Zahlreiche prominente jüdische Künstler und Akademiker stellen sich hinter den Schauspieler Mark Ruffalo. Dieser war von Paramount Skydance scharf dafür kritisiert worden, im Rahmen des Widerstands gegen eine geplante Milliardenfusion Geschäftsbeziehungen zwischen Softwarekonzernen und dem israelischen Militär thematisiert zu haben.
Ein offener Brief gegen den Vorwurf des Antisemitismus
Eine Koalition aus mehr als 170 namhaften jüdischen Künstlern, Kulturschaffenden und Akademikern hat sich in einem offenen Brief solidarisch mit dem Schauspieler Mark Ruffalo erklärt. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören unter anderem die Filmemacher Todd Haynes, Joel Coen und Lisa Cholodenko sowie die Schauspielerin Hannah Einbinder und die frühere Broad City
-Darstellerin Ilana Glazer. Die Gruppe verurteilt darin scharf eine aus ihrer Sicht unzulässige Verknüpfung von berechtigter politischer Kritik und religiologischer Diskriminierung.
Der Streit entzündete sich an der umstrittenen Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance. Das Volumen des geplanten Transaktionsprojekts beläuft sich nach Medienberichten auf rund 111 Milliarden US-Dollar. Der Hollywood-Star Mark Ruffalo, bekannt für seine Rolle als Hulk in großen Filmproduktionen, gehört zu den profiliertesten Kritikern des Deals. Er hatte in einem Social-Media-Beitrag darauf hingewiesen, dass die Familie Ellison über das Softwareunternehmen Oracle eng mit dem israelischen Militär verflochten ist und diese Technologie im Konflikt im Gazastreifen eingesetzt wird.
Mark Ruffalo, Schauspieler, erklärte zu den Vorwürfen von Paramount, die Anschuldigung, er sei antisemitisch, sei empörend und grundsätzlich unehrlich.
Reaktionen von Paramount und jüdischen Organisationen
Paramount Skydance hatte im August reagiert und dem Schauspieler vorgeworfen, im Zuge eines wirtschaftlichen Geschäftsstreits antisemitische Stereotype zu bedienen. Das Unternehmen ließ verlauten, dass die Verwendung von Begriffen wie Genozid
und Apartheid
im Zusammenhang mit einer Unternehmensübernahme unangemessen sei und das historische Leid verwässere. Auch führende Vertreter traditioneller Organisationen bezogen Position. Jim Berk, der Leiter des Simon Wiesenthal Center, nennte Ruffalos Einlassungen einen Lehrbuchfall von Besessenheit und Verteufelung von Juden, während Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League die Äußerungen als zynisch und verstörend kritisierte.

Ruffalo wies die Vorwürfe umgehend zurück. Seine politischen Überzeugungen dürften niemals als Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen missverstanden werden. Kritik an der Politik der israelischen Regierung oder an Verträgen über militärische Technologie sei keinesfalls gleichzusetzen mit einer Ablehnung jüdischer Menschen, betonte der Darsteller in einer Stellungnahme.
Wirtschaftliche Machtkonzentration und rechtliche Hürden für den Megadeal
Hinter der öffentlichen Auseinandersetzung stehen handfeste medienpolitische und kartellrechtliche Konflikte. Die geplante Verschmelzung von Paramount und Warner Bros. Discovery würde namhafte Sender und Studios wie CBS News, CNN, HBO und TBS unter einem gemeinsamen Dach bündeln. Larry Ellison, Mitgründer von Oracle und Vater des Paramount-Chefs David Ellison, garantiert persönlich für Eigenkapitalfinanzierungen in Höhe von 40,4 Milliarden Dollar.

Der Zusicherung stehen erhebliche juristische Blockaden gegenüber. Der Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Rob Bonta, sowie elf weitere demokratische Staatsanwälte aus Bundesstaaten wie New York und Oregon haben eine Antitrust-Klage eingereicht, um die Fusion zu verhindern. Paramount pausierte den Vollzug der Transaktion, bis ein Gerichtsverfahren geklärt ist. Ein entsprechender Prozess vor einem Gericht in Oakland wurde für den 2. März anberaumt.
Die Argumente des Künstlerkollektivs und der breitere Diskurs
In dem von den Künstlern unterzeichneten Schreiben wird betont, dass die Kritik an der Transaktion weit über einen reinen Unternehmensstreit hinausgeht. Die Unterzeichner sehen in dem Zusammenschluss einen Teil eines größeren Projekts technologischer und medialer Dominanz. Kritiker wie der Historiker Zachary Foster merkten an, dass Vorwürfe des Antisemitismus in den Vereinigten Staaten zunehmend als Mittel genutzt würden, um die öffentliche Kritik an der israelischen Militärpolitik in den Hintergrund zu drängen.
Das Verfahren in Oakland und die politische Debatte über den Einfluss großer Technologiekonzerne auf die Medienlandschaft werden die Filmbranche in den kommenden Monaten weiter beschäftigen.