.
I am proud that Australia is setting the world standard for digital safety,
he said in a statement on Thursday.
Australia mulls first-ever smart glasses ban for certain workplaces
Anthony Albanese, Premierminister von Australien
Neben den Regierungsgebäuden plant die Exekutive einen runden Tisch mit führenden Unternehmen der Privatwirtschaft. Zu den geladenen Firmen gehören unter anderem der Technologiekonzern Microsoft, die Commonwealth Bank, der Telekommunikationsanbieter Telstra sowie der Energieversorger AGL, um gemeinsame Richtlinien für den Einsatz künstlicher Intelligenz in professionellen Umgebungen zu beraten.
Internationale Präzedenzfälle und juristischer Druck auf Meta
Während Brillen mit Kamerafunktionen von bestimmten Gruppen wie Sehbehinderten durchaus gelobt werden, schlagen Datenschützer und Sicherheitsbehörden international Alarm. Die unbemerkte Aufnahme von Fotos und Videos ohne Einwilligung der Betroffenen hat den Geräten in der Öffentlichkeit teils den Rufnamen pervert glasses eingebracht. In Großbritannien sind entsprechende Modelle von Meta bereits aus Kinos, Theatern und einigen Pubs verbannt. In England und Wales untersagten Justizbehörden den Einsatz in Gerichtssälen. Auch in Europa greifen erste Institutionen durch: Norwegens Hauptstadt Oslo verbot den Einsatz der Brillen im vergangenen Monat an Schulen, während die norwegische Bundesregierung weitere Vorschriften prüft.
Auch Hersteller geraten ins Visier der Justiz. Eine deutsche Verbraucherschutz- und Interessenorganisation reichte eine strafrechtliche Beschwerde gegen Meta und beteiligte Vertriebspartner ein und berief sich dabei auf geltende Datenschutzgesetze. Berichten zufolge reagiert The Information bereits auf die anhaltende Kritik: Demnach plant Meta die Entwicklung einer neuen Generation von Smart Glasses, die vollständig ohne integrierte Kamera auskommen soll.
Sicherheitsrisiken für Streitkräfte in Krisenregionen
Dass die Aufzeichnungstechnik nicht nur ein ziviles Datenschutzproblem darstellt, belegen Vorfälle beim US-Militär. Die US-Luftwaffe untersagte ihren Uniformierten das Tragen von Smart Glasses. Dana Thayer, die Informationsschutzchefin des 104th Fighter Wing, betonte in einem Beitrag, dass Sicherheitsrichtlinien mit dem technischen Fortschritt schrittweise nachgeschärft werden müssen.
We already ban most personal electronic devices from secure areas, however, as technology progresses, so should our security policies,
Dana Thayer, 104th Fighter Wing Information Protection Chief, wrote in an article earlier this year.
Besonders brisant ist ein Vorfall aus Jordanien. Admiral Brad Cooper, der Befehlshaber des US-Zentralkommandos, dokumentierte in einem Schreiben, dass ein Soldat während eines iranischen Drohnen- und Raketenangriffs auf den Stützpunkt Muwaffaq Salti Air Base am 17. Juli eine Videoaufnahme über Meta-Brillen anfertigte und diese auf Instagram veröffentlichte.
Video captured from a service member's Meta glasses was posted on Instagram showing where and how the individual had evacuated to a bunker during an Iranian missile and drone attack,
Admiral Brad Cooper, head of U.S. Central Command, wrote.
Admiral Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos
Cooper warnte eindringlich vor den Folgen solcher unbedachten Internetbeiträge, da gegnerische Staaten Aufnahmen von Mobiltelefonen und Wearables in Echtzeit auswerten, um Angriffe nachzubereiten. Die direkten Konsequenzen dieser Praxis seien unmittelbar an Menschenleben ablesbar. Infolgedessen sind Streitkräfte angehalten, die operative Sicherheit im Umgang mit privaten Geräten im Dienst drastisch zu erhöhen.
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