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Kanada fordert Bündnis mit Großbritannien für neue EU-Allianz

Kanadas Premierminister Mark Carney treibt eine beispiellose Annäherung an die Europäische Union voran. Nach Vorschlägen für eine assoziierte EU-Mitgliedschaft und einer neuen Wirtschaftsallianz fordert Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne nun auch Großbritannien zu einem gemeinsamen Bündnis auf, um den Druck des US-Handelskonflikts abzufedern.

Kanadas strategische Neuausrichtung und der Vorstoß für eine EU-Allianz

Angesichts eines eskalierenden Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten sucht Kanada gezielt nach neuen internationalen Partnerschaften. Kanadas Premierminister Mark Carney erörterte die Möglichkeit, dass sein Land ein assoziiertes Mitglied der Europäischen Union werden könnte, wie das Wall Street Journal berichtete. Carney betonte jedoch, dass Ottawa kein reguläres Vollmitglied des Staatenbundes anstrebe. Stattdessen stehe eine einzigartige Allianz zwischen Kanada und der Europäischen Union im Mittelpunkt der geplanten Gespräche.

Der Hintergrund dieser diplomatischen Offensive liegt in den massiven Spannungen mit Washington. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr haben sich die Beziehungen spürbar verschlechtert. Trump erneuerte seine Kritik und bezeichnete Kanada als den schwierigsten Verhandlungspartner, während er neue Zölle auf Autos, Lastwagen und Autoteile ankündigte. Als Reaktion darauf betonte Anita Anand gegenüber Euronews, dass Ottawa im letzten Jahr mehr als 20 Sicherheits-, Verteidigungs- und Wirtschaftsabkommen weltweit unterzeichnet habe und diese Diversifizierung just getting started sei.

Finanzminister Champagne fordert Großbritannien zur Teilnahme auf

In dieses Bild passt der jüngste Applaus aus Ottawa für eine transatlantische Ausweitung der Pläne. Der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne sprach sich dafür aus, dass sich auch das Vereinigte Königreich an dem neuen europäischen Bündnis beteiligen sollte.

„This is all about the substance, to build an alliance of the future. The world has changed. America has changed. So we need to change.“

François-Philippe Champagne, kanadischer Finanzminister, via BBC

Champagne rechtfertigte zudem die harten kanadischen Gegenmaßnahmen im Handelskonflikt mit den USA, bei denen das Land durch Zölle stood up for our industries, our workers, our country habe. Mit Blick auf London betonte er die gemeinsamen Werte und die geopolitische Nähe der beiden Staaten.

Split screen. Left, man being interviewed. Right, female being interviewed
Photo: bbc.com

„We need to look at partnership in a different way, and the great thing is that when you look at Canada, and I would say the United Kingdom, we share the same values. We are very aligned in our vision of the world. Why don’t we team up?“

François-Philippe Champagne, kanadischer Finanzminister, via BBC

Champagne fügte hinzu: We are independent and sovereign, but we are stronger together. Diese Argumentation knüpft an Carneys Konzept einer Allianz middle powers an, die bei Wirtschaftswachstum, Resilienz und Sicherheit eng zusammenarbeiten sollen.

Konkrete Zusammenarbeit bei kritischen Lieferketten und Infrastruktur

Die Annäherung geht weit über symbolische Gesten hinaus. Wie aus Berichten hervorgeht, verhandeln Ottawa und Brüssel über die Absicherung des freien Verkehrs von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften in strategisch bedeutsamen Bereichen. Dazu zählen insbesondere Energie, Künstliche Intelligenz, Verteidigung und kritische Rohstoffe.

Kanada fordert Bündnis mit Großbritannien für neue EU-Allianz
Photo: zeit.de
  • Gemeinsamer Bau von Infrastrukturprojekten wie Unterseekabeln und Rechenzentren
  • Entwicklung und Errichtung neuer Satellitennetzwerke
  • Engere Kooperation bei Verteidigungsfragen und der Sicherung von Lieferketten

Diese vertiefte Kooperation schlägt sich bereits in institutionellen Meilensteinen nieder. Kanada nahm als erster nicht-europäischer Staat an einem Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan teil, wie Euronews berichtete. Vor dem Europäischen Parlament in Strasbourg erklärte Premierminister Carney, dass Europa und Kanada angesichts globaler Erschütterungen stronger together seien.

Diplomatische Termine und offene Fragen zur Umsetzung

Die Gespräche gewinnen in den kommenden Tagen weiter an Fahrt. Für seine diplomatische Tour reist Premierminister Carney nach Frankreich und Großbritannien. Am 20. September ist ein offizielles Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron geplant, während im Vorfeld bereits Konsultationen in Brüssel und Strasbourg stattfanden.

Champagne stands on a lawn in front of the Toronto city skyline
Photo: bbc.co.uk

Dennoch bleiben Fragen zur künftigen Architektur dieser Beziehungen offen. Während Brüssel mit dem Konzept eines assoziierten Mitglieds neue Wege beschreitet, äußern Beobachter Zweifel daran, wie sich eine derartige Integration in die bestehenden Handelsstrukturen nach dem Brexit einfügt. Insbesondere für das Vereinigte Königreich stellt sich die Frage, wie die britische Post-Brexit-Positionierung im Spannungsfeld zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten austariert werden kann.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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