Australien prüft ein weltweit einmaliges Verbot kameraausgestatteter Smart Glasses in Regierungsgebäuden. Die Initiative folgt internationalen Bedenken nach Vorfällen, bei denen smarte Brillen in militärischen und zivilen Bereichen für unbemerkte Aufnahmen genutzt wurden. Laut bbc.co.uk ist Tabby Wilson in Sydney unterwegs, um herauszufinden, was die Menschen darüber denken und wo solche Brillen möglicherweise ebenfalls verboten werden sollten.
Die australische Regierung erwägt ein strenges Verbot von Smart Glasses mit integrierten Kamerallinsen an sämtlichen Arbeitsplätzen der öffentlichen Verwaltung. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, könnte dieser Schritt eine weltweite Premiere darstellen, um den wachsenden Datenschutzbedenken und Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit moderner Computerbrillen-Technologie zu begegnen.
Regierungsgebäude im Fokus der Datenschutzbehörden
Katy Gallagher, die australische Ministerin für den öffentlichen Dienst, hat den public service commission um eine formelle Einschätzung gehoben – sie zitiert sie mit der Angabe, sie habe den öffentlichen Dienst-Kommissar um Rat gefragt, ob Brillen mit Aufnahme- und Filmfunktionen aus allen Regierungsbüros verbannt werden sollen. Die Geräte bergen nach offizieller Darstellung legitime Risiken für die Privatsphäre und die innere Sicherheit, da sie heimliche Ton- und Bildaufnahmen ermöglichen.
Smart glasses can raise legitimate privacy and security concerns, particularly because of their ability to record and capture information, and we need clear and consistent guidance for public servants.
Katy Gallagher, Ministerin für den öffentlichen Dienst
Australien hatte im Vorjahr bereits weltweit Aufsehen erregt, als es als erster Staat den Zugang zu sozialen Medien für Jugendliche einschränkte. Albanese erklärte in einer offiziellen Erklärung, dass es von entscheidender Bedeutung sei, beim technologischen Fortschritt die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu implementieren. Er sagte in einer Erklärung zudem: „I am proud that Australia is setting the world standard for digital safety.
Internationale Präzedenzfälle und militärische Bedenken
Die Diskussion in Canberra findet vor dem Hintergrund internationaler Maßnahmen statt. So untersagte die norwegische Hauptstadt Oslo im Vormonat den Einsatz von Smart Glasses an Schulen, während die Regierung dort eine umfassende Regulierung prüft. Auch in England und Wales gilt ein striktes Verbot von Meta-datenbrillen in Gerichtssälen. In Großbritannien sind ähnliche Geräte zudem bereits aus einigen Kinos, Theatern und Gaststätten verbannt worden.
Besonders drastische Schritte unternahm das US-Militär. Die US Air Force untersagte Soldaten das Tragen von Smart Glasses in Uniform, nachdem Geheimdienst- und Sicherheitsbedenken laut geworden waren. Sicherheitsverantwortliche wiesen darauf hin, dass die von den Geräten verarbeiteten Daten für Ausspähungen genutzt werden können.
Die Debatte erhielt zusätzlichen Zündstoff durch einen Vorfall in Jordanien. Ein US-Soldat hatte während eines iranischen Drohnen- und Raketenangriffs auf den Stützpunkt Muwaffaq Salti Air Base eine Videosequenz über die Evakuierung in einen Bunker aufgenommen und auf Instagram veröffentlicht. Admiral Brad Cooper, der Leiter des US-Zentralkommandos, warnte daraufhin in einem Schreiben, dass der Iran solche Echtzeit-Informationen aus den sozialen Medien von Truppenangehörigen für die Zielerfassung und Wirkungseinschätzung seiner Angriffe missbraucht.
Video captured from a service member’s Meta glasses was posted on Instagram showing where and how the individual had evacuated to a bunker during an Iranian missile and drone attack.
Admiral Brad Cooper, Leiter des US-Zentralkommandos
Rechtlicher Druck auf Hersteller und Wirtschaftsdialog
Nicht nur Regierungen und Streitkräfte reagieren auf die Entwicklung. Hersteller wie Meta sehen sich erheblicher Kritik ausgesetzt, nachdem Nutzer die Brillen für unerwünschte Aufnahmen von Passanten einsetzten. In Deutschland hat eine deutsche Bürgerrechtsorganisation bereits eine strafrechtliche Beschwerde gegen Meta und weitere Vertriebspartner eingereicht, und beruft sich dabei auf Datenschutzgesetze.

Berichten zufolge reagiert der Konzern selbst auf die Welle der Entrüstung und plant die Entwicklung einer Modellvariante ohne Kamera. Aktuelle Geräte verfügen über eine Frontkamera, die Aufnahmen ermöglicht und auch die KI-Systeme des Herstellers mit visuellen Umgebungsdaten versorgt.
Parallel zu den Überlegungen für den öffentlichen Sektor plant die australische Regierung einen Runden Tisch mit den größten Arbeitgebern des Landes. Zu den dort genannten Unternehmen gehören Microsoft, die Commonwealth Bank, Telstra sowie der Energiekonzern AGL, um im Rahmen von Beratungen Richtlinien für den Einsatz von KI am Arbeitsplatz zu erarbeiten.
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