Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Herpes Zoster für alle Personen ab 60 Jahren sowie für Personen ab 50 Jahren mit einem erhöhten Risiko durch Immunschwäche. Der rekombinante Impfstoff erfordert zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten, um einen wirksamen Schutz vor Gürtelrose zu gewährleisten.
Warum die STIKO den rekombinanten Impfstoff bevorzugt
Die aktuelle Impfstrategie in Deutschland stützt sich primendär auf den Einsatz rekombinanter Impfstoffe. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) hat diesen technologischen Ansatz gegenüber der früher gebräuchlichen Lebendimpfung priorisiert. Der entscheidende Unterschied liegt in der Zusammensetzung: Während Lebendimpfstoffe abgeschwächte Viren enthalten, nutzt der rekombinante Impfstoff ein spezifisches Protein des Varizella-Zoster-Virus, das mit einem Adjuvans kombiniert wird, um die Immunantwort zu verstärken.
Diese Entscheidung der STIKO basiert auf der klinischen Wirksamkeit und der Sicherheitsprofile der verfügbaren Präparate. Der rekombinante Impfstoff, bei dem es sich um das Präparat Shingrix handelt, zeigt eine hohe Wirksamkeit auch in höheren Altersgruppen. In klinischen Studien, die als Grundlage für die Empfehlungen dienten, konnte ein Schutz gegen die Gürtelrose in den Altersgruppen über 50 und über 70 Jahre nachgewiesen werden.
Ein wesentlicher Aspekt der medizinischen Bewertung ist das Impfschema. Im Gegensatz zu Einmalimpfungen ist bei der rekombinanten Variante eine zweite Dosis zwingend erforderlich. Die STIKO schreibt einen zeitlichen Abstand von zwei bis sechs Monaten zwischen den beiden Impfdosen vor. Dieser Rhythmus ist notwendig, um das immunologische Gedächtnis ausreichend zu festigen und den langfristigen Schutz zu stabilisieren.
Schutz vor der Postherpetischen Neuralgie
Ein zentrales Ziel der Impfung ist nicht allein die Vermeidung des Hautausschlags, sondern primär die Prävention der Postherpetischen Neuralgie (PHN). Diese Komplikation beschreibt chronische, oft extrem schmerzhafte Nervenschmerzen, die nach dem Abheilen der Gürtelrose-Läsion bestehen bleiben können.

For more on this story, see Gürtelrose-Impfung: Senkt sie Demenz-Risiko oder schützt vor Nervenschmerzen?.
Die medizinische Datenlage zeigt, dass das Risiko für PHN mit steigendem Alter signifikant zunimmt. Die Schmerzen resultieren aus den dauerhaften Schädigungen der sensorischen Nerven durch die Virusreplikation. Da PHN die Lebensqualität der Betroffenen über Monate oder gar Jahre einschränken kann, rückt die präventive Immunisierung in den Fokus der öffentlichen Gesundheitspolitik.
Die Wirksamkeit des rekombinanten Impfstoffs gegen die Entwicklung einer PHN ist laut den klinischen Daten der Hersteller und der regulatorischen Bewertungen hoch. Durch die gezielte Stimulierung der T-Zell-Antwort wird das Risiko minimiert, dass das Virus die Nervenbahnen so massiv schädigt, dass dauerhafte Schmerzsignale entstehen.
Zielgruppen und medizinische Voraussetzungen
- Personen ab 60 Jahren: Diese Gruppe erhält die Empfehlung aufgrund des allgemeinen altersbedingten Rückgangs der Immunfunktion, der sogenannten Immunseneszenz. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Reaktivierung des im Körper schlummernden Varizella-Zoster-Virus.
- Personen ab 50 Jahren mit Immunschwäche: Für diese Gruppe ist die Altersgrenze niedriger angesetzt, da eine Beeinträchtigung des Immunsystems das Risiko für einen schweren Verlauf und Komplikationen bereits früher erhöht. Zu den medizinischen Indikationen für diese Gruppe gehören unter anderem Krebserkrankungen, HIV-Infektionen, Transplantationen oder die Einnahme immunsuppressiver Medikamente.
Für Personen, die bereits eine Gürtelrose durchgemacht haben, ist die Impfung ebenfalls eine Option, um eine erneute Infektion oder eine PHN zu verhindern. Die medizinische Fachwelt rät in diesen Fällen jedoch zu einer individuellen Absprache mit dem behandelnden Arzt, um den optimalen Zeitpunkt für die Impfung festzulegen.
Sicherheit und Impfreaktionen
Die Verträglichkeit des rekombinanten Impfstoffs ist ein bekannter Faktor in der klinischen Praxis. Da der Impfstoff ein Adjuvans enthält, um die Immunreaktion zu verstärken, treten häufiger lokale und systemische Reaktionen auf als bei herkömmlichen Impfstoffen.
- Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle.
- Erschöpfung und Müdigkeit.
- Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen.
- Fieber oder Schüttelfrost.
Diese Reaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen meist innerhalb weniger Tage ab. Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert. Dennoch ist die Dokumentation dieser Reaktionen für die medizinische Praxis wichtig, um Patienten vorab über mögliche Unannehmlichkeiten nach der Injektion zu informieren.
Die Überwachung der Sicherheit erfolgt kontinuierlich durch Behörden wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Deutschland und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Bisherige Daten bestätigen das Sicherheitsprofil des rekombinanten Impfstoffs für die empfohlenen Altersgruppen.
Bitte konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt, um Ihren individuellen Impfstatus und die für Sie geeignete Impfung zu besprechen.