NASA-Administrator Jared Isaacman stellte am Dienstag die vierköpfige Crew für die Artemis-III-Mission vor, die für 2027 geplant ist. Die Besatzung, bestehend aus Randy Bresnik, Luca Parmitano, Frank Rubio und Andre Douglas, wird in einer zweiwöchigen Testmission in der Erdumlaufbahn das Andockmanöver mit privaten Mondlandern von SpaceX und Blue Origin erproben.
Diese Mission markiert eine strategische Neuausrichtung des Programms. Während Artemis III ursprünglich als erste bemannte Mondlandung seit 1972 konzipiert war, wurde der Umfang laut Scientific American auf einen Testflug im niedrigen Erdorbit geändert. Damit schafft die NASA eine Sicherheitsbarriere, bevor Artemis IV im Jahr 2028 die eigentliche Landung am lunaren Südpol anstrebt.
Die Besatzung: Veteranen und ein Rookie
Die Auswahl der Crew spiegelt eine Mischung aus extremer Flugerfahrung und akademischer Spezialisierung wider. Unter dem Kommando von Randy Bresnik, einem ehemaligen Oberst des U.S. Marine Corps und Testpiloten mit über 7.000 Flugstunden in 95 verschiedenen Flugzeugtypen, steht ein internationales Team. Als Pilot fungiert Luca Parmitano von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), was laut NASA.gov die erste Ernennung eines ESA-Astronauten für eine Artemis-Mission darstellt.

- Frank Rubio: Ein zertifizierter Hausarzt und Flugchirurg, der 2023 den Rekord für den längsten kontinuierlichen Weltraumflug eines US-Astronauten mit 371 Tagen aufstellte.
- Andre Douglas: Der einzige Neuling in der Gruppe. Douglas promovierte in Systemtechnik an der George Washington University und diente zuvor in der US-Küstenwache als Schiffbauingenieur.
Sollte ein Besatzungsmitglied ausfallen, wurde NASA-Astronaut Bob Hines als Backup-Mitglied benannt. Die Crew beginnt unmittelbar mit dem Training an den Orion-Systemen und unterstützt die Entwicklung der kommerziellen Lander.
Der Missionsablauf: Ein choreografiertes Andockmanöver
Die technische Komplexität von Artemis III liegt in einer „multi-launch campaign“, die laut Jeremy Parsons, dem amtierenden stellvertretenden Administrator für das Moon-to-Mars-Programm, drei der weltweit leistungsstärksten Raketen in kurzer Zeit erfordert. Die Mission beginnt mit dem Start des Testfahrzeugs von Blue Origin, das bis zu 90 Tage im All verweilen kann.

Anschließend startet die Crew in der Orion-Kapsel mittels der Space Launch System (SLS) Rakete vom Kennedy Space Center in Florida. In einer kreisförmigen Flugbahn um die Erde wird Orion zunächst an den Blue-Origin-Lander andocken. Nach zwei Tagen gemeinsamer Tests trennt sich die Kapsel, um ein identisches Manöver mit einer Version des Starship von SpaceX durchzuführen.
Dieser Ansatz minimiert das Risiko für spätere Mondmissionen. Parsons erklärte gegenüber Scientific American, dass die Mission bewusst darauf ausgelegt sei, kalkulierte Risiken einzugehen, damit zukünftige Besatzungen sicherer sind und letztlich erfolgreich werden, wenn wir den Mondboden betreten
.
Neben den Andocktests umfasst der zweiwöchige Aufenthalt in der Orion-Kapsel auch einen Außenbordgang sowie Tests neuer Raumanzüge, die gemeinsam von Axiom Space und dem Modehaus Prada entwickelt wurden.
Die Vision der „ersten Sternenflotte der Erde“
Jared Isaacman beschrieb die aktuelle Phase der Raumfahrt als den Beginn einer neuen Ära. Er sieht in der Koexistenz verschiedener Raumfahrzeuge in der Erdumlaufbahn die Geburtsstunde einer globalen Infrastruktur.
„Denken Sie an die Anzahl der Raumfahrzeuge, von denen alle schließlich Menschen transportieren werden und die gleichzeitig im Orbit sein werden, von Dragon, Shenzhou, Sojus, möglicherweise Starliner, Starship und Blue-Origin-Landern. […] Das scheint mir wie der Beginn der Zukunft zu sein, die wir uns als Kinder vorgestellt haben. Das scheint mir wie der allererste Anfang der ersten Sternenflotte der Erde zu sein.“ Jared Isaacman, NASA-Administrator, via The Guardian
Diese Vision umfasst nicht nur US-amerikanische Technologie, sondern integriert explizit auch russische und chinesische Raumfahrzeuge in das Gesamtbild der orbitalen Präsenz. Die Artemis-III-Mission dient dabei als technologischer Wegbereiter für den Aufbau einer permanenten Mondbasis.
Rückschläge bei Blue Origin und die Zeitplanung
Trotz des Optimismus gibt es erhebliche technische Hürden. Am 28. Mai ereignete sich eine Explosion auf der Startrampe in Florida, bei der die New-Glenn-Rakete von Blue Origin zerstört wurde. Da diese Rakete den Lander transportieren soll, stellt der Vorfall ein Risiko für den Zeitplan dar.
„Wie Sie wissen, hatten wir eine signifikante Anomalie. Die Reaktion der NASA, unserer Partner und Kunden war außergewöhnlich. Wir machen exzellente Fortschritte bei der Untersuchung und der Reinigung der Startrampe. Wir werden mit dem Wiederaufbau beginnen, sobald die Reinigung abgeschlossen ist.“ John Couluris, Blue Origin, via The Guardian
Die NASA reagiert darauf mit einer verstärkten Aufsicht. Jeremy Parsons betonte, dass die Behörde aktiv mit allen Partnern und Lieferanten zusammenarbeite, um die Probleme zu lösen. Dennoch bleibt die Zeitplanung volatil. Während die offizielle Timeline einen Start in der zweiten Hälfte von 2027 vorsieht, rechnen viele Experten laut Reuters/Yahoo mit einer möglichen Verschiebung.
Die Abhängigkeit von privaten Akteuren wie SpaceX und Blue Origin zeigt die neue Architektur der NASA: Die Behörde fungiert weniger als alleiniger Konstrukteur, sondern primär als Koordinator und Zertifizierer kommerzieller Systeme. Ob die New-Glenn-Rakete rechtzeitig einsatzbereit ist, wird darüber entscheiden, ob Artemis III den Weg für die Landung 2028 ebnet oder ob die Zeitpläne erneut korrigiert werden müssen.