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Technik und Wissenschaft

Meta sperrt Kamerafunktion bei Tausenden manipulierten Smart Glasses

Meta sperrt die Kamerafunktion bei Tausenden Smart Glasses weltweit, nachdem Nutzer physische Manipulationen an der Aufnahme-LED vorgenommen hatten. Das Vorgehen gegen sogenannte Spannerbrillen folgt auf Berichte über heimliche Aufnahmen und eine Strafanzeige der Organisation HateAid gegen Hersteller und Händler.

Kamerasperre nach Manipulation der Aufnahme-LED

Meta hat weitreichende Maßnahmen ergriffen, um den Missbrauch seiner vernetzten Sehhilfen einzudämmen. Nach Angaben des Konzerns wurde die Kamerafunktion bei Tausenden Geräten deaktiviert, weil an den Brillen physische Manipulationen an der Aufnahme-LED festgestellt worden waren wie das Portal Heise berichtete. Das kleine weiße Lämpchen ist ein zentraler Bestandteil des Datenschutzkonzepts und soll Umstehenden signalisieren, dass gerade Aufnahmen gemacht werden.

Das Unternehmen schätzt, dass weniger als 0,1 Prozent aller verkauften Brillen in dieser Weise manipuliert wurden so Business Insider. Bei mittlerweile mehreren Millionen verkauften Geräten weltweit betrifft dies jedoch nach Schätzungen Tausende Brillen wie aus Branchenberichten hervorgeht. Wer die LED mit einem Aufkleber verdeckt hat, kann die Kamera nach dem Entfernen zwar wieder nutzen; wer die Leuchte jedoch ausgebohrt oder zerstört hat, verliert die Kamerafunktion dauerhaft berichtete das Medienhaus.

Juristisches Vorgehen und die Debatte um Paragraf 8 TDDDG

Die Vorfälle haben eine breite gesellschaftliche und rechtliche Debatte ausgelöst. In sozialen Netzwerken und Medien etablierten sich zunehmend Begriffe wie Spannerbrillen oder Perversling-Brillen berichten Medien, nachdem bekannt wurde, dass Männer die Brillen gezielt nutzten, um Frauen heimlich im Alltag zu filmen und die Aufnahmen im Internet zu verbreiten.

(Symbolbild) Eine Frau trägt eine aktuelle Ray-Ban-Sonnenbrille mit eingebauter Kamera
Photo: br.de

Als Reaktion darauf hat die Organisation HateAid Strafanzeige gegen die Geschäftsführer von Meta, Ray-Ban sowie gegen große Elektronik- und Optikketten wie MediaMarkt-Saturn, Mister Spex, Fielmann und Apollo-Optik gestellt meldete der Bayerische Rundfunk. Das juristische Argument stützt sich auf Paragraf 8 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG). Demnach könnten Telekommunikationsanlagen verboten sein, die ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind und dem unbemerkten Aufnehmen oder Abhören dienen so der Wortlaut des Gesetzes.

Meta sperrt Kamerafunktion bei Tausenden manipulierten Smart Glasses
Photo: businessinsider.de

Jessica Flint von der Würzburger IT-Rechts-Kanzlei Jun Legal äußerte sich dazu gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: In der Sache halte ich die Strafbarkeit oder zumindest den Verstoß gegen Paragraph 8 TDDDG durchaus für plausibel. Jessica Flint, IT-Rechts-Kanzlei Jun Legal Meta zeigt sich von der Anzeige dagegen unbeeindruckt und verweist darauf, dass die Brillen bereits im Jahr 2022 von der Bundesnetzagentur geprüft worden seien berichten die Sender. Die Bundesnetzagentur selbst sieht derzeit keinen akuten Handlungsbedarf und hält die Aufnahme-LED im Sinne des Gesetzes für ausreichend wie Heise anmerkt.

Zwischen digitaler Barrierefreiheit und Datenschutzbedenken

Während die Kamerasperren und Anzeigen das Image der Geräte belasten, versucht der Hersteller das Produkt gleichzeitig als Werkzeug für Barrierefreiheit zu positionieren. In Irland kündigte Meta kürzlich an, 15.000 Exemplare der Brillen an Menschen mit Sehbehinderungen zu spenden berichtete netzpolitik.org. Der Verband Vision Ireland übernimmt die Verteilung, während die Brillen unter anderem über die App Be My Eyes sehende Freiwillige mit Betroffenen verbinden.

Meta sperrt Kamerafunktion bei Tausenden manipulierten Smart Glasses
Photo: heise.de

Christiane Möller, Justiziarin und stellvertretende Geschäftsführerin beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), betonte im Gespräch mit netzpolitik.org, dass die Brille ursprünglich nicht als Hilfsmittel entwickelt wurde wie das Interview zeigt. Dennoch könne sie im Alltag dabei helfen, Umweltinformationen auszugleichen und die Selbstständigkeit zu erhöhen.

Gleichzeitig verwies Möller auf das grundlegende Dilemma beim Einsatz moderner KI-Systeme. Neben dem Nutzen für den Alltag müsse man sich stets fragen, wo die aufgezeichneten Daten verbleiben und ob die Privatsphäre gewahrt bleibt erklärte die Verbandsjuristin.

Katz-und-Maus-Spiel um technische Schutzvorkehrungen

Die technischen Hürden gegen Manipulationen sollen nach Willen des Herstellers weiter verschärft werden. Ein im Juli eingeführtes Softwareupdate erfasst bereits den physischen Zustand der LED, und neuere Anpassungen sollen verhindern, dass Nutzer das Licht erst nach dem Start einer Aufnahme verdecken berichtete das Fachportal Heise.

Heimlich gefilmt mit Smart Glasses: Strafanzeige gegen Meta, Ray Ban und Fielmann | ZDFheute live

Alex Himel, Wearables-Chef bei Meta In einem weiteren Interview bezeichnete er die Lage als ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel, da es immer wieder neue Versuche geben werde, bestehende Schutzmaßnahmen zu umgehen so die Berichterstattung. Ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um die rechtlichen Vorwürfe und den Imageverlust der Smart Glasses abzuwenden, bleibt in den kommenden Monaten abzuwarten.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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