US-Abgeordneter James Comer leitete am Freitag eine Untersuchung gegen die Prognoseplattformen Kalshi und Polymarket ein. Er prüft, ob Insiderhandel durch Regierungsmitarbeiter oder Staatsbedienstete möglich ist. Der Untersuchungsausschuss fordert Informationen darüber, wie diese Plattformen Identitätsprüfungen durchführen und unregelmäßige Handelsaktivitäten erkennen, um den Missbrauch von Insiderwissen zu verhindern.
James Comer untersucht potenziellen Insiderhandel durch Regierungsmitarbeiter
Der Vorsitzende des Ausschusses für Aufsicht und Regierung, James Comer, äußerte am Freitag gegenüber CNBC die Sorge, dass Regierungsmitarbeiter oder Angestellte der Präsidentschaftsverwaltung nicht-öffentliche Informationen nutzen könnten, um erhebliche Gewinne zu erzielen. In einem offiziellen Schreiben an die CEOs der betroffenen Plattformen forderte Comer Dokumente an, um die Durchsetzung von geografischen Beschränkungen und die Erkennung anomaler Handelsmuster zu bewerten.
Comer sieht in den internen Aufzeichnungen der Prognosemärkte das einzige Mittel, um böswillige Akteure zu identifizieren und die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen zu prüfen. Das Ziel des Kongressabgeordneten ist es nicht nur, das Ausmaß des möglichen Missbrauchs zu ermitteln, sondern auch die Grundlage für neue Gesetze zu schaffen. Er schlägt vor, dass sowohl Mitglieder des Kongresses als auch Regierungsangestellte von der Teilnahme an diesen Märkten ausgeschlossen werden sollten.
Die Reaktion der Unternehmen fiel unterschiedlich aus. Während Kalshi betonte, dass man bereit sei, mit dem Ausschuss zu kooperieren, verwies ein Sprecher von Polymarket auf deren bestehende Strukturen zur Marktintegrität.
Kalshi setzt auf Regulierung während Polymarket Transparenz durch Information generiert
Die beiden Branchenführer verfolgen grundlegend verschiedene Strategien im Umgang mit der Informationsbeschaffung. Laut einem Bericht von Business Insider betrachtet Polymarket den Informationsfluss sogar als einen positiven Aspekt des Marktes.
„Was an Polymarket cool ist, ist, dass es einen finanziellen Anreiz für Menschen schafft, Informationen an den Markt weiterzugeben und den Markt dadurch zu verändern“, sagte Gründer Shayne Coplan.
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Shayne Coplan, via Business Insider
Im Gegensatz dazu hat Kalshi massiv in Kontrollmechanismen investiert. Das Unternehmen arbeitet mit dem Überwachungsunternehmen Solidus Labs zusammen und hat mit Robert DeNault einen neuen Leiter für die Durchsetzung von Regeln verpflichtet. Kalshi nutzt zudem einen großen Datensatz über Trader, um Unregelmäßigkeiten aufzuspüren.
Die strukturellen Unterschiede zwischen den Plattformen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Kalshi: Mit Sitz in New York City, reguliert durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und verbietet anonyme Wetten.
Polymarket: Eine Blockchain-basierte Plattform mit einer Lizenz in Panama, die internationale Operationen außerhalb der US-Aufsicht führt.
Jay Clayton warnt vor strafrechtlichen Verfolgungen bei Betrug
Die rechtliche Lage der Prognosemärkte bleibt angespannt. Jay Clayton, der US-Staatsanwalt für den Southern District of New York, erklärte auf einem Forum, dass er mit strafrechtlichen Verfolgungen im Zusammenhang mit Prognosemärkten rechnet. Er zog einen Vergleich zum sogenannten „Point-Shaving“ im Basketball, bei dem die Manipulation von Spielergebnissen strafbar ist.
„Das ist ein Verbrechen. Nur weil es ein Prognosemarkt ist, schützt Sie das nicht vor Betrug“, sagte Clayton.
Betting markets insider trading probe: Rep. James Comer on launch of investigation
Jay Clayton, via Business Insider
Diese Warnung unterstreicht das wachsende Risiko für Plattformen, die nicht über ausreichende Kontrollen verfügen. Während Kalshi bereits Fälle an die Behörden gemeldet hat, bleibt die rechtliche Grauzone bei internationalen, dezentralen Plattformen wie Polymarket ein zentraler Streitpunkt für die Aufsichtsbehörden.
Die Schwierigkeit, zwischen legalem Wissen und Insiderhandel zu unterscheiden
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Eine der größten Herausforderungen für die Branche ist die Definition dessen, was rechtlich als Insiderinformation gilt. Kalshi-CEO Tarek Mansour verdeutlichte diese Komplexität in einer Diskussion über spekulative Wetten auf öffentlich bekannte Ereignisse. Er vertrat die Ansicht, dass Informationen, die als nicht-wesentlich oder öffentlich diskutierbar gelten, für den Handel zulässig seien.
Die Praxis zeigt jedoch, dass bereits kleine Verstöße gegen interne oder organisatorische Regeln schwerwiegende Folgen haben können. So wurde beispielsweise ein Student der University of Tennessee entlassen, nachdem ein Überwachungstool von Kalshi eine Position auf ein Football-Spiel des dortigen Teams registriert hatte. In diesem Fall ging es jedoch nicht um Insiderhandel, sondern um einen Verstoß gegen die Regeln der National Collegiate Athletic Association (NCAA).
Für die Zukunft bedeutet dies, dass die Branche unter verstärkten Beobachtungen steht. Während die Märkte wachsen und die Popularität steigt, müssen die Betreiber entscheiden, ob sie ihre Kontrollsysteme massiv ausbauen oder das Risiko regulatorischer Konsequenzen durch eine eher liberale Informationspolitik eingehen.
Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.
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