Das 32. Eidgenössische Jodlerfest findet vom 26. bis 28. Juni 2026 in Basel statt. Unter anderem tritt das 1. Frauen-Jodel-Chörli Basel auf, der älteste reine Frauenjodelchor der Schweiz, der bereits 1942 gegründet wurde. Die Veranstaltung bringt Chöre aus verschiedenen Regionen zusammen, während extreme Hitze die Teilnehmenden vor logistische Herausforderungen stellt.
Die historische Bedeutung des 1. Frauen-Jodel-Chörli Basel
Inmitten des urbanen Rauschens Basels, zwischen Bahngleisen und Beton, bewahrt ein Ensemble eine Tradition, die einst als Provokation galt. Das 1. Frauen-Jodel-Chörli Basel wurde am 12. Februar 1942 gegründet. Zu dieser Zeit, mitten im Zweiten Weltkrieg, war die Jodelszene eine reine Männerdomäne.
Die Gründung war ein bewusster Bruch mit bestehenden Konventionen. Laut Radio SRF bewundern heutige Mitglieder wie Präsidentin Monika Müller den Mut der Gründerinnen, die in einer schwierigen Zeit alte Traditionen aufbrachen. Dieser Wegbereiter-Status manifestierte sich bereits 1944 durch den ersten Radioauftritt des Chores, was den Weg für künftige Generationen von Jodlerinnen ebnete.
Die historische Entwicklung des Chores spiegelt den gesellschaftlichen Wandel innerhalb der Schweizer Volksmusik wider. Die Professionalisierung und Anerkennung von Frauen in Führungspositionen folgte erst Jahrzehnte später. Ein Beleg hierfür ist die Karriere von Dirigentin Marianne Smug, die im Jahr 2005 beim Eidgenössischen Jodlerfest in Aarau als erste Frau das Amt der Gesamtobfrau und Jurychefin übernahm.
Musikalische Differenzen und die Anpassung an Basel
Die musikalische Gestaltung eines reinen Frauenchors unterscheidet sich grundlegend von der klassischer Männerchöre. Ein zentraler Punkt ist der Stimmumfang, der bei Jodlern in der Regel deutlich größer ist als bei Jodlerinnen. In der Anfangszeit fehlte es zudem an spezifischer Notenliteratur für reine Frauenensembles, was die Baslerinnen zwang, eigene Wege zu finden.
Heute ist die Situation anders; es gibt zahlreiche Komponisten, die gezielt für Frauenchöre schreiben. Für den aktuellen Auftritt in Basel hat das Ensemble eine besondere Hommage vorbereitet. Die Basler Hymne Z’Basel am mym Rhy
wurde eigens für das Fest umgeschrieben, um eine musikalische Liebeserklärung an die Heimatstadt zu formulieren.
Die Dynamik innerhalb der Gruppe unterscheidet sich laut den Beteiligten ebenfalls von der in Männerchören. Während Marianne Smug in ihrer Erfahrung mit Männervereinen eine härtere und rauere
Atmosphäre beschreibt, betont Jodlerin Marlene Jauslin die gegenseitige Fürsorge und den starken Zusammenhalt innerhalb des Frauenchores.
Logistische Hürden und die Hitze-Problematik
Während die Basler den Heimvorteil genießen, kämpfen Gastchöre mit den klimatischen Bedingungen der Hitzewelle. Das Jodelchörli Mörschwil aus dem Kanton St. Gallen berichtet von erheblichen körperlichen Belastungen durch die traditionelle Kleidung.
Besonders die regionalen Unterschiede der Trachten spielen eine Rolle bei der Hitzetoleranz. Wie 20 Minuten berichtet, sind langärmlige Trachten, wie sie beispielsweise in Wallis getragen werden, bei extremen Temperaturen deutlich anstrengender.
- Einsatz von Fächern und kühlenden Tüchern in Zip-Beuteln.
- Nutzung des Rheins zum Abkühlen durch Schwimmen.
- Strategische Auswahl der Trachtenkomponenten.
Trotz der körperlichen Strapazen überwiegt bei den Sängerinnen aus Mörschwil die Freude am Networking und dem gemeinsamen Singen in den Straßen der Stadt.
Kontroversen um den Standort Basel
Die Wahl von Basel als Austragungsort für das Eidgenössische Jodlerfest war nicht jedermanns Sache. Die urbane Umgebung steht in starkem Kontrast zum traditionellen Image des Jodelns, das oft mit alpinen Landschaften assoziiert wird.

Diese Diskrepanz führte im Vorfeld zu Diskussionen innerhalb der Jodlergemeinschaft. Mitglieder des Jodelchörli Mörschwil gaben an, dass sich andere Chöre ernsthaft gefragt hätten, ob sie unter diesen Bedingungen überhaupt anreisen sollten. Die Skepsis gegenüber dem städtischen Setting scheint jedoch mit Beginn des Festes einer gemeinschaftlichen Begeisterung gewichen zu sein.
Die Verschiebung der Tradition in den urbanen Raum, symbolisiert durch Proben im Restaurant Bundesbahn zwischen ratternden Zügen, markiert eine Weiterentwicklung der Schweizer Kulturlandschaft. Das Fest beweist, dass die Tradition nicht an den Berg gebunden ist, sondern auch im Beton der Großstadt Bestand hat.
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